Ausstellungen Goethe-Haus zeigt Bilder aus dem Märchenwald

Goethe-Haus zeigt Bilder aus dem Märchenwald (Foto)
Goethe-Haus zeigt Bilder aus dem Märchenwald Bild: dpa

Frankfurt/Main - Im Frankfurter Goethe-Haus wächst ein Wald. Ein Wald aus menschengroßen Scherenschnitten, von hinten blau beleuchtet, dazu Naturgeräusche vom Band.

Wie «Hänsel und Gretel im Bilderwald» soll sich der Besucher fühlen, der bis Mitte Juli die gleichnamige Ausstellung besucht. Sie blickt zurück auf 200 Jahre Grimm'sche Märchen und hat dafür 200 Illustrationen ausgewählt, angefangen von den Bildern eines dritten Grimm-Bruders bis zu ironischen Umdeutungen der Gegenwart.

Nur durch die Illustrationen, die von Anfang an die gedruckten Ausgaben der Märchen ergänzt haben, konnten diese Texte sich überhaupt so stark ins kollektive Bewusstsein eingraben, glauben die Kuratoren der Ausstellung - das Goethe-Haus und das Institut für Jugendbuchforschung der Frankfurter Goethe-Universität. «Das Bild der Romantik und die Ansicht, was eigentlich als "romantisch" zu gelten hat, wird maßgeblich von den Märchentexten der Romantik und ihren Illustratoren geprägt», sagt Kurator Wolfgang Bunzel.

In der Ausstellung geht es nicht allein um die Grimm'schen «Kinder- und Hausmärchen», deren Erstveröffentlichung 1812 der Anlass für die Ausstellung war. Auch andere romantische Autoren haben in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Märchen gesammelt, nacherzählt oder neu geschrieben, zum Beispiel Clemens Brentano oder Novalis. Einige haben sie auch gleich selbst bebildert wie E.T.A. Hoffmann oder Philipp Otto Runge. Die Einheit von Text und Bild ist dabei eine zentrale Forderung romantischer Künstler: Das Zusammenwirken verschiedener Kunstformen, erklärt Bunzel.

Die Prominenz der Autoren und später die Bekanntheit der Texte animierte zwei Jahrhundert lang Künstler, sich mit Märchenmotiven auseinanderzusetzen. Eine vollständige Liste aller Illustratoren läse sich streckenweise wie das Who is Who der Kunstgeschichte, sagt Hans-Heino Ewers vom Institut für Jugendbuchforschung. Karl Friedrich Schinkel, der Architekt Berliner Staatsbauten, steht ebenso darauf wie der expressionistische Maler Max Beckmann.

Je mehr die romantischen Märchen Teil des kollektiven Bewusstseins wurden, desto mehr hat sich ihre Bebilderung vom Text emanzipiert. «Die Zukunft des Märchenbilderbuchs der Gegenwart verspricht eine freiheitlich-individuelle zu werden», schreibt Claudia Maria Pecher im Katalog zur Ausstellung. Im Goethe-Haus sind auch sie zu sehen: Die antiautoritären Umdeutungen der 1970er Jahre - zum Beispiel von Janosch - oder parodistische Versionen wie ein wortloser zweifarbiger Rotkäppchen-Krimi-Comic.

Impuls Romantik

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news.de/dpa

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