Kunst Kurator der Berlin Biennale: Kunst kann aktiv eingreifen

Berlin - Für die diesjährige Berlin Biennale, die am 27. April beginnt, zeichnet der polnische Künstler Artur Zmijewski als Kurator verantwortlich.

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Kurator der Berlin Biennale: Kunst kann aktiv eingreifen Bild: dpa

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagt der 46-Jährige, was ihm an zeitgenössischer Kunst wichtig ist und warum er sich als eine Art DJ versteht.

In Ihrem Konzept zur Biennale sprechen Sie sich für einen künstlerischen Pragmatismus aus. Was verstehen Sie darunter?

Zmijewski: «Ich meine die Möglichkeit, mit der Kunst aktiv in bestimmte Prozesse in der Welt einzugreifen. Nehmen Sie das Beispiel der weißrussischen Künstlerin Marina Naprushkina, die wir eingeladen haben. Sie gibt gemeinsam mit Kollegen ein Magazin heraus, das sich kritisch mit den Verhältnissen in ihrem Heimatland auseinandersetzt. Das ist ein sehr konkreter Beitrag zu einer praktischen Veränderung in Weißrussland. Sie greift Themen auf, über die die Medien im Land sonst nicht berichten.»

Was ist dann der Unterschied zwischen Journalismus und Kunst?

Zmijewski: «Ich bin nicht interessiert an Unterschieden und Definitionen und Schubladen. Mein Ansatz ist genau umgekehrt. Ich möchte die Genres gern so viel wie möglich mischen. In diesem Sinne verstehe ich mich eher als ein DJ, der verschiedene Stile und Strukturen miteinander kombiniert und vermischt.»

Sie haben anfangs jeden Künstler nach seiner politischen Haltung gefragt. War das ein Kriterium, wer eingeladen wird?

Zmijewski: «Nein, nicht wirklich. Ich wollte die Frage nur stellen, weil ich sie für wichtig halte - gerade heutzutage, wo die Kultur so entpolitisiert ist und auch die Menschen entpolitisiert sind. Und die Antworten waren für mich sehr interessant: Die meisten Künstler verstehen sich als links, humanistisch, feministisch, liberal. Andererseits gibt es natürlich auch viele, die ganz unpolitisch sind.»

Wurden nur die politisch Engagierten eingeladen?

Zmijewski: «Ich sage doch den Leuten nicht, wie Kunst sein soll, ich bin doch kein Diktator. Aber was ich machen kann, ist, die Leute zu überzeugen - dass es möglich ist, bestimmte soziale Prozesse zu begleiten, die das Ziel haben, die Realität zu verändern oder zu einer Veränderung aufzurufen. Natürlich glaube ich nicht, dass Künstler das allein schaffen. Das wäre naiv. Aber ich glaube, dass sie als Teil von existierenden Gruppen sehr wohl zur Gestaltung der Lebenswirklichkeit beitragen können.»

Heftige Kritik gab es an der geplanten Aktion, das umstrittene Buch von Thilo Sarrazin zu «recyceln»...

Zmijewski: «Ich finde trotzdem, dass der Künstler Martin Zet das Projekt machen sollte. Natürlich muss es jetzt irgendwie anders werden: Er wollte ja ursprünglich 60 000 Buchexemplare zusammenbringen, jetzt sind es nur ein paar. Aber er reist derzeit durch Deutschland und besucht die Institutionen und Menschen, die ihn unterstützt haben. Man muss abwarten, was da herauskommt, aber für uns ist schon dieser Diskussionsprozess sehr wichtig.»

Gespräch: Nada Weigelt, dpa

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news.de/dpa

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