Musik Amadou & Mariam: Tradition & Moderne

Berlin - Dunkle Wolken über Bamako: Immerhin kehrt mit einer Übergangsregierung einige Wochen nach dem Militärputsch wieder etwas Ruhe in Mali ein.

Amadou & Mariam: Tradition & Moderne (Foto)
Amadou & Mariam: Tradition & Moderne Bild: dpa

Bewegte Zeiten in dem westafrikanischen Land.

Auch Amadou & Mariam, das blinde Superstar-Duo aus Mali, äußerten sich kürzlich zu der Lage in ihrem Land und machten sich in einem Interview mit «StreetPress.com» für Frieden und Einheit stark: «Mali, das ist ein Volk», meint der Gitarrist Amadou. In diesem Land würden so viele verschiedene Menschen zusammenleben, das könne nur funktionieren, wenn man aufeinander Rücksicht nehmen würde und zusammenhalte.

Ihr neues Album «Folila» passt da genau: Auf Bambara bedeutet «Folila» «Musik machen»: «Wir haben es so genannt, weil viele Musiker, viele Sänger bei dem Album mitgemacht haben. Ziel war es, gemeinsam Musik zu machen», erläuterte die Sängerin Mariam in der französischen Zeitung «L'Humanité» den Titel.

Entstanden ist es in Rom, New York, Bamako (Hauptstadt von Mali) und Paris - internationaler geht es kaum. Mit ihrer Mischung aus traditioneller malischer Musik, Rock, Funk, Blues und Soul haben Amadou & Mariam schon immer weit über die Grenzen ihres Landes, ihres Kontinents hinausgeblickt, um Tradition und Moderne harmonisch miteinander zu verbinden. Sie haben mit Manu Chao ebenso zusammen gearbeitet wie mit Blur-Frontmann Damon Albarn. Mit Coldplay waren sie in den USA auf Tournee.

Besonders illuster ist die Anzahl der Gaststars auf «Folila»: Eine Künstlerin wie Santigold passt da perfekt in das Konzept von Amadou & Mariam. Die afro-amerikanische Musikerin ackert sich selbst gerne vorurteilsfrei durch die Genres, kombiniert Ska und Dub mit Pop, Punk und Elektro. Zusammen mit Gitarrist Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs hat Santigold mit Amadou & Mariam den Opener «Dougou Badia» rausgehauen. Ein Song, der mit herkömmlicher Weltmusik wenig zu hat und die Botschaft von Freude, Liebe und Freundschaft verkündet - ein echter Knaller.

«Wir lieben es zu singen, um den Leuten Hoffnung zu geben», sagte Amadou in einem Interview mit «Paris Match». Und das machen sie auf vielfältige Art und Weise. Bei «Wily Kataso» sind Tunde und Kyp von TV On The Radio dabei, die sich aber davor hüten, das Zepter in die Hand zu nehmen. Amadou & Mariam geben eindeutig den Rhythmus vor und bewahren das «afrikanische» Element - den quirligen Gesang, die singenden Saiten der Gitarren.

Zur Musik von Amadou & Mariam muss man tanzen, selbst bei den großen und ernsten Themen wie in dem Song «Africa Mon Afrique» - eine einzige Liebeserklärung an den Kontinent, verbunden mit der Forderung nach Gerechtigkeit und Demokratie. Die Lieder von Amadou & Mariam klingen sonnig, aber in Afrika ist es ganz normal, dass die großen und ernsten Themen immer auch mit tanzbarer Musik verquickt werden: «In einem Land wie Mali darf man nicht einfach nur singen, sondern man muss immer auch etwas zu sagen haben», betonen Amadou & Mariam.

Besonders schön sind vor allem die Liebeslieder von Amadou & Mariam - die mit ganz einfachen Worten den Zauber der Liebe einfangen: «Ohne Dich kann ich nicht tanzen/Ohne Dich kann ich nicht singen/Ohne Dich kann ich nicht ausgehen/Ohne Dich kann ich nicht schlafen», heißt einfach und berührend in «Sans toi». Was könnte schöner klingen?

Ein Mann aber hat das neue Album von Amadou & Mariam besonders geprägt: Bertrand Cantat, der einst große Schuld auf sich geladen hatte. Der ehemalige Sänger der französischen Rockband Noir Désir hatte seine Freundin Marie Trintignant im Juli 2003 in einem Hotel der litauischen Hauptstadt Vilnius im Streit bewusstlos geschlagen und der Sterbenden nicht geholfen. Das Paar hielt sich dort zu Dreharbeiten auf. 2004 verurteilte ein litauisches Gericht den Rocksänger wegen Totschlags zu acht Jahren Haft. 2007 wurde er wegen guter Führung vorzeitig entlassen. «Er trägt die Bürde der Schuld, die er immer angenommen hat, auch in der Zukunft», sagte damals sein Anwalt.

Amadou & Mariam haben ihn ungeachtet dessen in ihre Mitte aufgenommen. Aus dieser Mitte heraus setzt Cantat mit seinem Gitarrenspiel, seiner Mundharmonika, seinen Texten und seinem belegten Gesang Akzente auf zahlreichen Songs - lässt Amadou & Mariam ordentlich rocken. «Für ihn wie für uns war es angenehm. Ich glaube, diese Erfahrung hat ihn verändert», sagte Amadou der Zeitschrift «Paris Match». «In Mali vergisst man die westliche Welt».

Tourneedaten: 03.05. Darmstadt - Centralstation, 07.07. Köln - Summerjam Festival

Website

news.de/dpa

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