Fernsehen King of California

Hamburg - Die 16-jährige Miranda (Evan Rachel Wood) ist nicht zu beneiden. Ihre Mutter hat die Familie schon lange verlassen, ihr manisch-depressiver Vater Charlie (Michael Douglas) ist nach zwei Jahren in der geschlossenen Psychiatrie gerade nach Hause zurückgekehrt.

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King of California Bild: dpa

Früher war Charlie Jazz-Bassist, jetzt steht seine Instrument nur noch in der Ecke. Dafür träumt der zerzauste Sonderling von einem Goldschatz, den spanische Pioniere im 17. Jahrhundert angeblich in Südkalifornien vergraben haben.

Mit neuester Technik, unbeirrbarem Willen, jeder Menge krimineller Energie und einem Mini-Bagger macht sich Charlie auf die Schatzsuche. Seine Tochter, die sich mit einem miesen Job in einem Fast-Food-Laden über Wasser hält, ist entsetzt über diese Eskapaden - und lässt sich schließlich doch vom wahnwitzigen Enthusiasmus ihres Vaters anstecken.

Regiedebütant und Drehbuchautor Mike Cahill hat mit «King of California» (SAT.1, 22 Uhr) eine tragikomische Vater-Tochter-Geschichte inszeniert, die mit reichlich schrägem Humor und skurrilen Einfällen daherkommt. Als Produzenten zeichnen Alexander Payne («About Schmidt») und Michael London («Sideways») verantwortlich, und wiederum ist eine Art starbesetzter Independentfilm entstanden, der den fantasievollen Widerstand gegen eine konformistische Konsumwelt feiert.

In einer Szene taucht nicht zufällig das Cover von Ken Keseys Kultroman «Einer flog über das Kuckucksnest» auf. Mit der Verfilmung dieses Bestsellers heimste Michael Douglas als Produzent 1976 fünf Oscars ein, die Rechte an dem Bestseller hatte ihm sein Vater Kirk Douglas vererbt. Der von Jack Nicholson furios verkörperte Irrenhäusler Randle Patrick McMurphy ist zudem ein ganz naher Verwandter des kalifornischen Schatzsuchers Charlie.

Michael Douglas spielt wieder einmal furios auf, legt seine beste Leistung seit dem Campusdrama «Wonder Boys» (2000) hin, und bringt uns den großartig-schizophrenen Glücksritter in seiner Zerrissenheit ganz nah. Angeblich träumen Schauspieler ja von solchen Rollen. Sein Charlie ist ein Typ, der einfach nicht in die Landschaft passt. In Mike Cahills Film ist Kalifornien schon lange nicht mehr das gelobte Land, sondern ein zersiedelter, hässlicher Bundesstaat, übersät von Einkaufszentren, zerschnitten von Autobahnen, begradigt zu Golfplätzen, bevölkert von grauenhaften Freizeitmenschen. Früher gab es neben Charlies Haus noch einen Orangenhain, heute reiht sich Bauzaun an Bauzaun.

Der «King of California» fügt sich nicht mehr ein in diese Welt, und so taucht er irgendwann ganz wortwörtlich ab in sein glorreiches Goldgräber-Abenteuer. Für seine Tochter Miranda, die ihm auch bei seinem letzten Coup noch unterstützt, bleibt am Ende nur die Erfahrung, einen König kennengelernt zu haben, dessen Reich nicht ganz von dieser Welt war.

news.de/dpa

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