Kunst Die Kunst der Kopie in Karlsruhe

Karlsruhe - In Deutschland tobt der Kampf um das Urheberrecht - und die Kunsthalle Karlsruhe ehrt die Kopie. Die Ausstellung «Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis YouTube» zeigt die fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Künstler und seinem Kopisten.«Wir wollen eine differenzierte Ansicht des Phänomens erreichen», erläutert der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich das Konzept.

Die Kunst der Kopie in Karlsruhe (Foto)
Die Kunst der Kopie in Karlsruhe Bild: dpa

«Auf den zweiten Blick ist nämlich jede Kopie mindestens genauso interessant wie das Original.»Dass die Ausstellung bei Dürer ansetzt, hat seinen Grund. Er ist einer der ersten, der auf seine Originalität pochte und als individueller Künstler in die Geschichte eingehen wollte. Er äußerte auch sehr eindeutig, was er von Nachahmern hielt. «Weh dir, Betrüger und Dieb fremder Arbeitsleistung und Einfällen, lass es dir nicht einfallen, deine dreisten Hände an diese Werke anzulegen!», schrieb er in einem Buch mit seinen Holzschnitten und drohte mit «schärfsten Strafen». Allerdings ließ er seine Werke in Lizenz von italienischen Künstlern nachahmen. Ein Vorbild für spätere Generationen.

Dürer gehört zudem zu den meist kopierten Künstlern. Von seinem Werk «Das Liebespaar und der Tod» zeigt die Ausstellung allein vier Kopien, bei der nur Fachleute die Unterschiede herauslesen können. Was verwundert: Dürer übernahm selbst Motive anderer Künstler. Als Beleg präsentiert die Kunsthalle «Die Muse Thalia», die dem Kupferstich eines anonymen Meisters aus Ferrara nachempfunden ist.

Bereits diese frühen Beispiele zeigen das Spektrum der Kopiermotive. Oft ist es die Verehrung des Vorbildes oder der Wunsch, das Bild in eine Sammlung aufzunehmen. So haben etwa Franz von Lenbach und Anselm Feuerbach für den Kunstsammler Adolf Friedrich von Schack Kopien alter Meister erstellt. Einige Meisterwerke sind auch so unzugänglich, dass erst die Kopie für die Verbreitung sorgt. «Die Kunst als Eigentum aller», lautet das Schlagwort. Davon zeugen etliche Abbilder der Sixtinischen Madonna - kaum verwunderlich, dass das Original in Karlsruhe fehlt.

Das Kopieren ist auch Handwerk - gern genutzt in der Kunstausbildung. Der junge Henri Matisse etwa hat ein Stillleben im Stile flämischer Meister gemalt, in dem sich kaum Zeichen seines späteren Werkes entdecken lassen. Anders dagegen bei Vincent van Gogh - seine Pietà nach Delacroix trägt deutlich seine Handschrift und sprengt damit schon fast den Rahmen der Ausstellung, die eigentlich nur Kopien zeigen wollte, die das Vorbild möglichst exakt treffen. «Aber diese neueren Bilder fanden wir einfach zu spannend», begründet Kuratorin Ariane Mensger die Ausnahme.

Einen ganz eigenen Blick auf das Original liefert Marcel Duchamp, der Alltagsgegenstände zur Kunst erklärte. Aber selbst «sein» Flaschentrockner wurde inzwischen mehrfach kopiert.

Ganz neue Blüten treibt die Kopiererei mit der Erfindung von Fotografie und Internet. Damit entstand die Möglichkeit, Kunstwerke nachzustellen - mit sich selbst in der Hauptrolle. «Das ist auch eine Form der Hommage an die Künstler und wird sehr ernsthaft betrieben», erzählt Mensger. «Oft geben sich die Laien Tipps, wie sie die Szene noch exakter treffen können.» Einige Ergebnisse werden im Museum gezeigt. Und die Museumsbesucher können sich auch selbst in einer übergroßen Camera obscura im Nachstellen von Kunstmotiven versuchen.

Mit der Ausstellung will Kunsthallen-Direktorin Pia Müller-Tamm einen Beitrag zur Diskussion um Originale, Kopien und Reproduktionen liefern. Der Blick auf die Geschichte hilft ihrer Meinung nach, «die Aktualität des Themas unter neuen Vorzeichen zu betrachten». Was die Urheberschaft von Kopien betrifft hat Mensger ihre Entscheidung schon getroffen: «Wir haben es hier nur mit Originalen zu tun.»

Information zur Ausstellung

news.de/dpa

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