Musik Dreampop von Lonely Drifter Karen

Dreampop von Lonely Drifter Karen (Foto)
Dreampop von Lonely Drifter Karen Bild: dpa

Berlin - Was Leslie Feist und Florence Welch (die mit der Maschine) können, kann Tanja Frinta schon lange. So lässt sich die Wirkung des herausragenden dritten Albums von Lonely Drifter Karen, dem Projekt einer jungen Österreicherin, knapp zusammenfassen.Irgendwo zwischen dem Folkpop der feingeistigen Kanadierin und dem Elektro-Groove der furiosen Britin lässt sich «Poles» (Crammed Discs/Indigo) denn auch einordnen.

Auf die prachtvolle Ballade «Dizzy Days» folgt der geschmeidige Stampfer «Comet», und beides bekommt Tanja Frinta mit ihrer kleinen Band wunderbar hin.

Nach den zwischen Tom Waits und Aimee Mann angesiedelten Folkpop-Songs der beiden ersten Alben «Grass Is Singing» (2008) und «Fall Of Spring» (2010) betreten Lonely Drifter Karen auf Nummer drei Neuland. Wuchtige Synth-Bässe, Elektronik-Sprengsel, funkige Gitarrenriffs und Frintas sensibler Dreampop-Gesang sorgen für eine fast unwirklich schöne Klangkulisse.

Mit dem trotz aller Künstlichkeit herrlich warmen Eighties-Pop von «Henry Distance» erreicht das Album einen weiteren Höhepunkt. Dieser Song oder auch das abschließende «Exactly Light» könnten den Soundtrack einer Weltraumoper zieren und würden den französischen Science-Fiction-Poppern von Air alle Ehre machen. Da wundert es nicht, dass auch die Lieder von Lonely Drifter Karen zunehmend Verwendung in Filmen und Werbespots finden.

Dass Tanja Frinta eine großartige, mutige Sängerin ist, beweist sie auch im asiatisch angehauchten «Velvet Rope» oder in «Brand New World». Mit ihrem musikalischen Langzeitpartner, dem spanischen Keyboarder und Arrangeur Marc Melià Sobrevias, hat sie zudem einen Soundtüftler ersten Ranges an der Seite. Er hat «Poles» trotz aller Klangfülle ausgesprochen luftig produziert.

Wer ein gutes halbes Jahr nach Feists «Metals»-Platte Entzugserscheinungen verspürt und die Tempobolzerei von Florence And The Machine leid ist, sollte also unbedingt mal bei Lonely Drifter Karen reinhören. Der magische, makellose Pop dieser in Brüssel lebenden Band muss sich hinter den jüngsten Alben der beiden ungleich berühmteren Damen jedenfalls nicht verstecken.

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news.de/dpa

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