Film «My Week with Marilyn» - Michelle Williams betört als Monroe

Los Angeles - Welche Schauspielerin könnte Marilyn Monroe überzeugend spielen? Die platinblonde Scarlett Johansson oder die üppige «Mad Men»-Schönheit Christina Hendricks? An Michelle Williams, den zarten Star des Independent-Films, mögen die wenigsten gedacht haben.

«My Week with Marilyn» - Michelle Williams betört als Monroe (Foto)
«My Week with Marilyn» - Michelle Williams betört als Monroe Bild: dpa

Ihre ersten beiden Oscar-Nominierungen holte sich Williams mit den Porträts zermürbter, glanzloser Ehefrauen in «Brokeback Mountain» und «Blue Valentine». Für ihren Auftritt als Hollywoods Sex-Bombe in «My Week with Marilyn» gab es im Januar die Dritte hinzu. Den Oscar hätte Williams völlig verdient, doch am Ende ging er an die andere begnadete Verwandlungskünstlerin des amerikanischen Films, an Meryl Streep als «Eiserne Lady».

In «My Week with Marilyn» macht Williams als Monroe eine so umwerfend gute Figur, dass man als Zuschauer mitunter vergisst, wen man vor sich hat. Der Film führt zurück in das Jahr 1956, als Monroe - gerade 30, weltberühmt und frisch mit Schriftsteller Arthur Miller verheiratet - zu Dreharbeiten nach London jettet. Der britische Star Sir Laurence Olivier wollte Hollywoods Sex-Göttin unbedingt in der Liebeskomödie «Der Prinz und die Tänzerin» an seiner Seite haben.

Die Dreharbeiten waren ein strapaziöses Drama, mit Zoff zwischen Monroe und Olivier, Nervenzusammenbrüchen und Verzögerungen. Der Regisseur und Schauspieler beklagte sich später in seinen Memoiren über Marilyns «berüchtigte Unpünktlichkeit» und ihre Undiszipliniertheit. Zeuge davon wird Colin Clark, ein 23-jähriger Oxford-Student, der vom Filmgeschäft träumt und mit einer großen Portion Glück als Regieassistent angeheuert wird. Clark, gespielt von dem britischen Nachwuchsdarsteller Eddie Redmayne («Elizabeth - Das goldene Königreich») ist neben Monroe der eigentliche Star.

«My Week with Marilyn» ist seine Geschichte von einer Woche als Monroes Assistent, Vertrauter und Liebhaber. In seinen gleichnamigen Memoiren schrieb der 2002 gestorbene Clark wenige Jahre vor seinem Tod seine kurze Love-Story mit Marilyn nieder. Ob alles wahr ist - das Nacktbaden in einem See, ihr Ausflug zum Windsor Castle, die gemeinsame Nacht in Monroes Schlafzimmer - ist nicht zu belegen, aber das spielt keine Rolle. Durch Clarks Augen sieht man Monroes verführerischen Charme, ihre kindliche Zerbrechlichkeit, den unwiderstehlichen Sex-Appeal, die großen Selbstzweifel und ihre Einsamkeit.

Der britische «Hamlet»-Star Kenneth Branagh schlüpft in die Rolle seines großen Vorbilds Sir Laurence Olivier, der Monroe mal begehrt, mal hasst, mal kritisiert, mal um den Finger zu wickeln versucht. Das brachte Branagh eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller ein. Oscar-Preisträgerin Judi Dench glänzt zudem als erfahrene Kollegin, die der unsicheren Monroe Rückendeckung gibt. Für «Harry Potter»-Star Emma Watson fällt eine kleine Rolle als Kostümbildnerin ab, die unglücklich in Colin Clark verliebt ist.

Williams, beim Drehstart im Herbst 2010 genauso so alt wie Monroe am Londoner Set, setzte für die Rolle einige Pfunde an, vertiefte sich in Monroe-Filme, Tagebücher und Briefe und übte mit einem «Movement Coach» Monroes sexy Schritt mit Po- und Hüftschwung ein. Der britische Regisseur Simon Curtis konnte der eher zarten Amerikanerin eine Mischung aus Empfindsamkeit und üppiger Sinnlichkeit entlocken. Nach zig Fernsehproduktionen ist sein erster Spielfilm eine perfekte Mischung aus Drama und Komödie. Man kann lachen und weinen und sich noch ein bisschen mehr in Marilyn (1926 - 1962) verlieben.

Es spricht für sich, dass Michelle Williams bei der Verleihung der Golden Globes im Januar zur besten Komödien-Schauspielerin gekürt wurde. Im Februar gewann sie als Monroe den Darstellerpreis bei den Independent Spirit Awards, mit denen Hollywood-unabhängige Produktionen honoriert werden. Gäbe es einen Trophäe für die mutigste Rollenwahl - sich mit einer Ikone wie Marilyn Monroe zu messen - so hätte Williams auch diesen Preis verdient.

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news.de/dpa

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