Fernsehen Geld allein macht den Fernsehzuschauer nicht glücklich

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Geld allein macht den Fernsehzuschauer nicht glücklich Bild: dpa

Berlin - Was ist bloß im deutschen Fernsehen los? Die Sender scheinen zurzeit mit Geld nur so um sich zu werfen: Millionen Euro werden ausgegeben, um Millionen Menschen zum Einschalten zu bewegen.

Ob beim RTL-Quiz «Wer wird Millionär?», der ZDF-Show «Rette die Million», dem ARD-Spiel «Opdenhövels Countdown», das am Donnerstag startete, oder dem Sat.1-Musikcasting «The Winner is...» mit Linda de Mol, das am Mittwoch losging: Es geht um viel Geld. Und diese paar Shows sind nur eine Auswahl. Doch die Rechnung «Mehr bringt mehr» - also: mehr Zaster bringt auch mehr Zuschauer - geht nicht immer auf.

Die Strategie der Sender ließe sich auch mit den Worten des geltungssüchtigen Unternehmers Heinrich Haffenloher (Mario Adorf) aus der Serie «Kir Royal» beschreiben: «Isch scheiß disch sowas von zu mit meinem Geld.» Doch findet der Zuschauer ein solches Verhalten sympathisch?

Manche Medien sehen in der aktuellen Entwicklung sogar einen Zeitgeist: «Griechenland ist abgebrannt. Die Deutschen üben das noch», schrieb das Berliner Blatt «Der Tagesspiegel». «Sie spielen Monopoly-TV um immer höhere Beträge. Und sie empören sich gleichzeitig über Rettungsschirme.»

Ob man das wirklich so allgemein sagen kann? Jedenfalls heißt es an diesem Samstag bei ProSieben wieder «Schlag den Raab». Stolz verkündet der Privatsender: «Der größte Jackpot im deutschen Fernsehen: 1,5 Millionen Euro liegen diesmal im Jackpot bei "Schlag den Raab". Pro Raab-Sieg erhöht sich die potenzielle Gewinnsumme um eine halbe Million Euro. Nach oben gibt es keine Grenzen. In keiner anderen TV-Show geht es regelmäßig um so viel Geld.»

Die bisher höchste Summe gewann im Mai 2009 der Mainzer Chemie-Doktorand Nino Hase: 3 Millionen Euro! Doch bei 21 von insgesamt 33 Ausgaben holte Entertainer Stefan Raab den Sieg und nicht sein Herausforderer.

In der neuen ARD-Show mit Matthias Opdenhövel, die zum Auftakt am Donnerstagabend 3,21 Millionen Menschen verfolgten, geht es um vergleichsweise wenig Geld: nur 100 000 Euro. Das ist sogar weniger als man zuletzt bei «Big Brother» (125 000 Euro) einheimsen konnte.

Immerhin eine Million Euro soll es am Ende bei Linda de Mols Gesangsshow «The Winner is...» zu gewinnen geben. Apropos Castingshow und Geld: Bei «Deutschland sucht den Superstar» bekommt der Sieger seit der achten Staffel neben dem Plattenvertrag noch eine halbe Million Euro. Die aktuelle neunte DSDS-Staffel bewarb RTL während der Bewerbungsphase sogar offensiv mit dieser Summe.

Früher - in den 50er bis 80er Jahren - spielte der Geldgewinn im Fernsehen keine so große Rolle. Beim heiteren Beruferaten «Was bin ich?» fielen lediglich 5-Mark-Stücke ins «Schweinderl», bei «Der große Preis» oder «Alles oder nichts» nahmen Kandidaten bei riskantem Spiel höchstens ein paar tausend Mark mit nach Hause. In der legendären Spielshow «Der goldene Schuss» ging es allerdings um wertvolles Edelmetall.

Bei der ARD-Quizsendung «Einer wird gewinnen», die von 1964 bis 1987 mit Hans-Joachim Kulenkampff lief, lag der Hauptgewinn für den Sieger laut «Fernsehlexikon» von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier zu Beginn «bei 2000 DM, Ende der 60er Jahre schon bei 4000 und zum Schluss bei 8000 DM».

Vor allem mit Sachpreisen, die heutzutage wohl kaum noch jemanden entzücken würden, lockten Spielshows wie «Am laufenden Band» mit Rudi Carrell oder später auch «Der Preis ist heiß» oder das «Glücksrad».

Spendabler mit Bargeld waren ab den 80er Jahren zunächst einige Privatsender wie Tele 5: Bei «Ruck Zuck» ging es um 100 000 Mark. In der Gameshow «Hopp oder Top» gewann dann vor 20 Jahren ein Kandidat die bis dato unerhörte Summe von 300 000 Mark.

Doch Geld allein macht nicht glücklich. Angepriesene hohe Geldbeträge auf dem Bildschirm halten TV-Zuschauer nicht unbedingt vom Wegzappen ab (das sieht man diese Woche auch an den schwach gestarteten Spielshows bei ARD und Sat.1). Das Konzept muss stimmen. Es muss spannend sein und unverwechselbar.

Bestes Beispiel, wie es geht, ist das international erprobte Quiz «Wer wird Millionär?», das aus Großbritannien stammt. Zwar sind die Zuschauerzahlen längst nicht mehr so gut wie in den Anfangsjahren, aber noch immer ist der Klassiker mit Günther Jauch mit Abstand die erfolgreichste Gameshow im deutschen Fernsehen. Am Freitagabend stand ein «Prominenten-Doppel» an.

RTL holt mit Jauch regelmäßig den Quotensieg. Sendersprecherin Anke Eickmeyer freut sich: «Natürlich sind Geldbeträge immer ein Anreiz für Teilnehmer, aber nicht unbedingt für die Zuschauer. Für den Erfolg einer Show sind die Dramaturgie, das inhaltliche Konzept und die Marktgegebenheiten entscheidender.»

news.de/dpa

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