Musik Cowboy Junkies: Folkrock-Nomaden in Bestform

Berlin - Was für eine beeindruckende Leistung: Innerhalb von nur 18 Monaten haben die Cowboy Junkies im Rahmen ihrer «Nomad Series» nun vier Alben vorgelegt - eines gehaltvoller und schöner als das andere.

Cowboy Junkies: Folkrock-Nomaden in Bestform (Foto)
Cowboy Junkies: Folkrock-Nomaden in Bestform Bild: dpa

«The Wilderness» ist Abschluss und Höhepunkt.

Die Nummer vier in der Ende 2010 gestarteten «Nomaden-Reihe» dieser so beständigen wie rastlos kreativen Band aus Toronto ist stärker als seine Vorläufer ein typisches Cowboy-Junkies-Werk. Das heißt: Es gibt meist ruhige Americana-Songs zu hören, mit prägnantem Bass, teils jazzigen Drums und ebensolchen Piano-Einschüben, zartem Banjo-Geschrammel, den gelegentlichen Gitarren-Eruptionen von Michael Timmins - und vor allem mit der herrlichen Alt-Stimme seiner Schwester Margo.

Das erinnert an «The Trinity Session», ihr in einer alten Kirche aufgenommenes Meisterwerk, mit dem die Cowboy Junkies vor gut 20 Jahren unterschiedlichste Pop- und Rock-Fans faszinierten - zu einer Zeit, als die heutige Neo-Folk-Mode noch lange nicht in Sicht war. Margo Timmins' extrem entschleunigte Version von Lou Reeds «Sweet Jane» gilt bis heute als die ultimative Interpretation dieses monumentalen Songs.

Danach blieben die Cowboy Junkies eine feste Größe im Country- und Folkrock-Genre, ohne je den verdienten Massenerfolg zu erreichen (die Band strebte ihn wohl auch nicht mit Macht an). Eine Neuaufnahme der «Trinity Session» von 2007 («Trinity Revisited», u.a. mit Ryan Adams und Vic Chesnutt) belegte die sich stetig entwickelnde Virtuosität der Band.

Wer die Cowboy Junkies in den vergangenen Jahren live gesehen hat und sich von den sympathischen Musikern verzaubern ließ, freut sich wie ein Kind auf jedes ihrer zeitlos-schön aufgenommenen Alben. Und so wird jeder Fan der Kanadier auch viel Freude an «The Wilderness» haben, mit dem sich der Kreis der «Nomad Series» würdig schließt.

Während die erste der vier mit einheitlichem Cover-Motiv versehenen Platten exotische Einflüsse eines China-Aufenthalts aufnahm und etwas schwerer zugänglich war («Renmin Park»/2010), verbeugten sich die Cowboy Junkies auf Nummer zwei in wunderbaren Cover-Versionen vor ihrem kurz zuvor aus dem Leben geschiedenen Songwriter-Kollegen und Freund Vic Chesnutt («Demons»/2011). Im dritten Werk «Sing In My Meadow» (2011) regierte wuchtig-rauer Bluesrock, meist gedämpft durch Margo Timmins' ultra-melodiösen Gesang.

Lieder wie den «Wilderness»-Opener «Unanswered Letter (for JB)» oder «The Confession Of George E» kann man einfach nicht besser komponieren, arrangieren, spielen und singen. Die von Akustikgitarre, Piano und Timmins' Stimme hingetupfte Blues-Ballade «I Let Him In» belässt ganz viel Raum zwischen den Tönen und klingt wie das akustische Pendant zu einem guten, schweren Rotwein um Mitternacht.

Das abschließende «Fuck, I Hate The Cold» hat sogar so etwas wie einen Groove. Aber natürlich nicht anbiedernd tanzbar, sondern im traditionsbewussten Folkrock-Rahmen, den die Cowboy Junkies auch mit diesem x-ten Album ihrer großen Karriere wieder etwas erweitern. Lange Rede, kurzer Sinn: «The Wilderness» ist das allerbeste der vier «Nomad Series»-Alben und eines der stärksten in der Band-Geschichte.

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news.de/dpa

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