Fernsehen Eine halbe Ewigkeit

Eine halbe Ewigkeit (Foto)
Eine halbe Ewigkeit Bild: dpa

Hamburg - Umfrage unter älteren Herrschaften: Was möchten Sie noch einmal erleben? Überwiegende Antwort: Noch einmal eine große Liebe. Das war für den TV-Produzenten und Autor Volker Krappen die eine Inspirationsquelle für seinen Film «Eine halbe Ewigkeit», der in der ARD in Matthias Tiefenbachers Inszenierung an diesem Freitag (20.15 Uhr) gezeigt wird.Die andere: das wenig bekannte Phänomen evangelischer Klöster in Deutschland, nicht mit den Diakonissen zu verwechseln.

Nach den beiden Weltkriegen, gleichsam als Reaktion auf alle überstandenen Schrecken, entstanden diese Orden. Die Mitglieder nennen sich zwar nicht Nonnen oder Mönche, und zur Ehelosigkeit sind sie nur solange verpflichtet, solange sie zum Orden gehören. Gerade war es aber in einem dieser Klöster passiert, dass eine der Damen einen Urlaub in Südamerika gemacht hatte (auch das ist erlaubt), dort einer alten Jugendliebe wieder begegnete und nun den Orden verlassen hatte. Traurig hatte ihr ein Glöckchen zum Abschied hinterher gebimmelt.

Das ist eigentlich auch schon die Geschichte von «Eine halbe Ewigkeit». Die evangelische Ordensfrau Schwester Elisabeth lebt streng und züchtig in einem dieser Klöster. Manchmal denkt sie an glückliche Zeiten längst vergangener Jugend zurück, als sie noch in Hamburg mit Freund Harry ein Konzert der damals gerade aktuellen Rock-Legende Bill Haley besuchte. Danach war Harry verschwunden, und sie hat ihn nie vergessen, auch wenn er sich niemals mehr gemeldet hatte, selbst mit der kleinsten Postkarte nicht. Und dann braust da ein Kerl mit Lederjacke und Strubbelkopf auf seinem Motorrad in den Klosterhof. Der Harry von damals ist zurückgekehrt und mit ihm auch, Schwester Elisabeth gesteht es sich erst nur zögernd ein, die alte Liebe.

Für Produzent Krappen gab es für die Elisabeth nur eine Besetzung: Cornelia Froboess. Die 68-Jährige erwies sich als zögerlich. Wer denn Regie führen würde und wer der Harry sein sollte, wollte sie wissen. Regisseur Tiefenbacher akzeptierte sie gern, und die Besetzung des Harry begeisterte sie. Denn das sollte Matthias Habich sein. Aber auch der zögerte. Bis sich die beiden Schauspieler verständigten: Ja, sie wollten das machen. Und Lambert Hamel, jahrzehntelanger Froboess-Kollege an den Münchner Kammerspielen, kam noch als ziemlich intriganter Zeitgenosse hinzu, der an der Trennung des Paares über die titelgebende «halbe Ewigkeit» hin nicht so ganz schuldlos war.

Elf Klöster quer durch Niedersachsen besichtigte das Produzentengespann Claudia Krebs und Volker Krappen für diesen ihren zweiten großen TV-Film. «Überall kam man uns sehr großzügig und hilfsbereit entgegen», erinnert sich Krebs. Gedreht wurde schließlich im Kloster Lünen bei Lüneburg, einem Bau aus dem 12. Jahrhundert, der zunächst nach der Reformation einen Damenstift aufgenommen hatte. Vor diesem ehrwürdigen Backsteinhintergrund vollzieht sich dann die späte, problembeladene Romanze, und Froboess spielte die alt gewordene Elisabeth mit allem Elan und ohne Scheu vor Falten und angegrautem Haar. In ein Kloster wäre sie selbst allerdings nie eingetreten: «Ich bin dafür einfach zu unfolgsam.»

ARD-Seite zum Film

news.de/dpa

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