Kunst Tierische Schönheiten von Dürer bis Koons

Paris - Manege frei für Dürer, Picasso, Degas, Matisse und Koons: So hätte der Titel der Ausstellung im Pariser Grand Palais auch heißen können.

Tierische Schönheiten von Dürer bis Koons (Foto)
Tierische Schönheiten von Dürer bis Koons Bild: dpa

Gezeigt werden Werke aus mehr als 400 Jahren Tierdarstellungen, angefangen von Albrecht Dürers berühmten Feldhasen bis hin zu Jeff Koons Pop-Art Pudel.

Das Ausstellungsplakat, auf dem der wunderschöne realistische Löwenkopf von Théodore Géricault abgebildet ist, ist vielversprechend. «Tierische Schönheit» heißt die bis zum 16. Juli dauernde Ausstellung, die erstmals in diesem Umfang die Beziehung zwischen Künstler und Tier thematisiert: 130 Gemälde, Skulpturen und Papierarbeiten, auf denen das Tier um seiner willen dargestellt wird und nicht mehr als Staffage.

Die Kuratorin Emmanuelle Héran beschäftigt sich seit 13 Jahren mit dem Thema. Daraus eine große Ausstellung im Grand Palais zu organisieren, wo bisher Retrospektiven und Werkschauen über Monet, Odilon Redon und Picasso massenweise das Publikum angezogen haben, überrascht. «Die Darstellung von Menschen scheint für viele nobler und wichtiger zu sein als von Tieren. Ich finde, das Gegenteil ist der Fall. Das Motiv wurde bisher stets nur am Rande behandelt. Man kann noch viel entdecken», sagte die Expertin.

Die Höhlen von Lascaux, Chauvet und Altamira: Die Darstellung von Tieren in der Kunst ist so alt wie die Menschheit. Einige Künstler waren von ganz bestimmten Tieren besessen. Der Impressionist Edgar Degas (1834-1917) war ein Pferdenarr, Jan van Kessel (1626-1679) begeisterte sich für Insekten und die Bildhauerin und Installationskünstlerin Louise Bourgeois für Spinnen.

Die Ausstellung gleicht einem herrlichen Bestiarium aus Kröten von Pablo Picasso, Fledermäusen von Vincent van Gogh und César, Katzen von Edouard Manet, Goya und Alberto Giacometti. Dabei ist auch das bedeutendste Rhinozeros der Kunstgeschichte, das unter anderem Dürer verewigt hat: Clara, das erste Nashorn, das in Europa seit der Römerzeit lebendig gesehen wurde.

Der Rückblick über mehr als 400 Jahre Kunst zeigt das Tier als anatomisches, ästhetisches und ethisches Objekt. Teilweise gleicht die Werkschau deshalb auch einer naturwissenschaftlichen Ausstellung. Eine Ausstellung, die Kunstliebhaber streckenweise unbefriedigt lässt, jedoch den Verdienst hat, eine wesentliche Problematik hervorzuheben: Wird der berühmte Eisbär von François Pompon aus dem Jahr 1928/29 eines Tages nur noch das Zeugnis einer ausgestorbenen Tierart sein?

Ausstellungsseite

news.de/dpa

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