Film Witzig: «Die Piraten - Ein Haufen merkwürdiger Typen»

Witzig: «Die Piraten - Ein Haufen merkwürdiger Typen» (Foto)
Witzig: «Die Piraten - Ein Haufen merkwürdiger Typen» Bild: dpa

Berlin - Das schier unverwüstliche Genre des Piratenfilms ist prädestiniert für Extravaganzen und Fantasien. Weil die Filme mit dem tatsächlichen Leben von Freibeutern nie viel zu tun hatten, konnten die Drehbuchautoren aus dem Vollen schöpfen und mussten ihrer Fantasie keine Zügel anlegen.

Dies gilt für den Klassiker «Der rote Korsar» (1952) mit einem umwerfend komischen Burt Lancaster über Roman Polanskis schräge «Piraten» von 1986 bis zu den «Fluch der Karibik»-Filmen mit ihrem Vergnügungspark-Appeal, die sich für die Produzenten als wahre Goldgrube entpuppten.

Jetzt lässt Peter Lord, britischer Animationsfilmer («Chicken Run») und Mitbegründer der Aardman-Studios («Wallace and Gromit»), seine Piraten vom Stapel, und die entpuppen sich als wunderbar detailverliebt hergestellte Chaos-Truppe, die zum großen Teil aus Knete besteht. Die Plastilin-Figuren haben Lord und sein Team im bewährten Stop-Motion-Verfahren zum Leben erweckt und behutsam an heutige Sehgewohnheiten angepasst. «Wir machen Animation wie vor 50 Jahren, aber wir haben sie kombiniert mit am Computer erzeugten Effekten, weil es eine Sache gibt, die man nicht mit Stop-Motion erzeugen kann, das Meer», erklärt der Regisseur im Presseheft.

Das handgefertige Piratenschiff, das demnach aus 44 569 Teilen besteht und in 5000 Stunden Kleinarbeit entstanden ist, verbreitet auf einem computergenierten Ozean Angst und Schrecken. Die Kombination gelingt, auch weil der Film als pointengespickte Parodie auf das Genre ebenso kurzweilig wie rasant daherkommt.

Dabei erweist sich der stolze Piratenkapitän mit seinem rotblonden Bart als Anführer einer Gurken-Mannschaft, vor der eigentlich niemand Angst haben muss. Als ihr Chef, dem Hugh Grant im Original seine Stimme leiht, sich in einer Art Castingshow um den Titel «Pirat des Jahres» bewirbt, wachsen die Freibeuter über sich hinaus. Sie stranden im nebeligen London, bekommen es mit einer rabiaten Queen Victoria zu tun, und treffen auf einen jungen, unglücklich verliebten Wissenschaftler namens Charles Darwin, der weniger an Evolution denkt als an Intrigen.

Der neue Streich aus dem Hause Aardman glänzt mit verblüffender Detailfreude, Tempo und Witz: Der rote Rauschebart des Kapitäns wimmelt bisweilen wie ein Bienenschwarm, die Schatzkammer der Queen scheint überirdisch zu strahlen, ihre Jacht ist eine dampfende, furchteinflößende Monstermaschine. Bis zum Happy End in der Südsee gibt es jede Menge prächtige Raufereien, Seeschlachten, viel Kanonendonner und schön gewebtes Seemannsgarn.

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news.de/dpa

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