Film «Wer weiß, wohin?» - komödiantische Leichtigkeit

«Wer weiß, wohin?» - komödiantische Leichtigkeit (Foto)
«Wer weiß, wohin?» - komödiantische Leichtigkeit Bild: dpa

Hamburg - Nach ihrem erfolgreichen Kinodebüt «Caramel» von 2007 thematisiert die libanesische Regisseurin Nadine Labaki in «Wer weiß, wohin?» den Konflikt zwischen Muslimen und Christen in einer Komödie.

Die politische Wirklichkeit lässt sie dabei außen vor.

Rhythmisch wanken die Frauen in der libanesischen Einöde Richtung Friedhof. Man könnte meinen, eine Musicalverfilmung setzt ein, wären da nicht die vielen schwarz verschleierten Frauen. Trauer versprühen sie, doch die leicht-beschwingte Musik dazu verleiht der Szene etwas Unbeschwertes. So beginnt Nadine Labakis Tragikomödie «Wer weiß, wohin?» so, wie sie weitergeht - als eine Mischung aus Drama und Komödie mit einem etwas zu naiven Blick auf die religiösen Konflikte der Region.

Eigentlich leben die Muslime und Christen in dem Kaff schon seit Jahren friedlich miteinander, abgesehen von den alltäglichen Kabbeleien. Doch eines Tages verwüsten Hühner und Ziegen die Moschee, im Weihwasserbecken ist Blut und eine Marien-Statue kippt um und muss notdürftig gekittet werden. Die Männer des Dorfes werten dies als Angriff auf ihre Religionen.

Was als locker-fröhliches Bild einer Gemeinschaft beginnt, entwickelt sich zu einer gewaltbereiten Auseinandersetzung, zumindest zwischen den Männern. Denn die Frauen können den Streit nicht nachvollziehen und greifen zu ungewöhnlichen: Sie engagieren eine ukrainische Table-Dance-Truppe, die die testosterongesteuerten Männer ablenkt, schieben ihnen Haschkekse unter und simulieren zum Schluss auch noch eine göttliche Erleuchtung.

Mit schönen Bildern und vielen schönen Menschen - allen voran die Regisseurin Nadine Labaki selbst - erzählt die Libanesin mit komödiantischem Gespür von diesem Konflikt, den sie als Plädoyer für Verständigung, Toleranz und Frieden anlegt. Den politischen Realitäten wird sie damit nicht gerecht. Vielleicht will Labaki damit ja aber auch nur zeigen, dass nicht alle Menschen in Krisenregionen die politischen Auseinandersetzungen leben.

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news.de/dpa

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