Theater Jammernde Kinderschänder - Kroetz-Stück in München

München - Zehn Jahre hat es gedauert, bis sich ein Theater zu einer Inszenierung des Stückes «Du hast gewackelt. Requiem für ein liebes Kind» von Franz Xaver Kroetz entschließen konnte.

Jammernde Kinderschänder - Kroetz-Stück in München (Foto)
Jammernde Kinderschänder - Kroetz-Stück in München Bild: dpa

Am Samstagabend ist es im Münchner Cuvilliés-Theater uraufgeführt worden.

Das Thema ist brutal und leider alltäglich: Kindesmissbrauch. Unter dem Eindruck eines realen Falles, der sich 2001 in der Nähe von Saarbrücken zutrug, schrieb Kroetz dieses wütende und grausame, weil realitätsnahe Stück. Der kleine Pascal soll damals in einem Wirtshaus vergewaltigt und getötet worden sein, seine Leiche wurde bis heute nicht gefunden und den angeblichen Tätern sowie der Wirtin konnte nichts nachgewiesen werden.

Dieses Requiem auf ein totes Kind ist vor allem ein Requiem der fünf weinerlichen Kinderschänder auf sich selbst. Kroetz zeigt, wie sich die Männer ihre Taten schönreden, weil sie mit ihrer Schuld nicht leben können. Die «Onkel» reden sich um Kopf und Kragen. Shenja Lacher, Franz Pätzold, Gerhard Peilstein, Lukas Turtur und Manfred Zapatka mimen die selbstgerechten Vergewaltiger mit ihrer «Ich wollte ihm nur helfen»-Attitüde reduziert, nüchtern, jämmerlich und durchaus überzeugend.

Auf der kühl und düster gehaltenen Bühne kreisen sie mit ihren Gedanken um den Buben, um das Opfer: «Opfer sind nicht immer unschuldig. Es gibt auch Opfer, die eine Schuld haben.» Sie hätten ihm schließlich immer auch Geld dafür gegeben. Aber manchmal, da habe der Junge einfach zu viel verlangt. Und überhaupt: Sie hätten ihm nichts Schlechtes wollen. «Er hatte Verstopfung, da musste ich ihm Zäpfchen in den Po schieben. Zäpfchen kann man nun mal nicht schlucken oder in die Augen träufeln.»

Das Cuvilliés-Theater hatte ein «musikalisches, wortgewaltiges, poetisches und sprachmächtiges Stück» angekündigt. Einen «Verzweiflungsgesang». Letztlich war der Text von Anfang bis Ende aber durch immer wiederkehrende derbe, drastische Formulierungen geprägt. Das Stück sollte wohl provozieren, aber es provozierte nicht. Es zeigte, wie zu erwarten war, wie Täter sich von ihren Taten distanzieren, wie sie die Schuldfrage verdrehen und sich als Helfer darstellen. Und die schmutzigen Details will man schon nicht lesen in Berichten über Vergewaltigungsprozesse - warum sollte man sie sich als Kunst auf der Bühne zumuten?

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig