Literatur David Petersen ist der Mann hinter den Mäusen

Berlin - Comics und Mäuse, das klingt nach Disneys Film «Bernhard und Bianca». Aber das weit verzweigte Universum von «Mouse Guard», das der amerikanische Zeichner David Petersen (34) für die kleinen Nager entwirft, ist anders.

David Petersen ist der Mann hinter den Mäusen (Foto)
David Petersen ist der Mann hinter den Mäusen Bild: dpa

Seine Mäuse leben im Mittelalter, kämpfen mit Schwertern gegen Eulen oder reiten auf Hasen durch die Winterlandschaft. Seine Geschichten über Heldentum und Mäusemut gehören in die Sparte «all age», richten sich also an Kinder und Erwachsene. «Ich denke, es ist etwas für jedermann», sagt Petersen, der aus dem US-Bundesstaat Michigan angereist ist, beim dpa-Interview in Berlin.

Zwei Bände sind bereits auf Deutsch erschienen. In die neue Anthologie, die er im Gepäck hat, zeichnet er gerne geduldig einen seiner kleinen Mäuseriche. Ausgewählte Comic-Kollegen haben für den preisgekrönten Band «Legenden der Wächter» Geschichten beigesteuert: ein bisschen wie bei den «Canterbury Tales».

Der Mann hinter den Mäusen - mit Pulli, Schiebermütze und Vollbart ein studentischer Typ - mochte schon früher gerne Fantasy und begeisterte sich für Rollenspiele wie «Dungeons and Dragons». Als er noch zur Schule ging, schwebte ihm ein Comic vor wie Disneys «Robin Hood», in dem der Titelheld ein Fuchs ist.

«Am College mochte ich immer noch die Idee einer mittelalterlichen Geschichte mit Tieren», erinnert sich der Zeichner. Aber anstatt ihnen einen menschlichen Körper mit Tiergesichtern zu verpassen, wollte Petersen sie lieber wie in Aesops Fabeln als echte Tiere und nicht zu menschlich darstellen. Die Mäuse sind für ihn der «ultimative Underdog» - am Ende der Nahrungskette werden sie von allen gefressen.

Bevor die Comics sein Beruf wurden, jobbte Petersen in einer Kaffeebar und in einem Antiquitätenladen. Heute hat er in der Szene einen Namen und gibt Signierstunden. Nachwuchskünstler sollten sich daran orientieren, dass man eine Geschichte auch ohne Text verstehen kann, sagt Petersen. «Wenn man den Leser verliert, verliert man die Schlacht.»

Beim Zeichnen ist ihm manchmal nach totaler Ruhe, mal hat er aber auch Gesellschaft gerne. «Ich brauche beides. Meine Frau weiß nie, ob sie im Arbeitszimmer sein soll oder nicht.» Seine Bücher kann sich Petersen gut als Film vorstellen. «Das wäre toll.» Die 3D-Technik würde zum wehenden Gras oder dem Fell der Mäuse passen, findet er. In Michigan hat er wenig Gelegenheit, die Tiere in natura zu studieren. «Man sieht selten eine in der Wildnis.» Und in seinem Haus ist ihm noch keine einzige Maus über den Weg gelaufen.

David Petersens Homepage

news.de/dpa

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