Kunst Kambodscha erobert den Kunstmarkt

Phnom Penh - Unter Kunstkennern kursiert ein neuer Geheimtipp: Kambodscha. Während in Phnom Penh, der Hauptstadt des südostasiatischen Königreiches, die Galerien aus dem Boden sprießen, finden kambodschanische Malerei, Skulpturen und Masken immer mehr Abnehmer in den Kunstmetropolen New York und London.

Kambodscha erobert den Kunstmarkt (Foto)
Kambodscha erobert den Kunstmarkt Bild: dpa

Unter den internationalen Sammlern wächst die Anerkennung für junge Künstler aus dem feuchtheißen Tropenland zwischen Thailand und Vietnam.

Einer von ihnen ist Hour Seyha. Der Mittzwanziger teilt sein Schicksal mit dem vieler Jugendlicher in Kambodscha. In seinen Bildern verarbeitet Hour Jahre der Kinderarbeit: Früh musste er seine Heimat verlassen und in Thailand schwere Arbeit leisten, teils illegal, um seine verarmte Familie zu unterstützen. Mit 15 Jahren kehrt er nach Kambodscha zurück, alleine. Eine Weile lebte Hour im Kinderheim. Dann kam er nach Battambang.

Dort brachte ihn die Organisation «Phare Ponleu Selpak» (Die Leuchtkraft der Kunst) erstmals dazu, einen Pinsel in die Hand zu nehmen. Die 1986 in einem Flüchtlingslager an der thailändischen Grenze gegründete Organisation wollte Kindern und Jugendlichen helfen, sich das erlebte Grauen von der Seele zu malen. Mittlerweile aber hat sie eine ganze Generation junger Künstler herangezogen.

Hour ist einer von ihnen, ein Künstler von Battambang. Die Provinz im Westen Kambodschas war bisher nur als «Reiskorb» des Landes bekannt. Heute stehen ihre Künstler für das, was Kambodschas aufkeimende Kunstszene ausmacht: Den Mix aus tausendjähriger Tradition und losbrechender Moderne, persönlichen Kriegserlebnissen und Hoffnung.

«Wir sehen Künstler, die auf die sozialen und ökonomischen Veränderungen reagieren», sagt Kate O'Hara, Leiterin der Romeet Galerie in der Hauptstadt Phnom Penh, in der auch Hour seine Bilder ausgestellt hat. Mit gedeckten Rot-, Blau- und Gelbtönen, sowie mit ausgewählten Motiven verarbeitet Hour seine Schrecken: Fußabdrücke symbolisieren Wunden; malt Hour Flipflops, hat er die Sklaverei vor Augen; rot steht für Angst.

«Waiting for Sunrise» (Warten auf den Sonnenaufgang) heißt Hours jüngste Serie. «Ich möchte Menschen erklären, was in der Gesellschaft vor sich geht und ihnen helfen, die Dinge zu verstehen», sagte er jüngst in einer Diskussionsrunde. Immer mehr Sammler aus dem Ausland wollen ihm und den anderen Künstlern zuhören, so scheint es. Denn sie gehen in Kambodschas Galerien ein und aus, erzählt O'Hara.

«Die Künstler haben zwei Inspirationsquellen», erklärt Matthew Tito Cuenca vom Londoner Auktionshaus Christie's. Er organisiert die erste Christie's-Auktion in Kambodscha, die Mitte März stattfindet. «Zum einen Kambodschas prächtige Geschichte hochdetaillierter und verzierter Tempel und Wandbilder und zum anderen die naive, zugängliche, emotional aufgeladene Kunst der Post-Rote-Khmer-Ära.»

Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer endete 1979. Sie war geprägt von Folter, Hinrichtungen, Zwangsarbeit und Hungersnöten, mehr als 1,8 Millionen Menschen starben. Das Regime hatte auf brutale Weise versucht, eine kommunistische Agrargesellschaft zu schaffen. Von den Folgen dieser Zeit erholt sich Kambodscha nur langsam.

Je weiter sich das Land aber öffnet, desto mehr findet seine «reichhaltige Kunstbewegung» Beachtung, sagt Lionel Gosset von Christie's. New York widmet sich 2013 in einer Veranstaltungsreihe ganz der bildenden Kunst, Musik, sowie dem Tanz, Theater und Film aus Kambodscha. «Sowohl in Europa, als auch in den USA beginnen die jungen Künstler bereits auf Anerkennung zu stoßen.»

Organisation «Phare Ponleu Selpak»

news.de/dpa

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