Musik Kühles Licht: Fanfarlo mit neuem Sound

Berlin - Das ist die Krux nach einem erfolgreichen Debüt: Man kann so weitermachen und auf eine Wiederholung des Coups hoffen - oder sich ganz neu orientieren.

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Kühles Licht: Fanfarlo mit neuem Sound Bild: dpa

Die Londoner Band Fanfarlo sucht mit ihrem zweiten Album einen Mittelweg. Erneut erfolgreich - zumindest großteils.

Denn unmittelbare Euphorie wie bei «Reservoir» (2009) mag diesmal nicht aufkommen, obwohl auch «Rooms Filled With Lights» (Warner) ein makelloses modernes Pop-Album mit den richtigen Verweisen und Vorbildern ist. Die britische Folkpop-Band um den schwedischen Sänger Simon Balthazar schwelgt weiterhin in schönen Melodien, schichtet Bläser- und Streichersätze übereinander und schmeckt das Ganze mit Eighties-Soundtexturen aus Synthesizer und Sampler ab. Dafür haben akustische Gitarren auf dem Zweitling weitgehend Pause.

Der verstärkte Keyboard-Einsatz hat zur Folge, dass «Rooms...» deutlich experimenteller, intellektueller, aber gelegentlich eben auch kühler und kopflastiger klingt als sein Vorgänger. Ein Instrumental wie «Everything Turns» mit Synthie-Schlieren, Piano-Geklimper und Maschinengewehr-Salve spricht für die Reifung dieser jungen Truppe, wirkt aber etwas verkrampft. «Tightrope» erinnert dann wieder an die treibenden Songs des Debüts, das Fanfarlo ehrenvolle Vergleich mit Arcade Fire einbrachte.

So zieht sich durch das ganze Album der Anspruch, Neuland zu betreten, ohne einstige Stärken leichtfertig zu opfern. «Wir wollten herausfinden, wie weit wir mit dieser neu eingesetzten Technik gehen konnten», erklärt Multi-Instrumentalistin Cathy Lucas den Produktionsprozess. Ihre Geige wurde bei aller Begeisterung für den neu angeschafften Maschinenpark zum Glück nicht ganz vergessen und jubiliert beispielsweise im mitreißenden Pop von «Dig» wunderhübsch dazwischen.

Auch der abwechselnde oder raffiniert miteinander verwobene Gesang von Balthazar/Lucas (etwa in der erhebenden Ballade «A Flood») lässt das gute Gefühl aufkommen, dass man hier einer hochtalentierten Band beim behutsamen Wachsen zusieht. Die überwältigende Warmherzigkeit des spektakulären Debüts erreichen Fanfarlo zwar diesmal nicht, aber das war vermutlich auch nicht Sinn der Übung. Räume musikalisch mit Licht erfüllen, wie es der Plattentitel nahelegt - das können die fünf Londoner immer noch mühelos. Album Nummer drei wird dann das erhoffte Meisterwerk - abgemacht?

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news.de/dpa

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