Theater Theaterschatz in Ravensburg wird renoviert

Ravensburg - Sie sind riesengroß, über hundert Jahre alt und entführten Theaterzuschauer ins mittelalterliche Heidelberg oder in einen antiken Tempel: Im Konzerthaus Ravensburg lagern 135 Leinwand-Kulissen und 206 Stellwände des königlichen Hoftheaters Stuttgart, die nun restauriert werden sollen.

Theaterschatz in Ravensburg wird renoviert (Foto)
Theaterschatz in Ravensburg wird renoviert Bild: dpa

«Das ist ein richtiger Schatz, über den wir da gestolpert sind», sagt Stefan Rapp vom Kulturamt der Stadt.

Die Kulissen stammen aus den Jahren 1902 bis 1910 - nach einem Brand im Hoftheater gastierten die Stuttgarter Theatermacher damals in Ravensburg. Gemalt hat sie der Künstler Wilhelm Plappert, der von 1890 bis 1913 Hoftheatermaler in Stuttgart war. Nach Angaben des Kulturamtes waren die Kulissen in Ravensburg bis in die 70er Jahre hinein bei Theateraufführungen im Einsatz. Danach wurden sie jahrzehntelang im Kulissenhaus hinter dem Konzerthaus aufbewahrt - «sie durften nicht mehr verwendet werden, weil sie nicht feuerfest sind», sagt Rapp.

Im August vergangenen Jahres sahen sich Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalpflege die Bestände dann ein wenig genauer an - und stießen auf einen historisch einmaligen Fund: Die Hängekulissen und Stellwände sind die einzigen verbliebenen Werke von Wilhelm Plappert. Andere Kulissen, die in Stuttgart am Theater lagerten, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. «Uns war die Bedeutung der Kulissen vor zwei, drei Jahren noch gar nicht bewusst», sagt Rapp.

Mithilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) sollen die Kulissen nun aufwendig restauriert werden. Eine halbe Million Euro steht dafür zur Verfügung: 250 000 Euro stellt die Stiftung bereit, das Landesamt für Denkmalschutz steuert 170 000 Euro bei, und von der Stadt gibt es 80 000 Euro für die Aufbereitung der Kulissen. Denn die Zeit hat an den fünf Meter hohen und zehn Meter breiten Leinwänden ordentlich genagt: In dem Gewebe gibt es Knicke, Falten und Risse, die in der Vergangenheit mit Flicken und Zeitungspapier stabilisiert wurden. Außerdem sind manche Stellen feucht geworden und dadurch verschmutzt.

Vor dem Restauratorenteam um den Owinger Raimund Bunz, das sich in den nächsten Jahren um die Kulissen kümmert, liegt jede Menge Arbeit. «Wir freuen uns aber darauf», sagt er. «Theater ist immer ein schönes Ereignis.» Bei seiner Kollegin Claudia Coenen mischen sich angesichts der historischen Kulissen Vorfreude und Begeisterung aber auch mit Ehrfurcht und Respekt.

Dabei wirken die Farben auf den alten Leinwänden für den Betrachter zunächst eher blass. Mit dicken Pinselstrichen sind die Landschaften und Gebäude gemalt. Auf einer Kulissen, die das Heidelberger Schloss darstellt, dominieren grüne, graue und braune Töne. «Die Pastellfarben haben aber eine besondere Reflexionseigenschaft», erklärt Bunz. Und tatsächlich: Als die Bühnentechniker im Ravensburger Konzerthaus die Leinwand mit verschiedenen Lichtern von vorne und hinten anstrahlen, offenbart sich die Faszination der Kunstwerke. Auf einmal liegt das Schloss in einer sommerlichen Abendstimmung, die Farben leuchten satt und warm, aus den Fenstern der Häuser scheint das Zimmerlicht zu schimmern.

Nach der Restaurierung sollen die Kulissen wieder für die Öffentlichkeit zu sehen sein. Raimund Bunz könnte sich auch vorstellen, die Wiederherstellungarbeiten öffentlich zu gestalten - in einer Art offenem Atelier, in dem Besucher die Arbeiten beobachten können.

news.de/dpa

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