Kunst Emil Nolde: Wanderer zwischen den Welten

Emil Nolde: Wanderer zwischen den Welten (Foto)
Emil Nolde: Wanderer zwischen den Welten Bild: dpa

Neukirchen - Zwischen Seebüll und Berlin liegen nicht nur fast 500 Kilometer, sondern Welten. Hier die nordfriesische Einsamkeit, dort die pulsierende Metropole.

Der Maler Emil Nolde (1867-1956) fand Gefallen an beiden Welten, auch wenn die eine ihn nur für einen Winter vollkommen zu fesseln vermochte.

Die Jahresausstellung 2012 der Nolde Stiftung Seebüll mit dem Titel «Emil Nolde: Der Maler zwischen Seebüll und Berlin» bietet ab dem 1. März Einblicke in verschiedene Schaffensorte des Malers, die trotz ihrer Unterschiede in Beziehung zueinanderstehen. 11 der 139 Werke, die zu sehen sein werden, wurden noch nie gezeigt, 25 noch nie in Seebüll.

«Berlin war ihm unerhört wichtig», sagt Stiftungsdirektor Manfred Reuther über den deutschen Maler mit dänischem Pass, «auch das Leben in der Großstadt». Im Winter 1910/11 war Nolde mit seiner Frau in die Hauptstadt des deutschen Kaiserreichs gekommen und in das Nachtleben eingetaucht. Besuche in Varietés fanden ihren Ausschlag in leuchtend bunten Gemälden, wie auf «Gesellschaft». «Diese Bilder haben eine eigenartige Farbigkeit», kommentiert Reuther. «Nolde war selbst erstaunt darüber.»

Im Gegensatz zu den Berliner Impressionen stehen Bilder, die die ländliche Umgebung von Noldes Heimat zeigen. Bislang noch nie zu sehen war etwa «Baum am Strand», das einen sturmzerzausten Baum vor schwarz-rotem Himmel zeigt, entstanden auf der heute dänischen Insel Alsen. Auch Noldes erstes Ölgemälde, «Bergriesen», ist nach Jahren wieder zu sehen, ebenso wie seine weltberühmten Bergpostkarten.

Eine ganz andere Welt zeigen Noldes Dschunken-Aquarelle, die in Anlehnung an den diesjährigen Länderschwerpunkt China beim Schleswig-Holstein Musik Festival gezeigt werden. In Gelb- und Brauntönen gehalten, entstanden sie während einer Asienreise 1913, auf der Nolde nach eigener Aussage malte «wie ein Besessener». Es gebe trotz aller Unterschiede «keine großen Brüche» in Noldes Werk, befindet Reuther. «Das ist nur bei wenigen Künstlern so, dass sie Spätes mit Frühem in Verbindung bringen können.»

In den kommenden Wochen erwarte die Nolde Stiftung Seebüll, die die Werke des Malers in seinem einstigen Wohnhaus zeigt, den viermillionsten Besucher. Reuther kündigte für die nahe Zukunft Veränderungen an: So sollen zwei Millionen Euro in die Sanierung des Hauses sowie Neuerungen in der Präsentation investiert werden. Angedacht ist etwa eine Ausstellung über das Wohnhaus und den dazugehörigen Garten. In der Berliner Dependance wird bald ein nie verwirklichter Plan Noldes, sich mehr an Berlin zu binden, im Modell realisiert. Mies van der Rohe hatte ein Haus für Nolde geplant, gebaut wurde es aber nie. Als «verbotener Maler» nahm Nolde 1941 Abschied von der einen Welt - Berlin - und blieb in der anderen, wo er 1956 starb.

Informationen zur Ausstellung

news.de/dpa

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