Literatur «John Irving und wie er die Welt sieht»: Sehenswerte Doku

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«John Irving und wie er die Welt sieht»: Sehenswerte Doku Bild: dpa

Wir begegnen dem Bestsellerautor in einer Turnhalle. John Irving sitzt ganz entspannt im Trainingsanzug auf dem Boden und beginnt zu erzählen. Über das Ringen, seinen Sport, den er seit früher Jugend bis ins Alter von 35 Jahren professionell betrieben hat.

Berlin (dpa) - Wir begegnen dem Bestsellerautor in einer Turnhalle. John Irving sitzt ganz entspannt im Trainingsanzug auf dem Boden und beginnt zu erzählen. Über das Ringen, seinen Sport, den er seit früher Jugend bis ins Alter von 35 Jahren professionell betrieben hat.

1992 wurde er dafür in die «National Wrestling Hall of Fame» aufgenommen, diese Ehrung bedeutet ihm sehr viel. Vielleicht mehr als jeder Literaturpreis.

André Schäfers sehenswerte Dokumentation «John Irving und wie er die Welt sieht» lässt den sportlichen Autor ausführlich zu Wort kommen. Dazwischen hören wir Passagen aus Irvings Romanen und reisen zu einigen Schauplätzen seiner Bücher, die sich bis heute mehr als zehn Millionen Mal verkauft haben. Das diskrete, stimmungsvolle Autorenporträt läuft am 1. März in den deutschen Kinos an, einen Tag später feiert Irving seinen 70. Geburtstag.

Schreiben ist pures Handwerk für ihn, das spürt man ganz deutlich, wenn John Irving uns an seinen wunderbar lichtdurchfluteten Arbeitsplatz führt. Alle Romane, von seinem Debüt «Lasst die Bären los!» (1968) bis zu «Letzte Nacht in Twisted River» (2009), hat er mit der Hand geschrieben, früher mit Bleistift, jetzt mit Kugelschreiber. Das einsame Ringen um den richtigen Satz, von dieser Obsession kommt er bis heute nicht los. «Man gibt ihm eine Komödie oder eine Tragödie. Aber eigentlich geht es darum, das Publikum emotional und psychologisch zu berühren», formuliert der Autor druckreif in die Kamera. Dann rollt er den Teig aus und backt hausgemachte Pizza für die gesamte Filmcrew - eigentlich macht Irving alles mit der Hand.

Er ist ein manischer Rechercheur, im Rotlicht-Milieu von Zürich oder Wien kannte er sich früher bestens aus, fast alle Romanfiguren haben reale Vorbilder, einige kommen in Schäfers Film zu Wort. Bei einer Lesung in Zürich spürt man, wie sehr dieser Autor von seinem Publikum geliebt wird. Und der Mann, dem wirklich alle Starallüren fremd sind, bedankt sich in erstaunlich gutem Deutsch bei seinen treuen Lesern.

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news.de/dpa

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