Musik Sharon Van Etten: Selbstbewusst und stark

Der weltweite Erfolg von Songwriterinnen wie Feist, P. J. Harvey oder Cat Power macht vielen Frauen im Indierock Mut. Das lässt sich auf «Tramp», dem dritten Album von Sharon Van Etten, deutlich hören.

Sharon Van Etten: Selbstbewusst und stark (Foto)
Sharon Van Etten: Selbstbewusst und stark Bild: dpa

Berlin (dpa) - Der weltweite Erfolg von Songwriterinnen wie Feist, P. J. Harvey oder Cat Power macht vielen Frauen im Indierock Mut. Das lässt sich auf «Tramp», dem dritten Album von Sharon Van Etten, deutlich hören.

Schon nach dem Vorgänger «Epic» (2010) war klar: Bei ein wenig Promi-Unterstützung kann der jungen US-Amerikanerin ein ähnlicher Durchbruch gelingen. Den entscheidenden Kick lieferte schließlich Aaron Dessner von The National, in dessen Garagenstudio und mit dessen großzügiger Produktions-Hilfe Sharon Van Etten über 14 Monate in aller Ruhe ihre Platte aufnahm.

«Tramp» (Jagjaguwar/Cargo) übertrifft nun alle Erwartungen. Man muss nur Sharons selbstbewusste Stimme im wuchtigen Gitarrenrock von «Kevin's» oder im mandolinenverzierten «Leonard» hören, um zu wissen: Hier ist eine Riesen-Sängerin und -Songschreiberin unterwegs, die genug vom Leben mitbekommen hat, um Kompromisse über Bord zu werfen und einfach ihr Ding zu machen.

Während der Aufnahmen war Van Etten monatelang quasi obdachlos, weil sie sich die Mieten in New York nicht leisten konnte. Als sie erfuhr, dass Dessner ein Fan von «Epic» war, kontaktierte sie ihn, und schon bald ergab sich die Zusammenarbeit. «Das Studio war mein Zuhause, dort habe ich meinen Frieden gefunden», sagt Sharon heute.

«Tramp» pendelt zwischen sprödem Gitarren-Rock («Warsaw»), üppigen Midtempo-Stücken («All I Can», «Magic Chords») oder reinrassigen Popsongs (der wunderhübsche Walzer «We Are Fine» mit Duett-Partner Zach Condon von Beirut!). Alles klingt elegant und leichtfüßig - fast könnte man überhören, welch fantastische Leistung Sharon Van Etten als Sängerin auf ihrem dritten Album abliefert.

Die sehr persönlichen «Tramp»-Lieder waren nach eigener Aussage eine optimale Therapie für die von Liebeskummer geplagte Künstlerin. Es scheint ihr in der Tat besser zu gehen: Das sich zu orchestraler Wucht aufbäumende «I'm Wrong» ist ein Triumph, und mit dem Closer «Joke Or A Lie» legt sich himmlische Ruhe über den begeisterten Hörer.

Feist mag ihr die Latte-Macchiato-Arrangements voraus haben und damit (noch) den Mainstream-Erfolg. P. J. Harvey ist der unantastbare Kritiker-Liebling. Doch davon abgesehen, dürfte «Tramp» das beeindruckendste Statement einer jungen Indierock-Frau seit langem sein.

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