So., 27.05.12

Rostocker «Polizeiruf» 19.02.2012 Die letzte TV-Rolle vor ihrem Tod

Polizeiruf (Foto)
Maria Kwiatkowsky und Charly Hübner in einer Szene des Polizeirufs. Bild: NDR/Christine Schroeder

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen

Sie war ein Ausnahmetalent: Doch die Schauspielerin Maria Kwiatkowsky wurde nur 26 Jahre alt. Im Juli 2011 fand man sie tot in ihrer Wohnung - die Umstände bleiben mysteriös. Im Rostocker Polizeiruf 110 vom Abend war sie in ihrer letzten TV-Rolle zu sehen.

«Mir gefiel, dass sie über sich selbst gut lachen konnte. Sie war kein 08/15-Mädchen, sie war durch und durch besonders.» So lobte Schauspieler Mario Adorf im vergangenen Jahr eine junge Kollegin, die zu Deutschlands besten Nachwuchsschauspielerinnen zählte: Maria Kwiatkowsky. Gestern Abend war sie im Rostocker Polizeiruf 110 zu sehen. Es war ihre letzte vollendete Filmrolle. Maria Kwiatkowsky starb im Juli 2011, sie wurde nur 26 Jahre alt.

Die junge Schauspielerin wurde leblos in ihrer Berliner Wohnung gefunden. Todesursache: Herzstillstand. «Ihr dynamisches und in ihrer Jugendlichkeit doch lebensweises Schauspiel hinterlässt eine gewaltige Lücke», teilte die Berliner Volksbühne damals mit. Kwiatkowsky gehörte seit 2010 fest zum Ensemble. Der Auslöser für den frühen Tod der 26-Jährigen wurde zwar nie offiziell bestätigt, doch geredet wurde viel. Etwa über nicht unerhebliche Drogenprobleme.

Sie bringt die Figur auf den Punkt

In der Polizeiruf-Folge Einer trage des anderen Last spielte Maria Kwiatkowsky eine junge Frau namens Jessica - die Schwester eines Mordopfers, die ihre kriminelle Vergangenheit hinter sich gelassen hat. Die das Abitur nachgeholt hat und nun als Sozialarbeiterin mit straffälligen Jugendlichen arbeitet. Aber so richtig befreien kann sie sich nicht von ihrer Vergangenheit, weil sie in eine böse Tat verstrickt ist, die sie immer wieder einholt.

«Ich war vollkommen glücklich darüber, wie Maria Kwiatkowsky das spielt. Sie bringt die Figur auf den Punkt. Da springe ich an die Decke vor Freude, wenn ich das sehe», sagte Drehbuchautor Eckhard Theophil im Gespräch mit dem NDR. Für Regisseur Christian von Castelberg war Kwiatkowsky «schon eine ziemlich wilde Nudel». Er habe sie als gescheit erlebt und als jemand, der seinen Beruf außerordentlich ernst nimmt. Schauspieler Charly Hübner, der den Kommissar Alexander Bukow gibt, sagte nach den Dreharbeiten: «Manche Szenen mit ihr fühlen sich gar nicht gespielt an.»

Die innere Zerrissenheit, mit der Maria Kwiatkowky diese und andere Rollen spielte, könnte man auch als Abbild ihres wahren, von Zweifeln geplagten Ichs verstehen. Denn die Schauspielerin suchte Grenzerfahrungen, rieb sich am Establishment und an den Huldigungen, die ihr, dem Ausnahmetalent, zuteil wurden - unter anderem erhielt sie 2010 neben zahlreichen anderen Ehrungen die Goldene Kamera als beste Nachwuchsschauspielerin.

Nur wenige Jahre davor sah das Leben von Maria Kwiatkowsky noch ganz anders aus. Sie, die schon als Kind beschloss, später auf der Bühne stehen zu wollen, geriet auf die schiefe Bahn. 2005 zündete sie in Berlin einen Kindergarten und Müll an. «Aus privater und beruflicher Frustration», wie sie später sagte. Sie habe bewusst «Scheiße bauen» wollen. Die damals 20-Jährige, wurde zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt, die aber zur Bewährung ausgesetzt wurde. Durch den Brand war ein Sachschaden von rund 440.000 Euro entstanden, für den die Verurteilte aufkommen musste. Zudem machte das Gericht ihr zur Auflage, sich einer Psychotherapie zu unterziehen.

Die Magersüchtige aus der Bloch-Reihe

Es schien, als hätte Maria Kwiatkowsky ihre zweite Chance genutzt. Neben ihrem Theaterengagement legte sie eine beachtliche TV- und Kino-Karriere hin. So war sie 2009 jeweils in Hauptrollen im Spielfilm Die Ex bin ich sowie als magersüchtige junge Frau in der Folge Bauchgefühl aus der ARD-Reihe Bloch zu sehen. Und im Kino mimte sie 2010 in Olivier Assayas viel gerühmter Terroristenbiographie Carlos. Der Schakal eine Stasi-Informantin.

Nach dem Ende der Dreharbeiten für den Rostocker Polizeiruf stand die Berlinerin bis zu ihrem Tod mit Mario Adorf für den Kinofilm Die Erfindung der Liebe vor der Kamera. In dem zu zwei Dritteln fertiggestellten Werk hatte sie die weibliche Hauptrolle inne - eine Schauspielstudentin, die eine sterbenskranke Millionärin um ihr Vermögen bringen will. Ob und wann der Streifen ins Kino kommt, ist noch nicht geklärt. Offen ist auch, wie der Film ohne seine Hauptakteurin vollendet werden kann. Sollte er tatsächlich ins Kino kommen, wäre es wirklich der letzte Film mit Maria Kwiatkowsky.

Der Rostocker Polizeiruf kann ab der Ausstrahlung im TV sieben Tage in der ARD-Mediathek angesehen werden.

boi/news.de/dpa
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