Literatur Zwischen Psycho-Thriller und Science Fiction: «Ende»

Einen so rasanten Aufstieg wie David Monteagudo hat wohl selten jemand erlebt. Ein einziger Roman katapultierte den Mechaniker in einer Papierfabrik zu einem der gefragtesten spanischen Bestsellerautoren.

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Zwischen Psycho-Thriller und Science Fiction: «Ende» Bild: dpa

Berlin (dpa) - Einen so rasanten Aufstieg wie David Monteagudo hat wohl selten jemand erlebt. Ein einziger Roman katapultierte den Mechaniker in einer Papierfabrik zu einem der gefragtesten spanischen Bestsellerautoren.

Das Buch mit dem schlichten Titel «Ende» war vor zwei Jahren der große Überraschungserfolg in Spanien. Der Autor scheint mit seinen fast 50 Jahren ein Spätberufener zu sein.

Tatsächlich hatte er schon zehn Romane zu Hause in der Schublade liegen, die zunächst kein Verleger haben wollte. Aber dann kam «Ende», und der katalanische Verlag Acantilado griff zu. Und das ganz zu Recht. Denn «Ende» vereint die Qualitäten eines packenden Psycho-Thrillers mit der surrealen Aura eines Endzeit-Romans. Ein Buch, dessen Sog man sich nur schwer entziehen kann. Jetzt hat der Rowohlt Verlag die deutsche Version herausgebracht.

Die Geschichte beginnt harmlos. Eine Gruppe von Freunden beschließt nach über 20 Jahren, sich wiederzusehen. Treffpunkt ist eine einsame Berghütte, wo man 1983 eine denkwürdige Party feierte. Man kennt solche Szenarien von eigenen Klassentreffen. Wie hat der Zahn der Zeit die Freunde verändert, wie hat er Träume und Hoffnungen glatt geschliffen? Monteagudo präsentiert uns typische Mittelklassespanier in den besten Jahren mit den üblichen Biografien: geschiedene alleinerziehende Frauen, nervige Versicherungsvertreter, coole Geschäftsleute. Die einen fahren die etwas größeren Autos, die anderen haben dafür die schöneren Frauen. Da ist der Zyniker, der Witzbold, die schlagfertige Quasselstrippe. Animositäten und Nickeligkeiten haben sich über die Zeit gerettet.

In treffenden Dialogen und einer schnörkellosen Sprache gelingt es Monteagudo, diese offenen oder unterschwelligen Spannungen und die unterschiedlichen Charaktere herauszuarbeiten. Langsam macht sich beim Leser jedoch ein mulmiges Gefühl breit. Einer der Freunde, der sogenannte «Prophet», ist nicht gekommen, obwohl er sich angekündigt hatte. Ihn, den Außenseiter, umgibt ein düsteres Geheimnis. Die Freunde, so ahnen wir, müssen ihm seinerzeit böse mitgespielt haben. Denn auf die eine oder andere Art fühlen sie sich bis heute schuldig.

Dann ist plötzlich einer der Freunde spurlos verschwunden. Der Rest der Clique wagt einen Ausbruchsversuch hin zur nächsten Siedlung. Doch als sie dort ankommen, ist diese menschenleer. Nur herrenlose Hunde durchstreifen das Dorf, verlassene Autos stehen am Straßenrand. Die Gruppe bricht auf in die nächste Stadt, doch auf den Weg dorthin durch eine Schlucht verschwindet einer nach dem anderen plötzlich spurlos. Die Lage gerät immer mehr außer Kontrolle.

Verzweiflung, ja Panik macht sich unter den Übriggebliebenen breit. Wer wird der nächste sein? Und warum begegnen sie keiner Menschenseele, warum gibt es immer nur wieder gespenstisch stille Landschaften und leer gefegte Autobahnen?

«Ende» ist ein Buch, das man kaum aus der Hand legen mag, so meisterhaft versteht es Monteagudo Spannung aufzubauen und das alptraumhafte Geschehen zu entwickeln. Er lässt den Leser mit den Romanhelden rätseln und fiebern: Gibt es für all die unheimlichen Geschehnisse eine rationale Erklärung, handelt es sich nur um tragische Zufälle oder sind da doch übersinnliche Kräfte am Werk?

Gibt es so etwas wie biblische Rache für eine Jugendsünde oder ist es gar «das Ende, das Ende von allem», wie eine Protagonistin verzweifelt argwöhnt? Monteagudo ist ein ebenso beklemmendes wie faszinierendes Buch gelungen, das geradezu nach Verfilmung schreit. Es verwundet deshalb nicht, dass die Filmrechte bereits vergeben sind.

David Monteagudo: Ende, Rowohlt Verlag, Reinbek, 352 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-498-04520-3

Verlagsseite zum Buch

news.de/dpa

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