Film Doris Dörrie: Filme nicht ins Museum sperren

Doris Dörrie: Filme nicht ins Museum sperren (Foto)
Doris Dörrie: Filme nicht ins Museum sperren Bild: dpa

Erfolgsregisseurin Doris Dörrie («Männer», «Kirschblüten-Hanami») stellt am Mittwoch bei der Berlinale ihren neuen Film «Glück» vor. Die Liebesgeschichte beruht auf einer Erzählung des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach.

Berlin (dpa) - Erfolgsregisseurin Doris Dörrie («Männer», «Kirschblüten-Hanami») stellt am Mittwoch bei der Berlinale ihren neuen Film «Glück» vor. Die Liebesgeschichte beruht auf einer Erzählung des Bestsellerautors Ferdinand von Schirach.

In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sagt Dörrie, was sie an der Geschichte interessiert hat. Und warum sie sich Sorgen um den deutschen Film macht.

Kriminalfälle sind sonst nicht so Ihr Ding - was hat Sie an der Geschichte fasziniert?

Dörrie: «Mich hat das Glück zwischen den beiden jungen Menschen interessiert - wie sie es bekommen, wie sie darum kämpfen und wie sie versuchen, es festzuhalten. Der größte Teil der Geschichte ist ja eine Liebesgeschichte. Und ich wollte auch, dass der Film einen glücklich entlässt und es nicht so ausgeht, dass die beiden wieder alles verlieren.»

Warum muss der Film so schrecklich blutig sein?

Dörrie: «Na ja, blutig ist er ja nur wenige Sekunden lang. Aber ein bisschen musste ich schon zeigen, damit man das große Gewicht dieser Tat auch wirklich begreift, damit man versteht, welch ungeheuere Überwindung und Anstrengung sie kostet. Im Vergleich zu dem, was wir sonst an brutalen Bildern sehen, ist die Szene gar nicht so schlimm. Nur im Zusammenhang mit der Liebesgeschichte hat sie dieses Gewicht. Und das ist genau das, was ich wollte. Man darf sich nicht darum herummogeln.»

Wie weit hat der Autor Schirach mitgesprochen?

Dörrie: «Er hat ja die Filmrechte an den Geschichten verkauft und er wusste, dass ich das mache. Wir haben uns dann professionell darauf geeinigt, dass ich ihm gar nichts zeige, sondern erst den fertigen Film. Denn ich weiß aus Erfahrung, dass es einen Autor allermeistens unglücklich macht, ein Drehbuch zu lesen. Drehbücher sind etwas ganz Besonderes. Da braucht man sehr viel Erfahrung, um sich das Endergebnis wirklich vorstellen zu können.»

Was bedeutet für Sie selbst Glück?

Dörrie: «Wie das Motto in meinem Film: Das Glück ist jetzt. Das bedeutet, dass man sich immer wieder empfänglich machen sollte für das Glück in diesem Augenblick, dass man anhält und schaut, welches Glück in diesem Moment möglich ist. Aus der Welt kommen Myriaden Dinge auf uns zu, die natürlich oft auch unangenehm sind. Aber vielleicht verpassen wir auch die schönen Dinge, weil wir uns abschotten, isolieren, nicht zusehen, nicht hinhören. Das Glück kann nur in der Gegenwart stattfinden.»

Sie haben kürzlich die Auswahl der Berlinale kritisiert - warum?

Dörrie: «Nein, das habe ich nicht getan. Aber ich glaube fest daran, dass wir das Kino verteidigen müssen und uns nicht ins Museum zurückziehen dürfen. Und die Festivals überall auf der Welt - nicht nur die Berlinale - werden immer mehr zu einem Museum. Viele Filme sind nur noch da zu sehen und schaffen nie mehr den Weg ins Kino. Ich möchte, dass die Verbindung zum "normalen" Publikum nicht abreißt.»

Kollegenschelte?

Dörrie: «Ich glaube, dass sich schon viele auf diese Museumssituation eingerichtet haben, und das halte ich für sehr gefährlich. Denn das kann das Ende des Kinos sein. Wir müssen immer wieder versuchen, unsere Geschichten so spannend wie irgend möglich zu erzählen. Damit das Publikum mir nicht wegschläft. Und damit die Leute überhaupt die Entscheidung treffen, aufzustehen, ihren Computer zu verlassen, ihren Fernseher, ihr iPad und sich ins Kino aufmachen. Das ist heutzutage eine sehr große Entscheidung. Und da muss ich mich schon verdammt anstrengen.

Interview: Nada Weigelt,dpa

Filmseite

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig