Im Rennen um den Goldenen Bären der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind 18 Filme aus aller Welt. Die Nachrichtenagentur dpa schätzt die Wettbewerbsfilme mit Pro und Contra ein.
Berlin (dpa) - Im Rennen um den Goldenen Bären der 62. Internationalen Filmfestspiele Berlin sind 18 Filme aus aller Welt. Die Nachrichtenagentur dpa schätzt die Wettbewerbsfilme mit Pro und Contra ein.
- «Leb wohl, meine Königin!» von Benoit Jacquot (Frankreich): Die ersten Tage der Französischen Revolution aus Sicht der Dienerschaft im Schloss Versailles. PRO: Diane Kruger brilliert als Königin Marie Antoinette mit ungeahnten Leidenschaften. CONTRA: Langatmig, nicht konzentriert genug inszeniert.
- «Aujourd'hui» von Alain Gomis (Senegal): Lebensrückblick eines Mannes kurz vor seinem Tod. PRO: Beeindruckt als facettenreiche Milieustudie. CONTRA: Die politischen Anspielungen sind für Menschen, die den Senegal nicht kennen, nicht zu entschlüsseln.
- «A Moi Seule» (Coming Home) von Frédéric Videau (Frankreich): Geschichte eines Mädchens, das nach jahrelanger Geiselhaft Schwierigkeiten mit dem Leben in Freiheit hat. PRO: Hauptdarstellerin Agathe Bonitzer überzeugt in vielschichtiger Charakterstudie. CONTRA: Horizont des Films geht nicht über die Ratlosigkeit seiner Hauptfigur hinaus.
- «Barbara» von Christian Petzold (Deutschland): Nina Hoss als in die Provinz strafversetzte DDR-Ärztin, die die Republikflucht plant. PRO: Starke Schauspielkunst, stringent inszeniert. CONTRA: Gelegentlich wirkt die Geschichte ein wenig konstruiert.
- «Cesare deve morire» (Cäsar muss sterben) von Paolo und Vittorio Taviani (Italien): Filmessay über Strafgefangene in Rom, die im Gefängnis Shakespeares «Julius Cäsar» proben und aufführen. PRO: Wundervolle Bildkomposition. Film lässt tief in die Seele der Menschen blicken. CONTRA: Man muss das Theater lieben, um den Film zu schätzen.
- «Dictado» (Childish Games) von Antonio Chavarrías (Spanien): Psychothriller über einen Mann, der von den Dämonen seiner Vergangenheit eingeholt wird. PRO: Schauspieler liefern spannende Charakterstudien. CONTRA: Film verstrickt sich in Horroreffekten und bleibt dadurch im Banalen hängen.
- «Metéora» von Spiros Stathoulopoulos (Griechenland): Mönch liebt Nonne - filmische Meditation über Glaube, Liebe und Entsagung. PRO: Starke, mit Zeichentrick-Sequenzen versetzte Bilder, starke Charaktere, stark in der Reduzierung auf die allernötigsten Dialoge. CONTRA: Sehr weit weg von der Lebenswirklichkeit des normalen Kinozuschauers.
- «Captive» von Brillante Mendoza (Philippinen): Isabelle Huppert als christliche Missionarin, die in die Gewalt der muslimischen Extremistengruppe Abu Sayyaf gerät - nach realen Ereignissen. PRO: Ängste und Hoffnungen der Entführten eindringlich gespielt. CONTRA: Allzu naiver Blick auf komplizierte Weltpolitik.
- «L'enfant d'en haut» (Sister) von Ursula Meier (Frankreich/Schweiz): Ein Zwölfjähriger klaut in einem Wintersportort Ski-Ausrüstungen, um sie weiterzuverkaufen - so verdient er den Lebensunterhalt für sich und die Frau, bei der er wohnt. PRO: Sehr überzeugend inszeniertes und gespieltes Drama über finanzielle und emotionale Not in der Wohlstandsgesellschaft. CONTRA: Spielt mit dem ein oder anderen Klischee von Arm und Reich.
- «Jayne Mansfield's Car» von Billy Bob Thornton (USA): 1969 in den amerikanischen Südstaaten: Eine Familie trägt noch schwer an den Folgen des Zweiten Weltkrieges, als den jüngsten Familienmitgliedern eine Abkommandierung nach Vietnam droht. PRO: Wunderbar skurrile Charaktere, Ironie vom Feinsten. CONTRA: Ein paar schicksalhafte Wendungen zu viel.
- «Was bleibt» von Hans-Christian Schmid (Deutschland): Eine depressive Frau setzt eigenmächtig und mit unabsehbaren Folgen ihre Medikamente ab und stürzt ihre Familie so in einen emotionalen Zwiespalt. PRO: Dicht inszeniertes Kammerspiel über die Suche nach Geborgenheit. CONTRA: Endet allzu harmonisch.
- «Tabu» von Miguel Gomes (Portugal): Leben und Liebe einer Frau vor dem Hintergrund der portugiesischen Kolonialgeschichte. PRO: Stilistisch fesselndes Schwarz-Weiß-Werk. CONTRA: Künstlerische Eigenheit schlägt gelegentlich in Manieriertheit um.
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