Geschichte Ausschuss der Stadt Köln verurteilt Hexenprozesse

Ein Ausschuss des Kölner Stadtrats hat am Montag die Hexenprozesse in der Stadt vor 400 Jahren verurteilt. Der Ausschuss regte einstimmig eine «offizielle Erklärung» des gesamten Stadtrates an, in der sich dieser vom Unrecht der Hexenverfolgung distanzieren solle.

Ausschuss der Stadt Köln verurteilt Hexenprozesse (Foto)
Ausschuss der Stadt Köln verurteilt Hexenprozesse Bild: dpa

Köln (dpa) - Ein Ausschuss des Kölner Stadtrats hat am Montag die Hexenprozesse in der Stadt vor 400 Jahren verurteilt. Der Ausschuss regte einstimmig eine «offizielle Erklärung» des gesamten Stadtrates an, in der sich dieser vom Unrecht der Hexenverfolgung distanzieren solle.

Der evangelische Pfarrer Hartmut Hegeler (65) hatte zuvor die Rehabilitierung aller in Köln hingerichteten Hexen einschließlich der heute noch bekannten Postmeisterin Katharina Henot (ca. 1570-1627) beantragt.

Der Ausschuss vertrat die Ansicht, dass die Stadt Köln schon sehr viel, aber noch nicht alles getan habe, um die als Hexen verleumdeten Frauen zu rehabilitieren. Der Ausschuss bat auch das Erzbistum Köln, sich von dem begangenen Unrecht zu distanzieren.

Hegeler bedankte sich anschließend herzlich bei dem Ausschuss. «Ich bin glücklich, ich bin richtig froh», sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Es gehe ihm nicht um eine juristische, sondern um eine sozialethische Rehabilitierung. «Es ist unsere moralische Pflicht, dass wir für das Schicksal von Menschen eintreten, die unschuldig verfolgt wurden.» In Deutschland hätten bisher schon 13 Kommunen die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert.

Die Stimme der Katharina Henot sei 1627 erstickt worden, als man sie vor den Toren Kölns erdrosselt habe, sagte Hegeler vor dem Ausschuss. «Man hat versucht, sie für immer zum Schweigen zu bringen, aber das ist nicht gelungen. Bis heute redet man von ihrem Schicksal in dieser Stadt.»

Hanns Joachim Hirtz, ein Nachfahre von Katharina Henot, sagte, der Prozess gegen sie sei auch nach den damaligen Maßstäben ein Justizmord gewesen, da sie sich auch unter schwerster Folter nicht schuldig bekannt habe. Nach den damaligen Gesetzen konnte man nur für eine Tat verurteilt werden, die man selbst zugegeben hatte. Um das zu erreichen, wurde die Folter angewandt.

Insgesamt wurden in Köln 38 Todesurteile wegen Hexerei vollstreckt. Zu den Opfern gehörten nicht nur Frauen, sondern auch drei Männer und ein Junge. Ein achtjähriges Mädchen, das ebenfalls eine Hexe sein sollte, wurde aus der Stadt verbannt. Der Fall der Katharina Henot ist aber der bekannteste. Ihrem Schicksal haben die Bläck Fööss sogar ein Lied gewidmet.

In ganz Deutschland wurden schätzungsweise 25 000 Frauen als Hexen hingerichtet.

news.de/dpa

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