So., 27.05.12

Fernsehen 13.02.2012 Vater Mutter Mörder

Vater Mutter Mörder (Foto)
Vater Mutter Mörder Bild: dpa

Ein Junge läuft Amok, tötet 15 Menschen und sich selbst. Der Vater wird später vor Gericht gestellt, weil er seine Waffen nicht genügend gesichert habe. Dieser Fall im württembergischen Städtchen Winnenden erschütterte 2009 die Republik.

Hamburg (dpa) - Ein Junge läuft Amok, tötet 15 Menschen und sich selbst. Der Vater wird später vor Gericht gestellt, weil er seine Waffen nicht genügend gesichert habe. Dieser Fall im württembergischen Städtchen Winnenden erschütterte 2009 die Republik.

Niki Stein, als Drehbuchautor und Regisseur Spezialist für schwierige Themen, so beim Scientology-Film «Bis nichts mehr bleibt», hat sich der heiklen Thematik angenommen, auch wenn er die Geschichte von Winnenden nicht nacherzählt, sondern vielmehr mehrere reale Ereignisse miteinander verwebt. «Dieser Fall und einige andere haben mir für meinen Film "Vater Mutter Mörder» als Inspirationsquelle gedient», sagt er im dpa-Interview.

Aber ebenso stark hatte den Vater einer 15-jährigen Tochter und eines elfjähriges Sohnes die Frage beschäftigt: «Wie würdest du dich selbst verhalten, wenn du plötzlich vor der Tatsache stehst: dein Sohn ist ein Mörder?»

«Vater Mutter Mörder» lief schon Ende Januar beim FIPA-Festival in Biarritz, wo Niki Stein bereits für sein «Bis nichts mehr bleibt»-Drehbuch den FIPA d'Or erhalten hatte; an diesem Montag (13. Februar) zeigt das ZDF den Film um 20.15 Uhr.

Darin erzählt er die Geschichte des viel beschäftigten, oft in der Welt umherreisenden Fotojournalisten Tom Wesnik. Daheim erwartet ihn eine heile Welt: nette Frau, zwei liebe Kinder, ein Zuhause draußen auf dem Lande, wohin er eigens hin gezogen ist, um den Nachwuchs von den Lastern der Großstadt fernzuhalten.

Und dann passiert es: Der 18-jährige Sohn schießt scheinbar grundlos drei andere Menschen nieder. Für den Vater bricht eine Welt zusammen. Ein Prozess setzt ein, an dessen Ende die schmerzliche Erkenntnis steht: was immer dein Sohn angerichtet hat - er bleibt trotz allem dein Sohn.

«Wir können nun mal nicht vor unseren Kindern weglaufen», nennt Stein die Quintessenz seines Films: «Es hätte mich nicht gereizt, diese Geschichte aus der Perspektive des Täters oder der Opfer, auch nicht als Kriminalfall aus der Sicht der Polizei zu erzählen. Die Eltern waren mir wichtig, vor allem der Vater.»

Heino Ferch spielt ihn, böse, trotzig, manchmal unsympathisch und doch verständlich, wenn er bei einem ersten Wiedersehen den Sohn mit dem Schrei anfällt: «Du bist ein eiskalter Killer. Du hast drei Menschen auf dem Gewissen.»

«Es war meine erste Zusammenarbeit mit Ferch und ich war begeistert, wie spontan er auf diese Rolle ansprang und in sie voll einstieg», sagt Stein. Silke Bodenbender, hier die Mutter, hat dagegen schon einige Male mit Stein zusammengearbeitet. Um ihre Rolle gab es bei der ursprünglichen Drehbuchfassung einige Diskussionen. Denn ihre Haltung wollte Stein zunächst ähnlich wie die des Vaters abwehrend-verständnislos anlegen. Jetzt stellt sie sich gleichsam schützend vor ihr Kind, ist auch jetzt noch ganz die besorgte Mutter.

Der Regisseur sagt dazu mit einem Lachen: «Ich war ja sozusagen von Frauen umgeben, und die Produzentin Lisa Blumenberg sowie die Redakteurin Caroline von Senden wollten mich von einer anderen Haltung der Mutter überzeugen. Das letzte Wort hatte dann meine Frau, die gleichfalls meinte, eine Mutter würde nie so schroff Position einnehmen. Auch in der Art, mit solchen Katastrophen fertig zu werden, gibt es offenbar sehr geschlechtsspezifische Unterscheidungen.»

news.de/dpa
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Stettler
  • Kommentar 1
  • 16.02.2012 11:33
 

Es darf gehofft werden, dass es bei dieser Verfilmung nicht derart viele handwerkliche Fehler wie bei dem Scientology Film gibt. Damals gab es zahlreichste faktische Fehler im Skript....hoffentlich liess sich Stein diesmal besser beraten.

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