Film Angelina Jolie überzeugt auch als Regisseurin

Angelina Jolie hat die Seiten gewechselt. Bisher war die 36-Jährige als Star in Action-Spektakeln wie «Lara Croft» oder «Salt», als Sonderbotschafterin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen und vor allem als skandalumwittertes Glamour-Girl in bunten Blättern bekannt.

Angelina Jolie überzeugt auch als Regisseurin (Foto)
Angelina Jolie überzeugt auch als Regisseurin Bild: dpa

Berlin (dpa) - Angelina Jolie hat die Seiten gewechselt. Bisher war die 36-Jährige als Star in Action-Spektakeln wie «Lara Croft» oder «Salt», als Sonderbotschafterin des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen und vor allem als skandalumwittertes Glamour-Girl in bunten Blättern bekannt.

Jetzt hat sie sich erstmals auf den Regiestuhl gesetzt. Nicht genug damit, hat sie für ihr Regiedebüt «In The Land Of Blood And Honey» auch das Drehbuch selbst geschrieben.

Ihr Film, der am Samstagabend auf der 62. Berlinale seine Premiere feierte, fesselt in großem Maße als bewegende Studie darüber, wie Krieg und Gewalt Persönlichkeiten aus der Bahn werfen und alle Menschlichkeit zerstören.

Im Zentrum der aufwühlenden Geschichte stehen Ajla und Danijel. Im Bosnienkrieg befehligt er eine Armee-Einheit, die neben zahllosen anderen grauenvollen Taten Frauen fast aller Altersgruppen als Arbeitssklavinnen gefangen hält und viele dieser Frauen permanent sexuell missbraucht. Dazu gehört auch Ajla. Der Ex-Polizist liebt die Malerin zwar. Diese Liebe aber schützt Ajla nicht. Und auch Danijel kommt nicht mit heiler Haut davon.

Jolie beweist neben ihrem Sinn für manche kluge szenische Arrangements Feingefühl als Schauspielführerin. Zana Marjanovic in der Rolle der Ajla und Goran Kostic als Danijel gelingen unter ihrer Anleitung facettenreiche Charakterstudien. Dennoch überzeugt der Film nicht durchgehend. Das liegt insbesondere daran, dass Drehbuch und Regie die Geschichte mitunter nicht scharf genug konturiert erzählen. Dadurch wirkt manche Entwicklung unglaubwürdig, sind die Handlungen der Protagonisten nicht immer nachvollziehbar.

Diese Ungenauigkeiten treffen insbesondere die Figur der Ajla: Es ist nicht deutlich herausgearbeitet, ob ihr Verhalten allein von ihrem persönlichen Kampf ums nackte Überleben geprägt ist. Mehrfach hat es den Anschein, sie handele im Auftrag von Partisanen, die aus Verstecken heraus mit Waffengewalt und Attentaten gegen die so genannten «ethnischen Säuberungen», die Ermordung von zig Tausenden, kämpfen.

Positiv zu bemerken ist, dass Jolie jeglichen Anflug von Kitsch vermeidet. Bewusst ohne Schauspielstars in englischer und in serbo-kroatischer Sprache gedreht, wirkt ihr Ansinnen, das Grauen aller Kriege und jedweder Gewalt von Menschen gegen Menschen anzuklagen, deshalb überzeugend und geht oftmals unter die Haut.

In den USA, wo «In The Land Of Blood And Honey» Mitte Dezember in die Kinos kam, war der kommerzielle Erfolg gering. Die Kritiken waren gemischt. Sie reichten von «beeindruckend» bis «brutal und verstörend». Immerhin erhielt Jolie eine Golden-Globe-Nominierung in der Sparte «Bester Fremdsprachiger Film». Sie unterlag aber im Januar dem vorjährigen Berlinale-Gewinner «Nader und Simin - Eine Trennung» des iranischen Regisseurs Asghar Farhadi. Dafür bekam sie vom US-Verband der Filmproduzenten in Los Angeles im Januar die Stanley-Kramer-Auszeichnung. Damit werden Projekte geehrt, die kontroverse soziale Themen anschaulich darstellen.

In Europa, wo das Interesse an anspruchsvollen, zeitkritischen Spielfilmen groß ist, hat Jolies Regiedebüt durchaus die Chance, in den Filmkunstkinos auf größeres Interesse und ein aufgeschlossenes Publikum zu stoßen. Wer diesen Film sieht, ist gespannt auf den nächsten Film der Regisseurin Jolie.

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news.de/dpa

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