Film Angelina Jolie: «Ich bin eine sehr private Person»

Angelina Jolie: «Ich bin eine sehr private Person» (Foto)
Angelina Jolie: «Ich bin eine sehr private Person» Bild: dpa

Bislang hat sie als Schauspielerin Riesen-Erfolge gefeiert, nun versucht sich Hollywoodstar Angelina Jolie (36) als Regisseurin.

Berlin (dpa) - Bislang hat sie als Schauspielerin Riesen-Erfolge gefeiert, nun versucht sich Hollywoodstar Angelina Jolie (36) als Regisseurin.

Ihr Debüt «In the Land of Blood and Honey» erzählt von einer Liebe während des Balkankrieges, wo sich Liebende auf einmal als Täter und Opfer gegenüberstehen. Das Drama war bereits für den Golden Globe nominiert, am Samstagabend sollte es seine Premiere bei den 62. Internationalen Filmfestspielen Berlin feiern. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa und anderen Medien erzählte die entspannt und gut gelaunt wirkende Mutter von sechs Kindern und Partnerin von Brad Pitt, warum es sie hinter die Kamera verschlagen hat und was ihr in ihrem Leben fehlt.

«In the Land of Blood and Honey» ist Ihr erster Film als Regisseurin, und er behandelt ist ein sehr schwieriges Thema. Wie und warum haben Sie sich für dieses Projekt entschieden?

Jolie: «Ich hatte eigentlich nie vor, Regie zu führen oder ein Drehbuch zu schreiben. Ich habe mich aber entschieden, mich hinzusetzen und mir ein paar Dinge auszuschreiben. Als ein Experiment habe ich dafür die Form eines Drehbuchs gewählt. Ich besuche seit zehn Jahren Konfliktregionen weltweit. Ich war immer extrem frustriert, vor allem wegen der Gewalt gegen Frauen und wegen des fehlenden Eingreifens von Außen. Den Konflikt in Bosnien habe ich als Thema gewählt, denn ich war schon oft in der Region, aber ich konnte einfach nicht wirklich verstehen, was damals passiert war. Das ist einer dieser Konflikte, wo ich die Puzzleteile einfach nicht zusammengekriegt habe. Ich fand, dass die Welt darüber nicht genug sprach.»

Wie sind Sie dann weiter vorgegangen?

Jolie: «Ich habe mir so etwas wie Hausaufgaben aufgegeben: "Schreib ein Drehbuch." Und um das zu machen, musste ich Bücher lesen, Dokumentarfilme anschauen, mit Menschen sprechen. Das schien mir wie eine gute Möglichkeit, mir selbst etwas beizubringen - ohne jemals vorgehabt zu haben, es irgendjemandem zu zeigen. Je mehr Menschen ich aber traf, desto mehr hat es mich berührt und desto mehr wollte ich, dass die Geschichte erzählt wird.»

Wie schwierig war es, den Film auch wirklich zu realisieren?

Jolie: «Ich habe nicht geglaubt, dass ich Geld zur Finanzierung bekäme, dass ich unbekannte Schauspieler casten könnte, dass ich es in einer fremden Sprache drehen könnte. Doch dann hat es doch geklappt. Lange Zeit habe ich gar nicht weiter über alles nachgedacht. Ich habe das Filmen geliebt, das war eine tolle Zeit in meinem Leben. Aber dann, etwa eine Woche vor der Premiere des Films, hatte ich einen Zusammenbruch. Denn da habe ich das Gewicht meiner Verantwortung gespürt, die ich den Opfern des Krieges und den am Film beteiligten Menschen gegenüber habe. Ich habe mich gefragt: "Werde ich ihnen allen gerecht?" Deswegen bin ich also irgendwie zusammengebrochen. Das war eines dieser seltsamen Dinge, wo du weinend unter der Dusche stehst, dein Partner reinkommt und du sagst "Du kannst mir nicht helfen! Mir geht's gut!"»

Sie sind Sonderbotschafterin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR - war das für die Arbeit am Film hilfreich oder eine Last?

Jolie: «Seltsamerweise habe ich mich ja entschieden, einen Film über etwas zu drehen, wo ich sagen muss: Die UNO spielte in dem Konflikt keine Glanzrolle. Sie haben mich aber unterstützt und mir geholfen, das muss ich auch sagen.»

Es gibt derzeit weltweit zahlreiche Konflikte und Unruhen. Wie denken Sie zum Beispiel über die Situation in Syrien?

Jolie: «Ich war wirklich sehr enttäuscht über die Entscheidung von Russland und China. Ich finde, dass etwas getan werden muss. Ich weiß nicht, was und wie es getan werden müsste, wer wie intervenieren sollte. Die Antworten darauf habe ich nicht. Mir ist auch klar, dass nicht nur ein Land entscheiden kann, das zu tun, das muss eine gemeinsame Entscheidung sein. Ich finde es aber sehr frustrierend, dass es beim UN-Sicherheitsrat die Möglichkeit gibt, dass ein Land sein Veto einlegen kann, gerade wenn es um die Frage geht, aus humanitären Gründen zu intervenieren. Besonders, wenn man wirtschaftliche Interessen hat. Ich finde, man sollte überlegen, ob man diese spezielle Vetomöglichkeit nicht entfernen sollte.»

Sie stehen seit vielen Jahren vor der Kamera. Wie war es für Sie, hinter der Kamera zu arbeiten?

Jolie: «Das war wunderbar. Ich war sehr froh, die Kamera auf alle anderen Leute zu halten (lacht). Es war schön, mit dem gesamten Team zusammenzuarbeiten. Das realisiert man oft nicht, dass man als Schauspieler in einer Art Blase lebt, in einem Film innerhalb des Films. Die Crew hat ein anderes Leben, sie kommen früh ans Set und bekommen das große Ganze mit. Daher war es schön, Teil des Teams zu sein. Und auch die Möglichkeit zu haben, das Scheinwerferlicht auf andere Menschen zu richten. Das ist toll.»

Überlegen Sie, weitere Filme zu drehen?

Jolie: «Das ist alles so neu für mich, ich muss erst meinen Fuß richtig reinkriegen - und aufhören, unter der Dusche zu weinen (lacht). Ich müsste genauso berührt und bewegt sein, um so etwas noch einmal zu tun. Ich glaube nicht, dass ich irgendwann einen Film über einfach irgendwas machen könnte.»

Was mögen Sie an Ihrem Leben als Star, was nicht?

Jolie: «Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, viele Dinge in meinem Leben zu tun, an vielen Filmen mitzuarbeiten und eine Karriere gemacht zu haben. Was ist allerdings nicht mag: Ich bin eine sehr private Person und möchte nicht abgeschottet, sondern in der Welt leben. Ich möchte einfach wohin fahren und schauen, wie es da ist. Ein bisschen normales Leben. Ich wünsche mir das auch für meine Kinder. Und das ist etwas seltsam. Denn du schickst deine Kinder los ohne dich. Du möchtest nicht, dass deine Kinder das ohne dich erleben, aber du weißt auch, dass du nicht dabei sein solltest, denn du willst ja, dass sie ein normales Leben haben.»

Haben Ihre Kinder denn wirklich die Chance auf ein normales Leben?

Jolie: «Oh ja. Sie gehen zu Freunden, gehen raus und machen Dinge, die andere Kinder auch tun. Es ist etwas anders, ob wir dabei sind oder nicht. Aber das klappt schon - sie sind großartig!»

Interview: Aliki Nassoufis, dpa

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news.de/dpa

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