Fernsehen Bella Block

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Bella Block Bild: dpa

In der Schule proben Schüler an dem Theaterstück «Der Fahrgast» nach einer Kurzerzählung von Franz Kafka - eine ganz alltägliche Situation, denn unzählige deutsche Schüler stehen irgendwann einmal auf der Bühne und studieren Dialoge ein.

Berlin (dpa) - In der Schule proben Schüler an dem Theaterstück «Der Fahrgast» nach einer Kurzerzählung von Franz Kafka - eine ganz alltägliche Situation, denn unzählige deutsche Schüler stehen irgendwann einmal auf der Bühne und studieren Dialoge ein.

Auch die «Kommissarin im vorläufigen Ruhestand», wie Bella Block sich im neuen ZDF-Krimi «Der Fahrgast und das Mädchen» (Regie: Torsten C. Fischer) an diesem Samstag (20.15 Uhr) nennt, bekommt es in ihrem 90-Minüter mit viel Theater und auch einer gehörigen Portion Kafka zu tun.

Drei Schüler, alle zusammen wegen Kafka auf der Bühne, haben auf einer Autofahrt zwei Schüsse abgefeuert, ausgerechnet aus einer Waffe, mit der ein bislang unbekannter Täter vor 30 Jahren einen Bankraub begangen und anschließend auf der Flucht eine junge Frau umgebracht hat. Die Schüler - Jana (Liv Lisa Fries), Lenny (Jacob Matschenz) und John (Rick Okon) - mauern bei der Polizei: Sie geben vor, sie hätten nichts mit der Sache zu tun.

Staatsanwalt Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig) ist da ganz anderer Meinung und bittet Bella Block (Hannelore Hoger), ihren Ruhestand zu unterbrechen und sich in die Schule einzuschleusen, mit dem Vorwand sie wolle Unterricht zur Verbrechensprävention geben. Doch schnell kommt an der Schule der Verdacht auf, Bella Block wolle aus den Schülern die Wahrheit herauskitzeln. Der Schulleiter untersagt ihr die Fortsetzung ihrer Arbeit.

Der Krimi könnte hier am Ende angelangt sein, gäbe es nicht Lenny, der sein Leben frei nach Kafka eingerichtet und als Objekt seiner Begierde die Theaterlehrerin Mariam Brückner (Katharina Wackernagel) auserkoren hat. Kafkas «Fahrgast» grübelt in der knapp 230 Worte umfassenden Erzählung so wie auch Lenny über seine Daseinsberechtigung und stößt beim Schweifen seines Blickes auf ein nett anzuschauendes Mädchen. In Lennys Fall ist es die Lehrerin.

Mit ihrem Zusammentreffen eröffnet sich auch der Showdown, der sich aber dramaturgisch - nach einem Buch von Fabian Thaesler - als reichlich konstruierter Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart entpuppt. Lenny spürt mit der alten Waffe in der Hand Mariam Brückners Vater auf und entlarvt ihn als alten Bankräuber. Damit aber nicht genug. Der Schüler mit der missglückten Suche nach seinem Ich hat noch mehr vor, vor allem mit Brückners Tochter.

Autor Thaesler will die Zuschauer nach seinen Worten im ZDF-Presseheft «auf eine Tauchfahrt durch die verschiedenen Seelenleben» nehmen, was ihm nur ansatzweise gelingt, denn die wirklichen Beweggründe erschließen sich dem Publikum in ein paar Minuten Film nicht. Auch Bella Blocks Einsatz zum Schluss, in dem sie sich trotz mehrfacher Verbote viel zu weit vorwagt, ist sichtlich auf dem Reißbrett entstanden und wirkt trocken und künstlich.

ZDF-Seite zu «Bella Block»

news.de/dpa

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