So., 27.05.12

Musik 10.02.2012 Kettcar: Zwischen Licht und Finsternis

Kettcar: Zwischen Licht und Finsternis (Foto)
Kettcar: Zwischen Licht und Finsternis Bild: dpa

Sie wollen berühren, ohne den Intellekt zu beleidigen: Die Hamburger Band Kettcar, bekannt für intelligente Texte, meldet sich wieder zurück. Vier Jahre nach dem sehr düsteren «Sylt» ist das vierte Album «Zwischen den Runden» erschienen.

Berlin (dpa) - Sie wollen berühren, ohne den Intellekt zu beleidigen: Die Hamburger Band Kettcar, bekannt für intelligente Texte, meldet sich wieder zurück. Vier Jahre nach dem sehr düsteren «Sylt» ist das vierte Album «Zwischen den Runden» erschienen.

Die zwölf Titel bewegen sich zwischen Melancholie und Euphorie - und insgesamt kommt die Platte deutlich hoffnungsvoller daher als der Vorgänger.

«Wir wollten mit größtmöglicher Offenheit an das Album herangehen und jede Facette zulassen - ob Streicher, Bläser oder Elektro», erklärt Sänger Marcus Wiebusch im dpa-Interview. Dadurch sei ein vielschichtiges Werk herausgekommen, das sehr sehr düstere aber auch sehr sehr helle Lieder umfasse. Ohnehin hat der 43-Jährige eine klare Vorstellung davon, wie die Lieder von Kettcar funktionieren sollen: «Es gibt zwei Arten von Musik: Musik, die beeindrucken will und die, die berühren will. Wir wollen Songs machen, die berühren, ohne den Intellekt zu beleidigen.»

Das gelingt der Band auch auf «Zwischen den Runden». In gewohnter Kettcar-Manier werden die großen und kleinen Themen des Lebens besungen. Es geht ums Scheitern und ums Sterben und natürlich immer wieder um die Liebe mit all ihren Facetten. «In deinen Armen» handelt vom Mut, sich ganz und gar fallenzulassen, während der Opener «Rettung» von einem romantischen Liebesbeweis der besonderen Art erzählt - nämlich der besoffenen Freundin die Kotzbrocken aus dem Haar zu pulen: «Es ist nicht das, was man empfindet; nicht das, was man fühlt; nicht, was man voller Sehnsucht sucht; Liebe ist das, was man tut.»

«Schrilles Buntes Hamburg» streift die Probleme der Gentrifizierung in deutschen Großstädten («Jetzt zählen nur noch die Devisen, der Geister die wir riefen») und ist eine wütende Tirade an Kulturpolitiker, die Kunst streng nach Verwertungslogiken betrachteten. Weitaus melancholischer erzählt «Zurück Aus Ohlsdorf» vom Tod eines alten Bekannten oder «Nach Süden» von der Rückkehr eines Bruders aus dem Krankenhaus.

So lebensnah die Songs klingen, «autobiografisch ist kaum etwas», versichern Sänger Wiebusch und Bassist Reimer Bustorff. «Das finden wir auch Quatsch. Wir lassen und von der Realität nicht eine gute Geschichte versauen.» Bustorff hat auf «Zwischen den Runden» erstmals bei fünf Liedern die Texte beigesteuert. Welche Songs von wem sind, ist dabei kaum rauszuhören. Das sei gar kein bewusster Vorgang gewesen, sondern habe sich automatisch ergeben. «Wir kennen uns ja schon ewig und sprechen einfach eine gemeinsame Sprache», sagt der Bassist, der bereits in den 1990er Jahren mit Wiebusch in einer Punk-Band spielte.

2001 wurde dann die Band Kettcar ins Leben gerufen, zu der aktuell noch Erik Langer (Gitarre), Lars Wiebusch (Keyboard) und Christian Hake (Schlagzeug) gehören. Doch als das Debütalbum schließlich fertig war, wollte keine Plattenfirma das Stück vertreiben. Wiebusch und Bustorff pfiffen auf die Bosse der Musikindustrie und nahmen die Sache selbst in die Hand: Gemeinsam mit Tomte-Sänger Thees Uhlmann gründeten sie erfolgreich das heutige Label Grand Hotel van Cleef, das in diesem Sommer seinen 10. Geburtstag feiert. Die Idee sei quasi aus der Not heraus entstanden, erklärt Bustorff. «Und heute stehen wir hier mit der Plattenfirma, mit der Band, und es funktioniert irgendwie immer noch alles.»

Plattenlabel

Band

news.de/dpa
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