Von Inge Treichel
Die pensionierte Kommissarin Bella Block kommt nicht zur Ruhe. Diesmal soll sie in einer Schule ermitteln - und stößt auf schweigende Schüler und ein 30 Jahre altes Verbrechen. Heute im ZDF.
Für die pensionierte Kommissarin Bella Block scheint der neue Fall Der Fahrgast und das Mädchen zuerst ein Leichtes zu sein: Sie soll an einer Schule verdeckt ermitteln. Drei Schüler - zwei Jungen und ein Mädchen - sollen nachts mit einer Waffe ziellos geschossen haben, mit der vor 30 Jahren ein unbekannter Täter auf der Flucht nach einem Bankraub eine Studentin erschossen hatte.
Die Jugendlichen leugnen den Besitz einer Schusswaffe. Staatsanwalt Mehlhorn (Hansjürgen Hürrig) hat sehr persönliche Gründe, Bella Block um Ermittlungen in diesem Fall zu bitten. Die drei Schüler durchschauen allerdings schnell ihre Tarnung als angebliche Referentin für Gewaltprävention. Besonders Jana (gespielt von der gerade mit der Goldenen Kamera ausgezeichneten Liv Lisa Fries) reagiert übernervös auf die Fragen.
Bella Block muss nach einer Beschwerde die Schule verlassen, ist aber sicher, dass die Schüler etwas verheimlichen. Sie versucht, über die junge Lehrerin Mariam Brückner (Katharina Wackernagel) weiterzukommen. Diese wird seit längerem von einem der verdächtigen Schüler, Lenny (Jacob Matschenz), beobachtet und verfolgt. Er engagiert sich auch für das Theaterstück, das sie an der Schule aufführen will. Darin erarbeiten die Schüler auf Grundlage der Kurzerzählung Der Fahrgast von Franz Kafka Szenen ihres eigenen Lebens. «Im Schatten des alten Verbrechens wächst ein neues heran», heißt es in der Ankündigung des ZDF.
Die Kommissarin im karierten Mantel
Parallelen zwischen der dunklen Welt Kafkas und Verbrechen von heute werden aufgezeigt und tief gründende Fragen über die Entstehung von Gewalt durchgespielt. Das ist auch der Anspruch des Autors Fabian Thaesler: «Das moderne Verbrechen ... besitzt kein äußeres Ziel mehr. Hier geht es nur noch um die Selbsterfüllung einer defizitären und verletzten Psyche oder, noch stringenter, um die Erfüllung einer inneren Notwendigkeit.»
Wenn Lenny sagt «Wenn er dich immer nur belogen hätte, hätte er kein Recht auf dieser Welt» oder seinen Mitschüler fragt, was Freiheit sei, dann lässt Herbert Reinecker (Autor von Der Kommissar und Derrick). Die Verlorenheit des Menschen in der Welt, das Unvermögen und die Unmöglichkeit, einen anderen wirklich zu erreichen, unerfüllte Sehnsüchte - mit solchen Problemen bekommt es die Ermittlerin diesmal zu tun. Die Bildsprache (Regie: Torsten C. Fischer) findet dafür eine gelungene Metapher: Die starre Silhouette eines Mannes im Vordergrund, dahinter ein fahrender Zug.
Die Konstruktion des Falls wirkt an einigen Stellen etwas gewollt - wie das Motiv des Staatsanwalts, die von ihm verehrte Ex-Kommissarin zu reaktivieren. Bella-Block-Darstellerin Hannelore Hoger hat in der RBB-Talkshow Thadeusz gesagt, es sei eine etwas komplizierte Geschichte und «sicher kein ganz einfaches Buch». Das klang skeptisch, weil sie zuvor generell festgestellt hatte: «Wir kranken doch alle an den Büchern; das weiß doch jeder.» Hoger fügte hinzu, sie hoffe, dass die Zuschauer dranbleiben. «Ich fand das interessant.»
Jedenfalls wird Bella Block in diesem Fall weniger als sonst gefordert und ist auch in diesem Sinn «verdeckte» Ermittlerin. Auffallend ist, dass sie neue, modischere Kleidung trägt. «Da trage ich einen seltsam karierten Mantel», mokierte sich die Schauspielerin im Gespräch mit Jörg Thadeusz. Die drei jungen Schauspieler Jacob Matschenz, Liv Lisa Fries und Rick Okon sind bei ihrer intensiven Darstellung auf der Höhe der immer hochkarätig agierenden Hoger.
Titel: Bella Block - Der Fahrgast und das Mädchen
Regie: Torsten C. Fischer
Darsteller: Hannelore Hoger, Devid Striesow, Katharina Wackernagel, Jacob Matschenz
Sendetermin: Samstag, 11. Februar 2012, 20.15 Uhr, ZDF
James Blake - The Wilhelm Scream
jetzt antwortenKommentar meldenWas ist das für Musik im Abspann? Wie heisst der Komponist? band? Bitte! Danke I.
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