Andy Warhol war verrückt nach Gedrucktem. Der bekennende Zeitungs-Junkie hat nicht nur alles gelesen und gesammelt, was ihm in die Hände kam, ganz gleich ob Comics, Flugblätter, Tageszeitungen oder Illustrierte.
Frankfurt/Main (dpa) - Andy Warhol war verrückt nach Gedrucktem. Der bekennende Zeitungs-Junkie hat nicht nur alles gelesen und gesammelt, was ihm in die Hände kam, ganz gleich ob Comics, Flugblätter, Tageszeitungen oder Illustrierte.
Pressefotos, Schlagzeilen und komplette Zeitungsseiten hat er abgemalt und nachgedruckt, ausgeschnitten und aufgeklebt, vergrößert und verändert, fotografiert und gefilmt. Das Museum für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt zeigt eine Ausstellung, die laut MMK «diesen zentralen Aspekt im Werk des bedeutenden Pop Art Künstlers erstmals umfassend würdigt».
Vier Jahre Forschung stecken in dieser Ausstellung, sagt Kurator Mario Kramer. In hunderten Umzugskisten aus dem Nachlass, die im Warhol-Museum in Pittsburgh aufbewahrt werden, (den sagenumwobenen «Zeitkapseln») förderten Wissenschaftler die Originale jener Zeitungsseiten zutage, die Warhol künstlerisch bearbeitet hat. In der Ausstellung könne man erstmal die Vorlagen (in Vitrinen) und die Bilder (an der Wand) vergleichen. «Interessant ist nicht nur, was er auswählte, sondern auch, wie er es verfremdet», erklärt der Kurator. «Was betont er? Was lässt er weg? Was verändert er?»
«Warhol: Headlines» ist vom 11. Februar an im MMK zu sehen. Die Ausstellung wurde zuvor bereits in der National Gallery of Art in Washington gezeigt. Wenn Mitte Mai in Frankfurt abgebaut wird, wandert sie weiter nach Rom und nach Pittsburgh. Zu sehen sind mehr als 100 Gemälde, Zeichnungen, Drucke, Fotografien, Skulpturen und Videos des 1928 geborenen und 1987 gestorbene Künstlers. Die Exponate stammen von 27 verschiedene Institutionen - sie wurden in speziellen Transportkisten verschickt, in denen das Klima 24 Stunden lang konstant bleibt.
Besonders fasziniert war der Pop Art-Künstler von den ewigen Themen der Boulevard-Medien: Stars, Tod und Katastrophen. Er verewigte Liz Taylor und Brigitte Bardot, Superman und Popeye. Er zeigte Hinrichtungen auf dem Elektrischen Stuhl, Autounfälle oder Flugzeugabstürze. Warhol untersuche darin «auf radikale Weise die gesellschaftliche Rolle der Massenmedien und die Diskrepanz zwischen "Warenwert" und "wahrem Wert" eines Kunstwerks», schreibt MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer im Vorwort des Katalogs.
Eines der zentralen Werke der Ausstellung gehört dem MMK: «Daily News» von 1962. 50 Jahre nach seiner Entstehung trifft das Bild wieder auf die zeitgleich entstandenen Arbeiten «A Boy for Meg» und «129 Die in Jet», die in Washington und Köln ausgeliehen wurden. Sie alle sind ins Gigantische vergrößert: Liz Taylors Ehekrieg, der Nachwuchs einer Prinzessin, ein Flugzeugabsturz in Paris - dank der Medien überlebensgroß. Aus Tagesnotizen habe Warhol «Historienbilder des 20. Jahrhunderts» gemacht.
Die ersten «Schlagzeilen»-Bilder malte er noch frei mit der Hand. Bald versuchte er, das Bild wie gedruckt aussehen zu lassen. Später ging er zu Druckverfahren über. Bei manchen Bildern baute er Fehler ein, bei anderen tauscht er Fotos aus, Weltpolitik rutscht als Randnotiz in die Ecke, während das Zentrum des Bildes von Schlussverkaufs-Werbung dominiert wird. Ein Medienkritiker war Warhol dennoch nicht, meint Kramer, nur ein genauer Beobachter, mit seiner Kunst aber «entlarvt er den Etikettenschwindel mancher Schlagzeile.»
news.de/dpa