Film «In Darkness»: Agnieszka Hollands Weltkriegsdrama

«In Darkness»: Agnieszka Hollands Weltkriegsdrama (Foto)
«In Darkness»: Agnieszka Hollands Weltkriegsdrama Bild: dpa

Agnieszka Holland erzählt in ihrem für den Auslandsoscar nominierten Drama eine wahre Geschichte vom Überleben inmitten des Holocausts. In den Hauptrollen überzeugen Herbert Knaup, Maria Schrader und Benno Fürmann.

Berlin (dpa) - Agnieszka Holland erzählt in ihrem für den Auslandsoscar nominierten Drama eine wahre Geschichte vom Überleben inmitten des Holocausts. In den Hauptrollen überzeugen Herbert Knaup, Maria Schrader und Benno Fürmann.

Wie kann man die Erinnerung an den Holocaust wachhalten? Wahrscheinlich nur so: Man muss immer wieder neu Geschichten aus dieser Zeit erzählen, um Schicksale erfahrbar zu machen. So wie der 91-jährige Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der am diesjährigen Holocaust-Gedenktag im Deutschen Bundestag ganz konkret seine Erlebnisse an einem Tag im Juli 1942 im Warschauer Ghetto schilderte. So eindringlich wie dieser Bericht kann keine Statistik sein.

Auch die in 1948 in Warschau geborene, international renommierte Regisseurin Agnieszka Holland («Hitlerjunge Salomon», «Klang der Stille») erzählt in ihrem Weltkriegsdrama «In Darkness», das in der Kategorie Bester Ausländischer Film in diesem Jahr für Polen ins Oscarrennen geht, eine schier unglaubliche, aber wahre Geschichte aus einem jüdischen Ghetto.

In dem von den Nazis besetzten Lvov (Lemberg) versteckte der polnische Kanalarbeiter und kleine Ganove Leopold Socha 1943 gegen Bezahlung eine Gruppe von Juden über viele Monate hinweg in der Kanalisation. Obwohl der Familienvater bald in Verdacht geriet, Menschen in dem labyrinthischen Abwassersystem Unterschlupf zu gewähren, verriet er die Männer, Frauen und Kinder, die unter unsäglichen Bedingungen in der Dunkelheit ausharrten, nicht. So rettete der beherzte Katholik Socha, der keineswegs frei von Vorurteilen war, seine Mitbürger vor der Deportation und dem sicheren Tod im Vernichtungslager.

Agnieszka Holland hat diese authentische Geschichte nach fünfjähriger Vorbereitungszeit und vielen Drehbuchfassungen verfilmt: Entstanden ist ein über weite Strecken packendes, beklemmend realistisches Drama über den Schrecken der Judenverfolgung und die Kraft des Widerstands gegen den Rassenhass. Die polnisch-deutsch-kanadische Koproduktion basiert auf dem Sachbuch «In the Sewers of Lvov» von Martin Marshal. Etwa zwei Drittel des Films sind in Deutschland entstanden. Drehorte waren neben dem Filmstudio Babelsberg und der Media City Ateliers in Leipzig Außenschauplätze in Brandenburg, Leipzig und Polen.

Für die Hauptdarsteller stellte dieses klaustrophobische Drama eine besondere Herausforderung dar: Benno Fürmann gibt überzeugend den draufgängerischen Mundek, ein zorniger Leitwolf, der lieber sterben will als in die Hände der Gestapo zu fallen. Er ist es, der sich zwischen Abwässern und Ratten in die temperamentvolle Klara (Agnieszka Grochowska) verliebt.

Das wohlhabende Ehepaar Chiger, gespielt von Maria Schrader und Herbert Knaup, treibt vor allem die Sorge um ihre beiden kleinen Kinder um. Sehr glaubwürdig agiert auch der polnische Schauspieler Robert Wiechiewicz in der tragenden Rolle des Lebensrettes Socha. Wir sehen einen Menschen, der keineswegs ein Engel ist, aber sich in einer Extremsituation human verhält und das eigentlich Selbstverständliche tut.

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news.de/dpa

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