Nur alle zwei Jahre eine Premiere bei den Domstufenfestspielen in Erfurt - das ist eine der Überlegungen von Theaterintendant Guy Montavon nach schmerzhafter Etatkürzung um 328 000 Euro durch Stadt und Land Thüringen in diesem Jahr.
Erfurt (dpa) - Nur alle zwei Jahre eine Premiere bei den Domstufenfestspielen in Erfurt - das ist eine der Überlegungen von Theaterintendant Guy Montavon nach schmerzhafter Etatkürzung um 328 000 Euro durch Stadt und Land Thüringen in diesem Jahr.
«Mir ist bewusst, das wäre - auch mit Blick auf das Stammpublikum - ein großes Risiko», sagte Montavon in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Aber die Finanzlage des Hauses erfordere auch unpopuläre Entscheidungen.
«Mir schwebt dabei das System in Bregenz vor, wo es jedes zweite Jahr eine Premiere gibt. Und warum sollte so etwas nicht auch in Erfurt funktionieren?» Noch sei dies ein Planspiel, sagte er. Würde der Plan Realität, wäre die Verdi-Oper «Die Lombarden» 2012 und 2013 auf den Domstufen zu sehen, die nächste Premiere erst wieder 2014.
«Die Stadt hat mir gesagt, es sei eine Durststrecke und sie hat definitiv Geldprobleme», sagte der 50 Jahre alte Schweizer, der seit zehn Jahren das Opernhaus mit Uraufführungen wie «The Barbarian» von Philipp Glass bekanntgemacht hat. «Ich jammere nicht und ich schimpfe nicht, ich versuche damit kreativ umzugehen, aber Verständnis habe ich nicht. Es wird langsam gefährlich.» Er werde auf keinen Fall Mitarbeiter entlassen. Von den 315 Stellen seien knapp 300 besetzt. «Das Ende der Fahnenstange ist erreicht.»
Umso mehr setzt Montavon auf Kooperation und Austausch mit Theatern und Opernhäusern in Europa und bis nach Israel. Die «Zauberflöte» entstehe mit der Oper in Antwerpen, «Nabucco» werde in Chemnitz zu sehen sein. Mit Sankt Gallen, Monte Carlo oder Würzburg sind weitere Projekte geplant. Mit der Berufung Hasko Webers 2013 am Deutschen Nationaltheater Weimar sieht er endlich Chancen des Austausches zwischen beiden Häusern. «Das war eine fantastische Intendantenauswahl. Mit der Ernennung von Weber hat Thüringen einen enormen Schritt in Richtung gutes Theater gemacht.»
Gespräch: Antje Lauschner, dpa
news.de/dpa