Rezensionen Susanne Hanika setzt Dorfleben mörderisch in Szene

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Susanne Hanika setzt Dorfleben mörderisch in Szene Bild: dpa

Susanne Hanikas Krimireihe könnte in jedem bayerischen Dorf spielen.

Regensburg (dpa) - Susanne Hanikas Krimireihe könnte in jedem bayerischen Dorf spielen.

Die Regensburger Autorin hat dem Ort bewusst keinen Namen gegeben. Egal, in welcher Region Bayerns sie eine Leseprobe gebe - die Menschen stellten sich die Handlung bei sich vor der Haustür vor, erzählt die 42-Jährige. Und das trotz des Oberpfälzer Dialekts, den ihre Figuren sprechen. Auch Nichtbayern dürften in dem beschrieben Dorfleben einiges wiedererkennen - und viele neue Wörter lernen.

«Und bitte für uns Sünder» ist der zweite Krimi-Band um die junge Journalistin Lisa Wild, die immer wieder Leichen findet.

Der Titel mutet ähnlich religiös an wie schon der erste Band («In Ewigkeit, Amen», 2010). Religion spielt unter den Dorfbewohnern denn auch eine überragende Rolle. Wer nur selten oder gar nie in die Kirche geht, wird mit abwertenden Blicken und Kommentaren gestraft. Die «Rosenkranztanten» wissen über alles und jeden Bescheid - und zum Ärger von Lisa Wild immer ein bisschen früher als sie selbst. Wenn dann wie im ersten Band ein Organist im Gotteshaus erstochen wird oder Lisa dort wie im aktuellen einen grausigen Knochenfund macht, ist die Aufregung groß. Die Journalistin, unzufrieden mit der Arbeit ihres norddeutschen Polizisten-Freundes Max, ermittelt selbst.

Nach Lesungen erzählten ihr die Zuhörer oft, sie würden die ein oder andere Figur kennen - dabei seien alle frei erfunden, erzählt Hanika. Ihre Figuren sind eben nicht als Unikate angelegt. Sie bleiben klischeehaft und ohne viel Tiefe - so oder ähnlich wird es sie wohl hundertfach geben: die boshaften «Rosenkranztanten», den trotteligen Dorfpolizisten, den Metzger mit den faden Wienern. Und fast jeder hat irgendeine Leiche im Keller - wie die scheinbar glücklich Verheiratete, deren zwei Kinder in Wahrheit von einem anderen sind.

Mittendrin ist Lisa Wild, die mit den meisten ihrer Verdächtigungen gründlich daneben liegt. Immerhin stellt sie sich aber deutlich cleverer an als im ersten Band, in dem ihre Naivität stellenweise die Lesernerven überstrapazierte. Unsicher ist sie allerdings nach wie vor. «Ich versuchte ständig, nicht weiter aufzufallen, aber trotzdem war ich immer diejenige, die sich bekleckerte», erzählt Lisa den Lesern.

Lisa lebt bei ihrer meist ziemlich verwirrten und manchmal erstaunlich scharfsichtigen Großmutter, die sie ständig im Auge behalten muss. Die Dialoge zwischen den beiden sind im zweiten Band noch pointierter und amüsanter. Hanikas Beschreibung einer zeitgenössischen bayerischen Dorfgemeinschaft ist böse und liebenswert zugleich. Da verzeiht man der Autorin sogar, dass sich erster und zweiter Band stellenweise stark ähneln. Den dritten hat sie fertig, ein vierter und fünfter sind in Planung. Sie alle sollen in dem Dorf spielen - und es tauchen noch mehr Leichen auf. Folglich geht es wohl weiter nach der Devise «Magst du einen, magst du alle».

Susanne Hanika: Und bitte für uns Sünder, Piper Verlag, München, 299 Seiten, 8,99 Euro, ISBN 978-3-492-27267-4.

news.de/dpa

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