So., 27.05.12

«Extrem schön» 01.02.2012 Abrupter Abbruch in der Schnippelshow  

Extrem schön (Foto)
Monika leidet unter schmerzhaften Brandnarben. Bild: RTL2

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger

RTL2 sendet in seiner Doku-Soap Extrem schön unvermittelt einen überraschenden TV-Moment. Ein Verbrennungsopfer entscheidet sich gegen eine weitere Rundumerneuerung. Ganz kurz wird deutlich, dass es auch im Trash-TV Grenzen für die menschliche Psyche gibt.

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Die Doku-Soap Extrem schön ist normalerweise extremstes Privatfernsehen, das nur wenig zimperlich mit persönlichen Schicksalen umgeht. In der eingeschobenen neuesten Folge stößt die RTL2-Körperverschönerungsshow, die zumeist verlebten Frauen in den Vierzigern ein neues Antlitz spendiert, an ihre Grenzen. Eine der beiden Protagonistinnen, die 45-jährige Monika N. aus Rostock, bricht den OP-Marathon aus freien Stücken ab.

Dort, wo normalerweise rundum erneuert, Dekolletées und Lider gestrafft sowie Zahnreihen kernsaniert werden, bleibt diesmal eine der beiden Schmalzstorys ohne schwülstig gefilmtes Happy End. Zur Hälfte bleibt die Alles-geht-wenn-wir-Schönheitschirurgen-nur-wollen-Werbesendung auf dem Boden der Tatsachen zurück. Monika N., seit dem vierten Lebensjahr durch schwere Verbrennungen am Kopf und auf dem Oberkörper vernarbt, erträgt den psychischen Druck einer ganzen Reihe von anstehenden Operationen nicht und sagt einen Termin in der behandelnden Bonner Universitätsklinik ab.

Dabei war vor dem ersten Eingriff der Leidensdruck der siebenfachen Mutter fast übermenschlich. Nach einem selbst verschuldeten Brand in ihrem Kinderbett bedecken Narben einen großen Teil ihrer Brust, die Rostockerin kann wegen der Hautverspannungen ihren Kopf nicht in den Nacken legen, zudem bekennt sie unter Tränen, dass sie mit ihren Verletzungen regelrecht allein gelassen wurde: «Meine Eltern standen nie hinter mir», sagt sie vor den Kameras. Ihr Lebensmut hat sie schon in jungen Jahren verlassen: «Ich hätte mir gewünscht, dass ich tot gewesen wäre.»

Die frohe Botschaft über die Teilnahme an der Schnippelshow überbringt gewohnt ungelenk ein dafür engagierter Fallschirmspringer. Die Großfamilie freut sich - so gefühlsecht es eben geht - mit und für die Mutter, dass sie von einem Privatsender die Chance bekommt, ihr Trauma zumindest äußerlich ein ganzes Stück hinter sich zu lassen. Doch nach drei teils schmerzhaften Eingriffen, in deren Verlauf Gewebeexpander mit Silkon das Narbengewebe über vier Monate dehnen und Monika N. zwei Silikonkissen implantiert werden, ist plötzlich Schluss. Von einem Tag auf den anderen entscheidet sich Monika N. wider die gewohnte Dramaturgie der Sendung gegen weitere OPs.

Der Bruch mit der Routine überrascht die ausführende Produktionsfirma Constantin offenbar völlig. Statt einfach die Betroffene über den schwer nachvollziehbaren psychischen Druck einer äußerlichen Totalveränderung sprechen zu lassen, müssen erst noch der behandelnde Arzt und seine Sekretärin ihre Reaktionen auf die Absage von N. leicht unter Daily-Soap-Niveau nachspielen. Geht in der zweiten Liga des deutschen Fernsehens etwas gegen die Dramaturgie, sind offenbar keine Mitarbeiter zur Hand, die diese wahrlich nicht einfach zu erzählende Geschichte annähernd dokumentarisch festhalten können.

Monika N., die bereits 41 Jahre mit den schweren körperlichen und seelischen Folgen des Unglücks zu kämpfen hatte, weiß ihre Familie in ihrer definitiven Entscheidung, die vernarbte, wenn auch mit Silikonbrüsten ausgestattete Monika N. bleiben zu wollen, hinter sich. Eine souveräne Entscheidung, die auch zeigt, dass sogar bei RTL2 bei allem Trash ein streng auf Sensationslust ausgerichtetes Format zumindest kurzzeitig aufgebrochen werden kann. Andernfalls hätte man diese Folge völlig ohne Monika N.s Geschichte gesendet.

Die komplette Folge von Extrem schön! bei rtl2.de.

cvd/news.de
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