Soziales Netzwerk Facebook-Chronik spaltet die User

Facebook-Chronik (Foto)
Nutzer von Facebook können - oder besser müssen - ihre Inhalte nun auch als interaktive Lebensläufe präsentieren. Bild: Patrick Sinkel/dapd

Juliane ZiegengeistVon news.de-Volontärin
Es ist nur ein Stimmungsbild, dafür aber ein ziemlich deutliches: Laut einer Mini-Umfrage ist eine Mehrheit der Nutzer gegen die Einführung der Facebook-Chronik. Viele von ihnen vermuten hinter der optischen Aufhübschung Datenklau. Zahlreiche Gegner formieren sich in Protestgruppen.

Mit der Ankündigung, dass die Facebook-Chronik für alle Mitglieder zur Pflicht werde, verschreckte das soziale Netzwerk vor wenigen Tagen Datenschützer und Nutzer zugleich. Absolute Transparenz und Kontrollverlust über die eigenen Daten - die Innovation von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schürte vor allem Unsicherheit und Skepsis.

Während die PR-Abteilung damit beschäftigt ist, die Gemüter zu besänftigen und zu betonen, dass dass das neue Layout sogar für mehr Sicherheit sorge und Inhalte weiterhin verborgen oder gelöscht werden könnten, spricht eine Nutzer-Umfrage eine ganz eigene Sprache. Der amerikanische Sicherheitssoftware-Entwickler Sophos befragte rund 4000 Facebooker zu den Neuerungen auf der Plattform.

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Die überwältigende Mehrheit von 80 Prozent spricht sich darin gegen die Chronik aus. Genauer zeigen sich 51 Prozent besorgt über die Entwicklung, weitere 32 Prozent fragen sich, warum sie überhaupt noch bei Facebook sind. Zum Vergleich: Nur 16 Prozent mögen die Chronik oder sind bereit, sich damit zu arrangieren. Natürlich sind diese Zahlen bei einer Gesamtnutzerschaft von 800 Millionen nicht repräsentativ, ignorieren sollte man sie aber auch nicht.

Automatischer Datentransfer

Die Krux an der Facebook-Chronik ist: Nutzer werden nicht nur dazu animiert, neue Daten in ihr Profil einzuspeisen - auch solche, die sich mit der Zeit vor ihrem Netzwerkbeitritt befassen. Zahlreiche Applikationen (Musikplayer, Fotobearbeitung und Ähnliches) füttern Facebook automatisch mit neuen Informationen über die letzten Aktivitäten der Nutzer und machen diese sichtbar, oft ohne zu erfragen, ob das überhaupt erwünscht ist.

Die news.de-Leser teilen sich in zwei Lager, was die Änderungen im sozialen Netzwerk angeht. Chefe etwa glaubt, durch die Timeline werde Facebook nur noch besser. «Dank Facebook und Co. wurde ich schon vor einigen schrägen Bewerbern gewarnt ... Wo die jetzt arbeiten, weiß ich nicht. Jedenfalls nicht in unserer Firma ...», schreibt er. Yammi5 hingegen findet deutlich kritischere Worte: «Die sollen sich ihre Timeline irgendwo hinschieben.»

Und Rolf kommentiert auf der news.de-Facebook-Seite: «Bin sofort weg, wenn Chronik Zwang wird.» Entsprechende Protestgruppen wie «Die Timeline kommt ... Ich gehe!» oder «FB Timeline Sucks» gibt es bereits. Letztere hat mehr als 15.000 Anhänger. Einen genauen Starttermin für die Umstellung in Deutschland gibt es nicht. Wenn es so weit ist, dürfte so mancher Nutzer allerdings erstaunt sein, wie viel er von sich schon preisgegeben hat.

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car/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • tsujcb
  • Kommentar 4
  • 09.02.2013 05:06

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  • nicobrodnitz
  • Kommentar 3
  • 02.02.2012 01:01

Für mich ist dies eine raffinierte Form Daten vom User herauszulocken, die er eigtl nicht preisgeben will. Zweitens ist die Chronik lange nicht so systematisch und übersichtlich aufgebaut wie die heutige Form.

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  • Paddy
  • Kommentar 2
  • 31.01.2012 17:27

Von der "Facebook Time Line" (Chronik) halte ich absolut nichts. Für Benutzer bedeutet dies eine Einschränkung der Nutzerfreundlichkeit, und zwar hinsichtlich aller Daten, die ein Benutzer bei Facebook hinterläßt. Hintergrund: Soviel ich weiß, ist ein Benutzerkonto bei Facebook nicht löschbar, sondern geht nur zu deaktivieren. Was bitte wird dann mit den Daten ? Sicher geht hier und da einiges zu löschen, aber die Daten bleiben erhalten. Das widerspricht dem Datenschutz. Facebook dagegen beruft sich uf us-amerikanisches Recht. Und: Wozu noch Facebook, wenn es ein Pflichtkonto wird ?

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