Von news.de-Volontärin Juliane Ziegengeist
Was dem Kaufhausbetreiber die Payback-Karte, ist Mark Zuckerberg die Facebook-Chronik. Sie legt komplette Lebensläufe offen. Wer nicht wachsam bleibt, wird zum gläsernen Menschen und wirft dem sozialen Netzwerk und damit der Werbewirtschaft seine Daten in den Rachen.
Vom 21. September 2011 stammt der letzte Eintrag auf meinem persönlichen Facebook-Profil. Seitdem ist es eingefroren. Und das aus gutem Grund. Schon mit der ersten großen Welle von Updates und neuen Funktionen im sozialen Netzwerk war ich nicht nur unzufrieden, sondern schlichtweg überfordert. Die Privatsphäre-Navigation wurde noch komplizierter, die Datenhascherei noch größer.
Jetzt der nächste Coup des Online-Giganten: Die zunächst nur freiwillige Chronik wird zur Pflicht. Alle Profile werden zwangsweise umgestellt, längst vergessene Einträge wieder zugänglich und die Nutzer dazu animiert, möglichst viel über sich preiszugeben. «Digital Life Caching» nennt Facebook das, jeder Klick auf der Plattform wird archiviert, ob man will oder nicht. Dahinter steckt ein Geschäft mit Nutzerdaten, die auf dem Onlinewerbemarkt Milliarden einbringen.
Natürlich könnten auch in der Chronik Einträge bewusst verborgen oder gelöscht werden, räumt das Unternehmen ein. Dazu raten Datenschützer und kritisieren die kurze Übergangszeit von nur sieben Tagen. Mit Recht.
Aber mal ehrlich: Soziale Netzwerke sollen Spaß machen. Sein Profil regelmäßig zu warten und aktiv kontrollieren zu müssen, wie weit man sich selbst der vollen Transparenz und permamenten Überwachung aussetzt, macht keinen Spaß.
Doch vielleicht liegt ja genau darin ein Potenzial des neuen Updates. Dass Internetnutzer bewusster mit ihren persönlichen Daten umgehen und entscheiden, was sie teilen wollen und was nicht, um nicht zugespamt, gemobbt oder gar gekündigt zu werden. Wer dem endgültig vorbeugen und seinen Lebenslauf nicht wie ein übergroßes Werbeschild ständig um den Hals tragen will, steigt einfach um oder aus. Zum Glück ist nur die Chronik Zwang und nicht die Mitgliedschaft bei Facebook.
Da hat die Autorin völlig Recht. Krass ist der Gruppenzwang, der von Facebook-Fans auf Nicht-Mitglieder ausgeübt wird, so nach dem Motto: Was, Du bist noch nicht? Dann will ich künftig weniger mit Dir zu tun haben. Ist fast wie eine Sekte
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