So., 27.05.12

Facebook 25.01.2012 Chronik wird zur Pflicht

Facebook macht seine umstrittene Chronik zur Pflicht (Foto)
Der Vorstandsvorsitzende des Online-Netzwerks Facebook, Mark Zuckerberg, spricht in San Francisco  vor einer Projektion zur sogenannten Timeline (deutsch: Chronik) des Online-Netzwerks. Bild: dapd

Die gut 20 Millionen deutschen Nutzer von Facebook haben keine Wahl mehr: Das soziale Netzwerk macht seine Chronik zur Pflicht. Doch auch auf Google-Nutzer kommen schon bald einschneidende Veränderungen zu, gegen die man sich nicht wehren kann.

Facebook lässt seinen gut 20 Millionen deutschen Nutzer keine Wahl mehr: Das soziale Netzwerk macht seine interaktiven Lebensläufe zur Pflicht. Am Mittwoch bestätigte eine Sprecherin von Facebook in Hamburg, dass in den nächsten Wochen alle klassischen Profile mit der neuen Darstellung ersetzt werden. Als die «Chronik» (englisch «Timeline») im Dezember eingeführt wurde, war ihre Nutzung noch freiwillig. Doch schon damals hagelte es Bedenken und Kritik.

In der «Chronik» können Nutzer die Einträge ihrer Freunde auch über Jahre zurück abrufen - und dabei gezielt in Jahren oder auch Monaten nachschlagen. Stellt ein Nutzer die Möglichkeit nicht ab, so wird unter anderem auch sichtbar, wann er sich mit anderen Nutzern via Facebook «befreundet» hat. Außerdem versucht Facebook, über die interaktiven Lebensläufe an historisches Material seiner weltweit gut 800 Millionen Nutzer zu gelangen: Sie haben nun die Möglichkeit, Fotos aus ihrer eigenen Vergangenheit nachzutragen - bis zur Geburt.

Übergangszeit von sieben Tagen

Die deutsche Facebook-Sprecherin Tina Kulow betonte, «jede und jeder hat sieben Tage, um sich mit der Chronik hoffentlich anzufreunden». Dahinter steht der zeitliche Plan, dass die Plattform die klassischen Profile nicht von einer Sekunde auf die andere umstellt, sondern jedem Nutzer per Vorwarnung eine Woche Zeit gibt, seine persönliche «Chronik» zu bearbeiten. Nutzer können Einträge dabei bewusst verbergen und haben auch nachträglich die Option, Elemente in der «Chronik» auszublenden.

Daten- und Verbraucherschützer hatten bereits vor der «Chronik» gewarnt, als Nutzer diese noch freiwillig aktivieren konnten. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hatte damals im Dezember 2011 bemängelt, Facebook-Mitglieder stünden nun «noch stärker in die Pflicht, alle veröffentlichten Daten, vor allem auch längst vergessene Einträge aus der Vergangenheit, aktiv zu kontrollieren und das eigene Profil regelmäßig aufzuräumen».

Facebook-Privatsphäre
Google sei Dank?
Video: news.de

Auch Google plant Änderungen

Derweil verändert auch Google seinen Umgang mit Nutzerdaten und will künftig alle Informationen, die man bei verschiedenen Diensten des Konzerns hinterlässt, gesammelt auswerten. Dies werde den Nutzern Vorteile in Form von relevanteren Suchergebnissen und Werbeanzeigen bringen, erklärte der Internet-Konzern. Für die Änderungen sollen ab Anfang März die Datenschutzbestimmungen vereinfacht und zusammengeführt werden - statt heute 70 einzelner Dokumenten für verschiedene Dienste soll es nur noch eins geben. Die Daten würden nach wie vor nicht nach außen verkauft, betont Google.

Wenn ein Nutzer bei Google angemeldet ist, «können wir Informationen, die Sie bei einem Dienst gemacht haben, mit Informationen aus anderen Diensten kombinieren», erläuterte Googles Datenschutz-Chefin Alma Whitten in einem Blogeintrag. Kurz gesagt, werde man über alle Google-Dienste hinweg als ein Nutzer behandelt. Das solle für ein «einfacheres, intuitiveres Google-Erlebnis» sorgen. Ein Nutzer kann das nur umgehen, wenn er nicht bei Google angemeldet ist. Google hatte im vergangenen Jahr in den USA Kontrollen seiner Datenschutzpraxis zugestimmt.

Gewinn für die Nutzer?

Der Konzern vermarktet die Neuerungen vor allem als Gewinn für die Kunden. «Wir können die Suche besser machen - indem wir verstehen, was Sie wirklich meinen, wenn sie Apple, Jaguar oder Pink eintippen», argumentierte Whitten. «Wir können Sie darauf hinweisen, dass Sie spät dran sind für ein Treffen, ausgehend von Ihrem Aufenthaltsort, Ihrem Kalender und einer Vorstellung von dem aktuellen Verkehr.» Oder man könne für jeden die richtigen Vorschläge bei der Rechtschreibkontrolle machen. Die Idee sei, die eigenen Informationen sinnvoller einzusetzen.

Mit den Änderungen wird Google Werbung besser auf einzelne Nutzer zuschneiden können. Anzeigen im Umfeld der Internet-Suche sind nach wie vor die wichtigste Einnahmequelle des Konzerns. Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook mit seinen mehr als 800 Millionen Mitgliedern ist inzwischen ebenfalls zu einer Milliarden-Kraft im Online-Werbegeschäft geworden - und kann auf eine Vielfalt von Informationen über seine Nutzer zurückgreifen.

ruk/wam/news.de/dapd
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Tom
  • Kommentar 1
  • 25.01.2012 17:33
 

"Chronik wird zur Pflicht" - da hilft nur eines: abmelden! tschüss facebook! ich lasse mir von niemandem vorschreiben, was ich in meinem profil angebe und was nicht!

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