Paulo Coelhos «Aleph» Der Guru verliert an Kraft

Leben bedeutet, gewohnte Pfade zu verlassen, sich immer wieder auf den Weg zu machen und sich neu zu entdecken. Routine ist dagegen der Grund unserer Unzufriedenheit. Dieser eigens formulierten These wird Paulo Coelho mit seinem neuen Buch Aleph allerdings selbst nicht gerecht.

Paulo Coelho auf Sinnsuche (Foto)
Der brasilianische Bestseller-Autor Paulo Coelho hat einen autobiografisch gefärbten neuen Roman geschrieben. Bild: dpa

Ein Mann, der alles hat: Er ist ein weltberühmter Schriftsteller, glücklich verheiratet und wird auf der ganzen Welt hofiert. Dennoch ist er frustriert. «Es gelingt mir nicht mehr, mich weiterzuentwickeln», bekennt er bei einem rituellen Treffen mit seinem Mentor J. Dieser rät ihm, offen zu sein für Veränderungen. «Unzufrieden lässt uns Gott nur aus einem Grund werden, man muss sich wieder auf den Weg machen», sagt J.

So beschließt der weltberühmte Autor, eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn zu machen. In Moskau trifft er bei einem Termin mit seinen Verlegern die junge Stargeigerin Hilal, die ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht. Eher widerwillig akzeptiert er ihre Gesellschaft bis beide zufällig ins Aleph treten, jenem Ort der keine Anfang und kein Ende hat. In diesem Paralleluniversum, in dem Zeit und Raum zusammenfallen, erkennt der Autor, dass er Hilal schon einmal in einem früheren Leben getroffen hat, und dass sie der Schlüssel für seine Erlösung ist.

«Aleph steht für eine Wende in meinem Leben, es ist ein ganz besonderes Buch für mich», verriet Paulo Coelho dem Magazin seines Schweizer Diogenes Verlags. Damit ist bestätigt, dass der Hauptdarsteller im Buch Coelho selbst ist. Egozentrisch erzählt Coelho von seinem eigenen Leben und Erleben. Wie ein Guru vermittelt er seine Sicht auf die Spiritualität. Coelho verwirrt seine Leser auch noch als er sie am Ende warnt, ins Aleph zu steigen: «Wie ich bereits erwähnte, kann eine Rückkehr in die Vergangenheit ohne Kenntnis des Verfahrens dramatische und unheilvolle Konsequenzen haben.» Hält er es also selbst für Realität? Wo ist dann die Fiktion, die einen Roman ausmacht?

Aleph ist ein schwieriges Buch. Leicht zu lesen zwar, aber literarisch nur halbgar. Die Charaktere bleiben skizzenhaft, kaum ein Ort wird näher beschrieben als in einem Reiseführer und die Parallelwelt, in die die Hauptfiguren immer wieder eintauchen, wirkt befremdlich. Dabei gibt es quasi keinen Protagonisten, der nicht real wäre, wie wir in den Anmerkungen des Autors am Schluss erfahren. Selbst die Geschichte kommt auf den 9288 Kilometern bis Wladiwostok nicht recht vom Fleck - keine Vergleich zu Coelhos letztem überzeugenden Buch Der Sieger bleibt allein.

Die Entwicklung findet in den Personen statt. Wie in früheren Werken Coelhos, wie Der Alchimist, Schutzengel oder Zahir, geht es auch in Aleph um Sinnsuche sowie die Suche nach sich selbst. Anders als im Alchimist, jenem Buch, das seinen Weltruhm begründete, fehlt Aleph die abstrakte Allgemeingültigkeit der Fabel und bietet auch nichts Neues. Die autobiographische Erzählung mag auf das Interesse seiner zahlreichen Fans stoßen, die seit Jahren jede Seite, jeden Kommentar in Zeitungen und sozialen Netzwerken, die er schreibt, verschlingen. Für sie ist Coelho ein Fixstern in einer unsteten Welt, die spirituelle Suche, eine Suche nach Halt. Auch Aleph mag für sie Balsam für die Seele sein, ein gutes Buch ist es deswegen noch lange nicht.

Autor: Paulo Coelho
Titel: Aleph
Überstzung: Maralde Meyer-Minnemann
Verlag: Diogenes
Preis: 19,90 Euro
Seiten: 320
Veröffentlichungstermin: Januar 2012

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • beatriz
  • Kommentar 4
  • 13.09.2013 15:16

Alles eine Art der Sichtweise - Dieser Artikel ist nur eine Meinung über dieses Buch. Leider eine schlechte. Ich finde dieses Buch wunderbar!! Und ich bin keiner dieser "Fans", die alles über Paolo verschlingen... Selber lesen und genießen!

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  • luis carlos
  • Kommentar 3
  • 26.01.2012 23:32

die essentiellen antworten sind in der schwarmintelligenz des internets zu finden, also vom ich von hierarchischem denken zum wir auf augenhöhe, das genügt für die menge in ihrer machtlosigkeir ihre gemeinsame macht zu erkennen.

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  • luis carlos
  • Kommentar 2
  • 26.01.2012 23:28

ein freund des selbsternannten erlösers george w. bush ist für jeden rational denkenden mensch kein mystiker sondern an sich selbst gescheitert, das ist auch gecheiter.

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