Fernsehen Lebt wohl, Genossen!

Das Ende dieser Supermacht war so banal und nichtssagend wie die Fernsehansprache, in der es verlesen wurde. Am 25. Dezember 1991 räumte Michail Gorbatschow vor einer grauen Wand sitzend die Niederlage der Sowjetunion ein: «Ich trete zurück vom Amt des Präsidenten der UdSSR.»

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Lebt wohl, Genossen! Bild: dpa

Berlin (dpa) - Das Ende dieser Supermacht war so banal und nichtssagend wie die Fernsehansprache, in der es verlesen wurde. Am 25. Dezember 1991 räumte Michail Gorbatschow vor einer grauen Wand sitzend die Niederlage der Sowjetunion ein: «Ich trete zurück vom Amt des Präsidenten der UdSSR.»

Damit war der Zerfall des sozialistischen Imperiums besiegelt. 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zeigt der Kulturkanal Arte eine aufwendige Dokumentationsreihe über den schleichenden Zerfall des Ostblocks. Die sechsteilige Doku «Lebt wohl, Genossen!» ist Teil eines gleichnamigen crossmedialen Projekts: Die TV-Produktion wird von einem Buch und einer Website begleitet, die bereits Anfang Januar online ging.

«"Lebt wohl, Genossen!" ist eine der wichtigsten und aufwendigsten Produktionen seit der Gründung von Arte vor 20 Jahren», sagt Arte-Programmdirektor Christoph Hauser über das rund 2,6 Millionen Euro teure Projekt. 17 Fernsehsender aus 15 europäischen Ländern strahlen die Dokumentation des ungarischen Autors György Dalos und des russischen Regisseurs Andrej Nekrassow aus. Auf Arte läuft der erste Teil der jeweils 52 Minuten langen Filme am Dienstag (24. Januar) um 21.50 Uhr.

Doch «Lebt wohl, Genossen!» ist keine schnöde Aufzählung ohnehin bekannter historischer Fakten. Vielmehr gehen die Macher der Frage nach: Wie konnte es dazu kommen, dass eines der mächtigsten Imperien der Weltgeschichte und damit auch die Idee des Sozialismus sang- und klanglos zerfiel?

Den roten Faden der Reihe bildet ein liebevoller und lebendiger Dialog zwischen Regisseur Nekrassow und seiner Tochter Tatjana. In der deutschsprachigen Version leihen die Schauspieler Samuel Finzi und Anna Maria Mühe den Protagonisten ihre Stimme. Während der Vater, geboren in den 1950ern und erzogen nach sowjetischen Idealen, dem Niedergang der sozialistischen Idee nachtrauert und die Vergangenheit aus Enttäuschung vergessen will, hakt seine Tochter kritisch nach.

Tatjana, eine moderne Europäerin, die in den 80er Jahren im Westen aufwuchs, ist auf der Suche nach ihren Wurzeln: «Es sollte nicht in Vergessenheit geraten, auch nicht all die schrecklichen Dinge, die wir heute darüber wissen.» Zwangsarbeit, Massenmord, Gulag, Tschernobyl.

Die Dokureihe beginnt mit den Ursprüngen des Niedergangs, wie sich im repressiven und siegessicheren Sowjetsystem langsam Rebellion und Redefreiheit den Weg bahnen. Die Macher berichten über den wachsenden Widerstand der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc, das Wettrüsten mit dem Erzfeind USA, die bröckelnde Wirtschaft, Glasnost und Perestroika sowie die friedlichen Revolutionen 1989.

Zu Wort kommen zahlreiche Zeitzeugen und Regimekritiker wie der Redenschreiber von KP-Chef Leonid Breschnew, der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière, der Pfarrer und Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer, aber auch einfache Bürger, Arbeiter und Soldaten. Sie berichten von ihrem Alltag und ihren Erfahrungen hinter dem Eisernen Vorhang und geben der Geschichte damit ein Gesicht. Bei ihren Recherchen führten die Macher rund hundert Interviews in 13 verschiedenen Sprachen.

Stolz sind die Produzenten auf die eigens für das Projekt entworfene Website. Hier können Nutzer alte Postkarten anklicken, hinter denen sich persönliche und kuriose Lebensgeschichten aus einer abgeschotteten Welt verbergen. Mit unterhaltsamen Videoclips, etwa über den Gründer eines Beatles-Fanclubs in der UdSSR, soll vor allem jüngeren Menschen der Einstieg in die Geschichte erleichtert werden.

Die Website bietet parallel zur TV-Doku zahlreiche Chroniken und Hintergrundinformationen - etwa, wie es zu dem historischen Satz von Präsident Gorbatschow kam, der den Untergang der Sowjetunion besiegelte.

news.de/dpa

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