Fernsehen Louise Hires a Contract Killer

Der Chef ist getürmt, die Firma über Nacht leergeräumt - und die Arbeiterinnen aus einem französischen Provinzkaff stehen perspektivlos da. Drastische Zeiten erfordern drastische Maßnahmen, denkt sich das rustikale Arbeiterkollektiv, das andachtsvoll den Klängen der Internationale lauscht.

Louise Hires a Contract Killer (Foto)
Louise Hires a Contract Killer Bild: dpa

Berlin (dpa) - Der Chef ist getürmt, die Firma über Nacht leergeräumt - und die Arbeiterinnen aus einem französischen Provinzkaff stehen perspektivlos da. Drastische Zeiten erfordern drastische Maßnahmen, denkt sich das rustikale Arbeiterkollektiv, das andachtsvoll den Klängen der Internationale lauscht.

Die Frauen werfen ihre mickrigen Abfindungen zusammen und beauftragen einen Profikiller, den Schuldigen zu liquidieren. Dumm nur, dass der angebliche Elitekämpfer Schussangst hat. Und in Zeiten der Globalisierung sind die ominösen Heuschrecken selten allein, finden die Arbeiterinnen auf ihrem blutigen Rachefeldzug heraus.

Die französische Komödie «Louise Hires a Contract Killer» (Arte, 20.15 Uhr) ist urkomisch, der Humor pechschwarz. Politisch völlig inkorrekt laufen die Regisseure und Drehbuchautoren Gustave de Kervern und Benoît Delépine gegen vermeintlich sensible Themen Sturm. Das Attentat vom 11. September 2001 wird mit Pappmodellen nachgespielt, Todkranke werden als Auftragsmörder missbraucht. Schließlich droht ihnen ja kein Gefängnis mehr, heißt die groteske Begründung. Einer Analphabetin wird von der Sprengung ihrer Wohnung überrascht, weil sie die Zettel zur Zwangsräumung nicht lesen konnte.

In Erinnerung an die gleichnamige Anarchistin aus der 1871er- Kommune in Paris heißt der Originaltitel «Louise Michel». Die Regisseure machen daraus ein absurdes Geschlechterspiel über sexuell desorientierte Filmfiguren. Louise war einst ein Mann, Möchtegern- Profikiller Michel hingegen eine Frau. Dieses schauspielerisch brillante Paar trägt den Film. Mit Mut zur erbarmungslosen Hässlichkeit werden die beiden als Gegensätze überzeichnet: Louise ist dumpf ausdruckslos, aber innerlich entschlossen. Michel hingegen plappert endlos vom vermeintlichen Überwachungsstaat, den er sich durch eine List zu entziehen verstand: Er habe einfach seine Email- Adresse gelöscht, sein Handy weggeworfen und auch sonst zu niemandem mehr Kontakt. So einfach können Lösungen sein.

Und die Essenz der bitterbösen Moritat? Es bedarf nur der Entschlossenheit und einer selbstgebastelten Waffe, um das Unrecht aus dieser Welt zu schießen. Wenigstens für einen Moment. Denn kaum ist ein Kopf der dämonischen Schlange Hydra als Symbol des Turbokapitalismus abgeschlagen, schon wächst ein anderer nach. Das ist zwar ein vergeblicher Kampf, der aber in «Louise Hires a Contract Killer» absolut sehenswert ist.

news.de/dpa

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