Musik Bundespräsident Wulff eröffnet Villa Seligmann

Bundespräsident Wulff eröffnet Villa Seligmann (Foto)
Bundespräsident Wulff eröffnet Villa Seligmann Bild: dpa

Bundespräsident Christian Wulff hat die Villa Seligmann als Europäisches Zentrum für Jüdische Musik eröffnet. «Das ist ein herausragendes Ereignis für unsere ganze Kulturnation», sagte Wulff vor 130 geladenen Gästen am Dienstag in Hannover.

Hannover (dpa) - Bundespräsident Christian Wulff hat die Villa Seligmann als Europäisches Zentrum für Jüdische Musik eröffnet. «Das ist ein herausragendes Ereignis für unsere ganze Kulturnation», sagte Wulff vor 130 geladenen Gästen am Dienstag in Hannover.

Angesichts des Mordes an den europäischen Juden sei jede Neueröffnung einer jüdischen Einrichtung in Deutschland ein Akt aktiver Reue und lebendiger Erinnerung. «Wir sind in unserer Geschichte unauslöschlich verbunden mit dem ganz großen Erbe der jüdischen Kultur», betonte der Bundespräsident. «Deshalb geht diese Villa das ganze Land an.»

Schon als niedersächsischer Ministerpräsident hatte sich Wulff für die Villa Seligmann und das Europäische Zentrum für Jüdische Musik engagiert, das seit 1992 ein Institut der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover ist. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) dankten Wulff für dieses Engagement.

Der Direktor des Zentrums, Prof. Andor Izsák, hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, verschüttete Schätze der jüdischen Musik zu bergen und zu veröffentlichen. Das prachtvolle Haus des jüdischen Unternehmers Siegmund Seligmann (1853-1925) ist als Forschungs- und Begegnungsstätte konzipiert. Der Kauf der Villa und ihre originalgetreue Restaurierung wurden überwiegend mit privaten Spenden finanziert. Die Villa Seligmann aus dem Jahr 1906 ist eines der wenigen Zeugnisse jüdischen Lebens in Norddeutschland vor der Shoa.

Herzstück des 1600 Quadratmeter großen Gebäudes ist das neun Meter hohe holzvertäfelte ehemalige Wohnzimmer der Seligmanns. Hier trafen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts Politiker, Unternehmer und Künstler. Am Dienstag erklang in dem Saal eine Synagogenorgel aus Berlin, die Izsák vor Jahren in einer katholischen Kirche in Rheinland-Pfalz entdeckte, kaufte und restaurieren ließ. «Ich möchte, dass die sakrale jüdische Musik als selbstverständlicher Teil der europäischen Kultur wahrgenommen wird», sagte Izsák am Rande der Veranstaltung.

Zurückgekehrt in die Villa ist nun auch ein Porträt von Siegmund Seligmann, das der Berliner Künstler Max Liebermann malte. Die Leihgabe der Erben Seligmanns hing zuvor im Landesmuseum Hannover. Besitzerin der Villa ist die Siegmund Seligmann-Stiftung, Wulff war lange Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung. Große Beträge spendeten unter anderem große in und um Hannover ansässige Unternehmen sowie Andor Izsák.

Studenten und Wissenschaftler erforschen künftig an dem historisch bedeutungsvollen Ort die sakrale jüdische Musik und vermitteln sie in Konzerten, Vorträgen und Ausstellungen. Das Europäische Zentrum für Jüdische Musik verfügt über den einzigen Lehrstuhl für synagogale Musik weltweit.

Europäisches Zentrum für Jüdische Musik EZJM

Siegmund Seligmann Stiftung

news.de/dpa

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