Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Weder über Christian Wulff noch über die Eurokrise wurde bei Günther Jauch diskutiert, sondern zum Thema Deutschland XXL - Brauchen wir Steuern auf Dickmacher? Zum heimlichen Star der munteren Plauderrunde avancierte ein Schokoriegel.
Was ist in dieser Woche so passiert? Die Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten sind noch immer nicht vom Tisch. Vor Italien kentert ein Kreuzfahrtschiff. Und in der Schuldenkrise verschlechtert sich die Bonitätseinschätzung von gleich neun Euroländern. Welchem Thema mochte sich da die am quotenträchtigsten programmierte Talkshow Deutschlands widmen?
Richtig, bei Günther Jauch ging es um Deutschland XXL - Brauchen wir Steuren auf Dickmacher? Nachdem sich in dieser Woche bereits die Gesprächskreise bei Beckmann, Maybrit Illner und Frank Plasberg an der Causa Bellevue abgearbeitet hatten, kündigte Jauch nun - halb entschuldigend - «eine Wulff-freie Sendung» an.
Zu Gast waren Ilse Aigner (CSU), Karl Lauterbach (SPD), Werner Wolf aus den Reihen der Lebensmittelindustrie, Maite Kelly und Ernährungswissenschaftlerin Dagmar von Cramm. Bevor es zur Sache ging, unterhielt sich Jauch mit einer Übergewichtspatientin und der Leiterin der Hamburger AdipositasFettleibigkeit, Fettsucht, sehr hohes Übergewicht -Ambulanz, Dorit Roeper.
Letztere legte im besten Expertendeutsch mit der Feststellung los, das Kernproblem im Kampf gegen Übergewicht seien «frühzeitig stabile, veränderungsresistente Verhaltensmuster». Die anderen Talkgäste mochten da nicht widersprechen.
Einkaufen mit Lexikon und Lupe
Die Frage nach der titelgebenden «Steuer auf Dickmacher» wollte Jauch offensichtlich schnell vom Tisch haben und hielt sich nur kurz mit ihr auf. Lauterbach wies auf die USA hin, wo die Lebensmittelindustrie jeden mit einer Zwangsabgabe belegten Inhaltsstoff flugs mit einem anderen - im Zweifel noch schädlicheren - ersetzt hätte. Als Wolf an der Reihe war, rief ihn Jauch eher pro forma mit den Worten auf: «Überflüssig, Sie zu fragen, ob Sie für eine Fettsteuer sind.»
Ansonsten überzeugte der Moderator mit allerlei umsichtigen Einwürfen, wie dem, ob denn die freie Wahl des Speiseplanes auch für Kinder gelten könne. Angesichts dieses Dilemmas zwischen Freiheit und Gesundheit wurden die Diskutanten ziemlich kleinlaut.
Maite Kelly sekundierte Jauch in Sachen gesundem Menschenverstand. Als Aigner ausführte, welche Inhaltsinformationen man in welcher Form auf Produkte drucken sollte, warf sie ein, zum bewussten Einkaufen benötige man mittlerweile «ein Lexikon und eine Lupe».
In die gleiche Kerbe hieb auch Lauterbach, als er einen Balisto-Riegel aus dem Sakko hervorzauberte und demonstrierte, wie schlecht etwaige Inhaltsangaben zu lesen sind. Wolf focht das nicht an, schließlich wüsste doch jeder, dass ein Schokoriegel aus Schokolade bestünde. Falsch, entgegnete da der SPD-Gesundheitsexperte mit diebischem Vergnügen: «Der besteht nicht aus Schokolade, sondern fast nur aus Zucker und Fett.»
«Das ist das Ende dieses Riegels»
Auch sonst hatte Wolf, Präsident des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, in der Runde keinen besseren Stand als Lobbyisten der Zigaretten- oder Ölindustrie vor ihm. Mit Parolen wie «Für Kinder sind die Eltern verantwortlich», «Es gibt keine gesunden und ungesunden Produkte, nur gesunde und ungesunde Ernährung» oder dem Highlight «Die Nahrungsmittelindustrie freut sich über gesunde Menschen» gewann er nicht unbedingt die Herzen und Köpfe des Publikums.
Festnageln konnte ihn Lauterbach aber ebenso wenig, auch weil Ernährungswissenschaftlerin von Cramm viel zu still blieb. Aber was ist nun zu tun gegen Roepers «veränderungsresistente Verhaltensmuster»? Lauterbach forderte mehr Aufklärung. Kelly rief alle Betroffenen zum Gang zum Hausarzt auf. Wolf riet zu mehr Bewegung. Aigner sinnierte über einen «Ernährungsführerschein» und warb für eine europäische Lösung.
Europa. Natürlich. Denn zuständig für die Lösung - und nicht bloß Verwaltung - der Adopositas-Problematik ist leider wieder einmal niemand. Nicht die Industrie. Nicht die Betroffenen. Nicht die Schulen, die Familien oder die Politik. Oder alle. Und dann war plötzlich die Sendezeit um und Günther Jauch musste schnell zu Tom Burow schalten, obwohl er an diesem Punkt der Diskussion sichtlich gerne weitergemacht hätte. Nur eine Gewissheit verkündete der Moderator, als seine Gäste das mittlerweile entzwei gebrochene Balisto auf dessen Inhalt untersuchten: «Das ist das Ende dieses Riegels.»
Bestes Zitat: «Die Ampel ist sehr simpel, deswegen ist die Industrie auch dagegen.» (Karl Lauterbach über die Ampel-Kennzeichnung auf Lebensmitteln.)
cvd/news.de
berniboy! Ich bin kein Flegel, sondern sage klar was ich dmeine. Es macht wenig Sinn, um Themen herumzueiern, wie die meisten hier es tun. Die Wahrheit ist meist klar u. einfach, nur wollen die Leutchen das nicht wahrhaben. Außerdem spreche ich aus eigener Erfahrung u. muss mich nicht von selbsternannten Experten belehren lassen. Gesundheit u. normale Figur kosten kein Geld, sondern stetig etwas Mühe. Und körperliche oder geistige Mühe wollen die Leutchen nicht auf sich nehmen. Dann lieber zum Arzt, wenns zu spät ist. Der kann aber bei Faulheit auch nicht helfen.
jetzt antwortenKommentar meldenHarter Tobak heinrich IV den sie da von sich geben. Ich selbst bin weder dick noch fett, würde aber keine so großen Töne über diese Menschen spucken wie sie. In meinen Augen sind sie Flegel und sollten sich bevor sie einen Kommentar schreiben genauer Informieren. Sie haben von nichts eine Ahnung, stelle ich ebenfalls einmal so dahin.
jetzt antwortenKommentar meldenIch meine, zum Thema XXL-Eurokrise u. Wulff wurde bereits ausreichend diskutiert. Ja, Herr Jauch hat recht mit seinem neuen Thema: "Dickmacher". Nun sind die Dicken u. Fettleibigen dran u.müssen den Gürtel (falls noch passend)enger schnallen, ha,ha. Fettleibigkeit ist in aller Regel keine Krankheit, sondern selbst verursacht. Die Leutchen sollten JEDEN Tag mind. 3-5 Kilometer laufen...und die Pfunde werden von selbst wegschmelzen. Dazu braucht man keine Lebensmittel-Experten oder teure Kliniktherapien, die der Allgemeinheit nur Geld kosten. Dicke bewegt Euch oder zahlt höhere Krankenbeiträge!
jetzt antwortenKommentar meldenda uns die politik seit jahren im stich lässt und immer nur halbseidene ansätze liefert, ist es unumgänglich sich als verbraucher und kunde selbst um eine gesunde ernährung zu kümmern. jedem sollte bewusst sein, dass es das eigene zutun braucht um die richtigen lebensmittel einzukaufen. man kann sichn eben nicht darauf verlassen, dass das was drauf steht auch drin ist. wer frisches gemüse und obst kauft, vielleicht sogar auf bio setzt, ist in jedem fall auf einem guten weg.
jetzt antwortenKommentar meldenWelche Erkenntnisse sollte der Zuschauer nach Ende der Sendung haben? Selten so ein von fachchinesisch unterbrochenes Geplänkel gehört. Die Ernährungs-"Fachleute" haben kein Konzept, die Industrie macht was sie will und die Politik redet und redet. Aufgefallen ist mir Frau Aigner, die wider besseres Wissen bestritt, dass die EU die falschen Nahrungsmittel subventioniert. Ein Blick ins Internet hätte genügt, um die völlig verfehlte Lebensmittelpolitik Deutschlands und der EU in ihrer ganzen Dramatik zu begreifen!
jetzt antwortenKommentar melden