Kaizers Orchestra legen nach: Violeta Violeta Vol. 2 ist der zweite Teil ihrer Trilogie und erneut umwerfend vielseitig. Dirk Darmstaedter verwandelt sich wieder in Me And Cassity und beweist ganz gelassen seine Klasse.
Schon mit Teil 1 der Trilogie Violeta Violeta hatten die Jungs von Kaizers Orchestra bewiesen, wie vielseitig, mitreißend und irritierend ein Konzeptalbum sein kann. Nun geht die Geschichte von Violeta und ihrer entführten Tochter weiter. «Die Kombination aus der Musik, die wir machen, und den Geschichten, die wir erzählen, in meiner Sprache und dem Dialekt, ist etwas, das vorher so noch nicht vorkam. Die Leute machten Pop, und plötzlich kamen wir und machten mit unserer Sache auf uns aufmerksam. Wir machten etwas anderes. Genau da wollten wir hin. Und das machen wir immer noch», umschreibt Janove Ottesen, einer der beiden Sänger bei den Norwegern, den nach wie vor höchst wirkungsvollen Ansatz des Kaizers Orchestra.
Violeta Violeta Vol. 2 ist manchmal mitreißender Rock (I Ett Med Verden), manchmal so düster, wie Gypsy nur sein kann (Far Til Datter), manchmal ganz zerbrechlich wie zum Schluss bei Den Romantiske Tragedien. Ein absolutes Highlight ist die erste Single Drøm Videre Violeta: Die Stimme klingt plötzlich sanft wie Ben Folds, die Musik dazu hat mit Streichern und einem leidenschaftlichen Refrain all die besten Eigenschaften einer Aerosmith-Powerballade, und irgendwie schaffen es Kaizers Orchestra, diesen Mix schlüssig klingen zu lassen.
Ende des Jahres wollen Kaizers Orchestra den Abschluss von Violeta Violeta vorlegen. Wenn man bedenkt, wie gut die ersten beiden Teile sind, dann muss man das als Versprechen auffassen.
Interpret: Kaizers Orchestra
Album: Violeta Violeta Vol. 2
Plattenfirma: Petroleum Records
Veröffentlichungsdatum: 20. Januar 2012
Müsste man Voyageur, das vierte Studioalbum von Kathleen Edwards, mit einem Wort beschreiben, dann wäre dieses Wort wohl: defensiv. Sie werde nach Amerika auswandern, schwört sie im ersten Stück der Platte - um dann zuzugeben, dass das nur eine leere Drohung ist. Und im letzten Lied meint sie «I only wanted to sing songs», und es klingt fast wie eine Entschuldigung.
Nichts auf Voyageur ist laut, plakativ oder modern. Doch bei aller Zurückhaltung ist der Kanadierin ein wunderschönes Singer-Songwriter-Album gelungen. John Roderick (Long Winters) und Justin Vernon (Bon Iver) haben mitgeholfen, auch Norah Jones ist auf einem Lied zu hören. Zwischen Tom Petty, Ryan Adams und Sheryl Crow breitet sich auf Voyageur eine große Entspanntheit aus, mt viel Gefühl und Könnerschaft. Am besten gelingt Mint, das reichlich Grandezza hat und doch staubtrocken bleibt. Vielleicht ist das doch das bessere Wort, um Voyageur zu umschreiben: schön.
Interpret: Kathleen Edwards
Album: Voyageur
Plattenfirma: Zoe/Rounder
Veröffentlichungsdatum: 20. Januar 2012
In seiner 25-jährigen Karriere hat Dirk Darmstaedter einiges versucht und manches mitgemacht. Nun ist er mit dem runderneuerten Bandprojekt Me And Cassity wieder da, und beweist erneut, dass er einer der besten deutschen Songwriter ist.
Appearances ist eine toll produzierte, zeitlos-schöne Platte mit internationalem Anspruch geworden. «Diese Songs verlangten mehr als zwei Akustikgitarren und ein Tamburin», erklärt Darmstaedter, warum es diesmal ein opulentes Band-Album sein musste. Künstlerisch sind die zehn Songs zwischen flauschigem Folkrock, schwelgerischen Balladen und angejazztem Sixties-Pop über jeden Zweifel erhaben - das kennt man von Darmstaedters Alben schon lange. Aber auch kommerziell könnte Appearances sein Nischendasein beenden. Denn Lieder wie Fred Astaire, Stupid World oder Dominoes sind toller Radio-Stoff und haben Hitqualitäten. Appearances ist das selbstbewusste Statement eines Pop-Grandseigneurs, von denen es hierzulande nicht allzu viele gibt.
Interpret: Dirk Darmstaedter
Album: Appearances
Plattenfirma: Tapete
Veröffentlichungsdatum: bereits erschienen