Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Die Verunsicherung in der Sachsen-Metropole wächst: Erst wird ein Brautpaar brutal ermordet, dann muss eine Abiturientin dran glauben. Ein Psychopath geht im Leipziger Tatort um - und hat bald auch Simone Thomalla im Visier.
Es soll der glücklichste Tag ihres Lebens werden: Annika (Lisa Bitter) und Peter (Lars Jokubeit) sind frisch verheiratet und feiern ausgelassen mit Familie und Freunden. Die Braut begeistert die Gäste mit einem Table Dance und zieht mit der sexy Vorführung nicht nur die bewundernden Blicke des Bräutigams auf sich. Wenig später liegen die beiden am Ufer eines Sees –«totgeschlagen wie Tiere», wie Gerichtsmediziner Reichau (Kai Schumann) es ausdrückt.
Es scheint ein ganz normaler Fall zu sein, dem Hauptkommissar Andreas Keppler (Martin Wuttke) mit dem üblichen Sarkasmus begegnet: «Das nenn' ich mal eine kurze Ehe», meint er beim Blick auf das Blutbad und wird von Kollegin Eva Saalfeld (Simone Thomalla) mit einem Kopfschütteln bedacht. Die lockeren Sprüche werden ihm noch vergehen im Laufe der Tatort-Folge Todesbilder. Denn wie sich bald herausstellt, haben es Keppler und Saalfeld mit einem Serienkiller zu tun: einem Psychopathen, der es auf Menschen abgesehen hat, die ihm allzu glücklich erscheinen, und der seine Opfer kurz vor und nach dem Todesstoß fotografiert.
Der cholerische Ex-Freund macht sich verdächtig
Die Kommissare vermuten den Täter unter den Hochzeitsgästen und bitten zu einer Speichelprobe ins Präsidium. Alle hinterlassen ihre Spucke auf einem Wattestäbchen, nur einer kommt nicht: Florian Koll (Jörg Malchow), ein enttäuschter Ex-Freund der Braut. Bei der ersten Begegnung mit Saalfeld und Keppler zeigt sich der Fitnessfreak ziemlich angespannt, um nicht zu sagen: cholerisch. Und macht sich noch verdächtiger, als er beim Versuch erwischt wird, belastende Indizien verschwinden zu lassen.
Doch dann geschieht ein weiteres Verbrechen. Die Abiturientin Kerstin liegt ermordet neben ihrem Auto. Dem getöteten Brautpaar und der jungen Kerstin ist eines gemeinsam: Über sie erschienen Artikel in der Lokalzeitung. Die Fotos schoss Roman Rustaveli (Merab Ninidze), ein Jugendfreund der Kommissarin. Eine Verschlusskappe seiner Kamera findet sich direkt neben der ermordeten Kerstin. Ist er der Mörder? Und warum verdingt der renommierte Kriegsfotograf sich neuerdings für ein Provinzblatt? Oder ist es doch der Ex-Freund der Braut? Es könnte aber auch deren Onkel, Fahrlehrer Baumann (Peter Kremer), gewesen sein, der - verdächtig, verdächtig! - eine Passion für Fotos mit nackten Frauen hat.
Zum Auftakt des Jubiläumsjahres – der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) feiert 20 Jahre Tatort – präsentiert Autor und Regisseur Miguel Alexandre Verdächtige im Überfluss. Das klingt zwar nach spannender Krimiunterhaltung inklusive Rätselspaß, wer der Mörder sein könnte. Erreicht wird aber genau das Gegenteil: Die Kommissare jagen mal den einen und in der nächsten Szene schon den nächsten. Kein Handlungsstrang wird konsequent verfolgt. Jeder leidet unter irgendeiner Macke. Bis auf die Opfer. Die sind rundum glücklich, aber unglücklicherweise tot. Zu allem Übel hat der Zuschauer nach ungefähr der Hälfte der Zeit eine Ahnung, wer hinter der Mordserie stecken könnte. Anders die Kommissare, die sind noch eine ganze Zeit lang auf der falschen Fährte. Krimi-Nervenkitzel sieht anders aus.
Und dann gerät Eva Saalfeld auch noch selbst ins Visier des Mörders. Dass die Kommissarin einmal mehr in einen Fall persönlich verwickelt ist, scheint eine Masche des Leipzig-Tatorts zu sein. In der Vorgänger-Folge (Nasse Sachen) war ihr totgeglaubter Vater urplötzlich aufgetaucht und von seiner Tochter als einstiger Stasi-Scherge überführt worden. Diesmal muss sie einen zwielichtigen Ex-Liebhaber, der zudem noch unter einem Kriegstrauma leidet, von einem schrecklichen Verdacht befreien.
Saalfeld und Ehrlicher haben einiges gemeinsam
Saalfelds Vorgänger, Kommissar Ehrlicher (Peter Sodann), war ebenfalls in etliche Fälle persönlich involviert. In Todesangst (1999) geriet er sogar unter Verdacht, die Tochter der Freundin seines Sohnes sexuell missbraucht zu haben. In Reise in den Tod (1996) fiel seine Frau Lore in Krakow einem Bombenattentat zum Opfer. Und in Auf dem Kriegspfad (1999) wurde er von einem Mann, der die Rückgabe eines indianischen Heiligtums erzwingen wollte, gekidnappt und erst in letzter Minute von seinem Kollegen Kain (Bernd Michael Lade) gerettet.
In letzter Minute gerettet wird auch Saalfeld - so viel sei verraten. Schließlich haben sie und Kollege Keppler im Jubiläumsjahr noch einiges vor: Die Doppelfolge mit den Kollegen aus dem Kölner Tatort - Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) - steht an und führt das Quartett auf den Kinderstrich. Gezeigt werden die Krimis am Ostersonntag und -montag (8. und 9. April).
«Die Arbeit hat Spaß gemacht, zumal die Kölner Kommissare zu meinen Lieblingskommissaren gehören», ließ Thomalla über die Dreharbeiten verlauten. Lieblingskommissare des TV-Publikums sind auch die gebürtige Leipzigerin und Schauspieler Wuttke - wenn man die Einschaltquoten zum Maßstab nimmt. Ihre Figuren Keppler und Saalfeld erreichen im Durchschnitt 8,35 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 23,7 Prozent. Dass sie auch in diesem Tatort wieder aneinander vorbei ermitteln und spielen, scheint das TV-Publikum nicht zu stören. Hauptsache, der Mörder wird am Ende gefasst.
Titel: Tatort - Todesbilder
Regie: Miguel Alexandre
Darsteller: Simone Thomalla, Martin Wuttke, Merab Ninidze, Peter Kremer
Sendetermin: Sonntag, 15. Januar 2012, 20.15 Uhr, Das Erste