Korr-Inland «Das System»: DDR-Thriller in den Wirren der Stasi

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«Das System»: DDR-Thriller in den Wirren der Stasi Bild: dpa

Mike wurde vor dem Mauerfall geboren. Der junge Ostdeutsche weiß fast nichts über seine Vergangenheit. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse.

Berlin (dpa) - Mike wurde vor dem Mauerfall geboren. Der junge Ostdeutsche weiß fast nichts über seine Vergangenheit. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse.

Die Kleingartenidylle unter Kiefern ist nur vorgetäuscht. Stasi-Rentner feiern hier, trinken Wodka und sinnieren über die untergegangene DDR. Akten haben sie beiseite geschafft und in einem unauffälligen Gartenhäuschen bestens gesichert. Schließlich ist es das Kapital der alten Seilschaften. Da hinein gerät der vorbestrafte, arbeits- und orientierungslose Mike Hiller, gespielt von Jacob Matschenz. Der schlaksige junge Mann aus dem Osten mit dem sanften Blick ist auf der Suche nach seinen Wurzeln.

Wie der Film «Das System - Alles verstehen heißt alles verzeihen» über frühere Stasi-Leute im Hier und Heute erzählt, ist weder lächerlich noch gruselig. Sondern eher beklemmend. Der erste Spielfilm des Dokumentarfilmregisseurs Marc Bauder beginnt zwar etwas verhalten und kommt auch nicht ganz ohne Klischees aus - wie etwa die ewige Plattenbausiedlung als Beleg für Tristesse. Doch der 92-Minuten-Film wird dann immer dichter und dramatischer.

Bernhard Schütz brilliert als einstiger Stasi-Mann Konrad Böhm. Er hat es ins feine, gehobene Ambiente des wiedervereinigten Deutschlands geschafft - mit Erpressung, Bestechung, freundlich und knallhart. Nun will der umtriebige, skrupellose Neu-Unternehmer am Bau der russischen Gaspipeline nach Europa kräftig mitverdienen.

Wie eine Klammer sind Filmsequenzen von der offiziellen Eröffnung der Nordstream-Pipeline in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern Anfang November dieses Jahres mit Kanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew in dem Politthriller zu sehen. Dort an der Ostsee ist auch die Filmgeschichte angesiedelt.

Regisseur Bauder sagt zu dem Untertitel des Films - «alles verstehen heißt alles verzeihen» - manchmal lese er das mit Fragezeichen, manchmal als warnendes Ausrufezeichen. «Das System» zeige, wie leicht Menschen manipuliert oder korrumpiert werden können. «Von anderen Menschen, innerhalb jedes Systems und auch heute noch.»

Die Drehbuchautorinnen Khyana el Bitar und Dörte Franke sagen, es habe nicht so viel Fantasie gebraucht, um sich eine Geschichte über eine Ex-Agenten auszudenken - Privatdetekteien und Reisebüros von früheren MfS (DDR-Ministerium für Staatssicherheit)-Leuten gebe es ganz real. Auch Berichte der Enquete-Kommission des Bundestages zur SED-Diktatur seien in die Recherche einbezogen worden.

Der eloquente Ex-Stasi-Devisenbeschaffer versucht den jungen Mike zu beeindrucken und zu manipulieren. Ganz unverblümt sagt Konrad Böhm zu seiner Vergangenheit: Du tötest, du lügst, du glaubst 'dran. Mikes Vater sei sein bester Freund gewesen. Doch starb der wirklich bei einem Unfall?

Immer mehr aus dem verborgenen Gestern kommt ans Licht. Mike ist hin- und hergerissen, Mutter Elke (Jenny Schily) dagegen hilflos und ein Stück verbittert. Sie will die DDR-Zeit ausblenden. Zum Schluss sagt Frau Hiller, sie werde zur Polizei gehen und die Vergangenheit offenlegen. Und Mike bricht auf - vielleicht in die Zukunft.

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news.de/dpa

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