Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann, Berlin
Als Nachtschicht-Kommissar feiert Armin Rohde ein Jubiläum. Ein dankbarer Anlass, um tiefsinnig zu werden. Im Interview erzählt der Schauspieler von Trinkgelagen mit Götz George, entwickelt Heimatgefühle und träumt von Kinokarten für Hartz-IV-Kinder.
Armin Rohde bemüht wieder Revolver und Grips, um Schurken in ihre Schranken zu weisen. Als Kommissar Erich Bo Erichsen in der Krimi-Reihe Nachtschicht tut er das heute Abend zum zehnten Mal. Erichsen bekommt es in dieser Folge mit illegalen Immigranten zu tun, die ohne Papiere und Rechte ein leichtes Opfer für Ausbeute und Missbrauch sind. Dabei steht Rohde mit Götz George vor der Kamera, der als Haudegen und Schleuser mit Mitgefühl ringt und zur Selbstjustiz greift. Heute Abend läuft Nachtschicht - Reise in den Tod ab 20.15 im ZDF.
Herr Rohde, Sie feiern jetzt die zehnte Folge der Nachtschicht. Inhaltlich versetzt einen diese Folge allerdings nicht gerade in Feierlaune. Es wird politisch und sehr tragisch.
Armin Rohde: Ja, aber es ist tatsächlich so, dass gerade bei Dreharbeiten von tragischen oder härteren Stoffen viel mehr Witze gerissen werden, als wenn etwas Komisches gedreht wird.
In Reise in den Tod geht es um illegale Immigranten und um Rassismus - glauben Sie, dass ein Fernsehkrimi etwas verändern kann?
Rohde: Nein. Ich finde, dass ein Fernsehfilm sich damit überfordern würde. Man kann aufmerksam machen. Aber auch das sollte man im Fernsehen nicht allzu penetrant tun. Denn, jemanden, der den ganzen Tag hart gearbeitet hat und abends den Fernseher anschaltet, dem darf ich keine Belehrungen um die Ohren hauen und sagen: Hier stimmt's nicht, da stimmt's nicht - und was tust du? Ich hatte beim Drehen ein wenig Bedenken, ob wir unser Schiffchen Nachtschicht mit dieser Thematik nicht überfrachten, habe dann aber festgestellt: Nee, das funktioniert.
Schade ist ja, dass die Folge nicht schon im November ausgestrahlt wurde, als das Thema Nazi-Terrorismus so aktuell war.
Rohde: Das ist ja ein Thema, das uns immer wieder beschäftigt. In den 1970ern, als es die RAF gab, ich lange Haare hatte und aussah wie ein Hippie, wurde ich ständig angehalten und auf Waffen abgeklopft, bis man feststellte, dass ich nichts gefährlicheres als ein Baguette unterm Mantel trug. Jetzt wundert mich das große Erstaunen darüber, dass es einen rechten Terrorismus gibt. Ich meine, man muss sich doch nur mal anhören, was diese Leute von sich geben oder was passiert, wenn drei stiernackige glatzköpfige Menschen mit Springerstiefeln einen zarten Jungen verprügeln, nur weil er türkischer Herkunft ist. Dass sich so etwas irgendwann in organisiertem Verbrechen ausdrückt, ist doch klar. Das hätte doch irgendwann mal auffallen müssen.
Schön an der aktuellen Nachtschicht-Folge ist, dass die Themen und Figuren nicht schwarz-weiß gezeichnet werden. Es klingen Zweifel am Rechtsstaat an und das Thema Selbstjustiz spielt bei Bruno Markowitz, der von Götz George gespielt wird, eine sehr differenzierte Rolle.
Rohde: Ja, Markowitz ist einer der Bösen, hat aber auch ein Herz und greift dann wieder zu Maßnahmen, die man vielleicht nicht gutheißen würde. Der Drehbuchautor Lars Becker hat seine Antennen tief genug im Leben, um zu wissen, dass es ganz selten Menschen gibt, die nur gut oder böse sind. Wir sind alle merkwürdige Mischwesen.
Hatten Sie denn schon mal Zweifel am Rechtsstaat?
Rohde: Zur Selbstjustiz würde ich so ohne weiteres nicht greifen. Das würde mir vielleicht passieren, wenn mir jemand einen geliebten Menschen nehmen würde und ich das Gefühl hätte, es würde von staatlicher Seite nicht genug getan. Dann könnte ich mich in jemanden verwandeln, vor dem man sich schwer in Acht nehmen müsste.
Im neuen Film von George Clooney The Ides of March setzt sich Clooney als Senator gegen die Todesstrafe ein und wird gefragt, ob er nicht den Wunsch hätte, den Mörder seiner Frau umzubringen. Die Antwort darauf fand ich recht clever, er sagt: «Ja, aber ich würde dann auch mit Freude dafür ins Gefängnis gehen.»
Rohde: Okay, das ist dann ja unvermeidlich. Aber ob jemand mit Freuden ins Gefängnis gehen würde, weiß ich nicht. Das ist jetzt etwas charmant, geschönt dargestellt.
In der aktuellen Nachtschicht-Folge stehen Sie mit Götz George vor der Kamera – war es das erste Mal?
Rhode: Nein, wir haben zum ersten Mal bei seinem letzten Einsatz als Schimanski zusammen gedreht. Meine Güte, das muss schon so 20 Jahre her sein. Damals mochten wir uns gleich und wir haben uns seitdem immer wieder getroffen, auch in seinem Lieblingslokal in Hamburg haben wir das eine oder andere Gläschen zusammen getrunken. Mittlerweile sind wir Freunde, wobei wir uns irgendwann darauf geeinigt haben, dass er der große und ich der kleine Bruder bin. Nach einer lange durchzechten Nacht.
Götz George als Schimanski gilt als der Kommissar schlechthin. Jetzt sind Sie aber der Ermittler und er der Schurke...
Rohde: Über so etwas denkt man vorher vielleicht noch nach. Da ist der Kultkommissar - wie begegne ich dem jetzt mit meiner Kommissarsfigur? Aber wenn das Drehbuch und der Schauspielpartner gut sind, dann geht es nur noch darum, dass sich da zwei Männer gegenüber sitzen, die sich bestimmte Sachen zu sagen haben.
Interessant ist ja, dass Götz George als Berliner einen Ruhrpott-Kommissar gespielt hat. Wie finden Sie das denn als Ruhrpottler?
Rohde: Das fiel mir irgendwann auch ein: Moment mal, der ist doch aus Berlin! Aber ich habe nie gedacht, dass er nicht ins Ruhrgebiet passt. Im Gegenteil, das Ruhrgebiet hat sich ihm ja noch anverwandt.
Sie werden gern gleich in die Ruhrpott-Kiste geworfen, werden als Botschafter der Region wahrgenommen...
Rohde: Was ich nicht bin, ich bin kein Vorzeige-Ruhri.
Haben Sie als Prominenter das Gefühl, dass Sie das Image ihrer Heimat aufpolieren müssen? Noch immer denken viele beim Pott an Industrie, Kohlestaub und Currywurst.
Rohde: Da ist eine Riesenchance vertan worden, als das Ruhrgebiet 2010 Kulturhauptstadt Europas war. Da wurde ein Riesenfeuerwerk abgefackelt, ohne jede Nachhaltigkeit. Man hat da etwas verschüchtert nach den Ruhrgebiets-Klischees gegriffen, um die ein wenig aufgepeppt in die Landschaft zu tröten. Hinterher liegen nur matschige Knallkörper rum. Man hätte Kindern aus Hartz-IV-Familien ein Jahr lang kostenlose Kinobesuche spendieren können. Aber dann hätte es sicher Bedenken gegeben, dass alle denken könnten, dass im Ruhrgebiet nur Hartz-IV-Empfänger leben. Stattdessen wird die A1 gesperrt, damit da Hunderttausende frühstücken können. Damals haben die Organisatoren immer wieder versucht, mich einzuspannen, aber ich habe gesagt: Dafür halte ich nicht mein Gesicht hin.
Nervt es Sie manchmal, dass Sie immer gleich mit dem Ruhrgebiet in Verbindung gebracht werden?
Rohde: Nö, was soll daran schlimm sein? Was mich aber nervt, ist, wenn man deshalb denkt, dass ich zwar herzlich, aber ein bisschen schlicht bin. So ganz ernst kann man den nicht nehmen, der kommt aus Bochum. Aber ich halte es noch immer für wesentlich besser, unter- als überschätzt zu werden.
Ne, nach dieser Klischee Nachtschicht Nummer und dieser nichtssagenden Figur die Herr Rohde da angelegt hat. Vielleicht wollte er am Anfang einfach noch mehr, jetzt ist der Kühlschrank einfach schon voll. Aber es muss ja nicht immer der Oskar sein, ab und an mal den Räuber Hotzenplotz spielen füllt die Kasse doch mehr als genug.
jetzt antwortenKommentar melden