Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Nein, es geht nicht um Christian Wulff, sondern um den Schweizer Bundespräsidenten: Bruno Ganz spielt ihn im Film Der große Kater und steht wie das deutsche Staatsoberhaupt mächtig unter Druck. Wenn auch aus anderen Gründen.
Manch einer hat diesen Moment lange herbeigesehnt und kaum noch zu hoffen gewagt, dass er tatsächlich eintritt: Der Bundespräsident steht vor der Presse und gibt eine Erklärung ab. «Meine Damen und Herren», sagt er, «hiermit erkläre ich meinen unumstößlichen Entschluss, mit sofortiger Wirkung von allen meinen politischen Ämtern zurückzutreten.»
Doch es ist nicht der deutsche Bundespräsident Christian Wulff, der dies vor Journalisten sagt. Nach wie vor lehnt er einen Rücktritt vom höchsten deutschen Staatsamt ab. Auch wenn die Forderungen danach immer lauter werden, der Präsident, der wegen eines privaten Kredits für sein Haus und versuchter Einflussname auf Journalisten in der Kritik steht, hält an seinem Amt fest. Ja, er klammert sich geradezu daran - und kann auf den Rückhalt des Volkes zählen. Laut verschiedenen Umfragen will ihm die Mehrheit der Bürger eine zweite Chance geben.
Eier und Tomaten auf der Präsidentenlimousine
Der Schweizer Bundespräsident in dem Film Der große Kater, der im Oktober 2010 in den Kinos lief und den Arte jetzt in einer Free-TV-Premiere zeigt, hat seinen guten Ruf beim Volk verspielt. Bruno Ganz, der die Titelfigur spielt und als solche die oben zitierte Rücktrittserklärung abgibt, zieht am Ende die Konsequenzen aus dem Wirbel um seine Person. Eier und Tomaten fliegen zu Beginn des Films auf die Windschutzscheibe seiner Dienstlimousine. «Die Protestwelle um den Bundespräsidenten reißt nicht ab», meldet ein Sprecher im Autoradio. «Der Bundespräsident befindet sich in einer Glaubwürdigkeitskrise. Das hat es so noch nicht gegeben.»
Was genau Ursache dieser Glaubwürdigkeitskrise ist, wird nicht thematisiert, es ist auch nicht von Belang. Fakt ist, dass Bundespräsident Kater in der Klemme sitzt. Die Wahlen stehen kurz bevor, die Prognosen für seine Partei sind erschütternd, Katers Umfragewerte sinken. Um seinen Rückhalt bei den Wählern zu stärken, sieht der Präsident nur einen Weg: Der anstehende Staatsbesuch des spanischen Königspaares soll zum medialen Spektakel inszeniert werden.
Doch Kater, der auch private Sorgen hat - sein Sohn liegt sterbenskrank im Hospiz -, hat nicht damit gerechnet, dass es längst auch in den eigenen Reihen schwelt. Anders als Wulff gerät der Bundespräsident im Film eher schuldlos in ein Debakel. Sein bester Freund und engster Verbündeter, Fraktionschef Dr. Sotzer (Ulrich Tukur), intrigiert gegen ihn. Dass Kater ihm einst die Verlobte auspannte, hat er ihm nie verziehen und jetzt will er endlich Rache üben. Die Demontage des Präsidenten ist sein Ziel.
Stotzer will die Präsidentengattin Marie (Marie Bäumer) glauben lassen, ihr Mann schlachte das Leid ihres Kindes für einen Wahlerfolg aus. Hinter den Kulissen sorgt er dafür, dass das «Damenprogramm» des Staatsempfangs ein Besuch der Krebsklinik vorsieht, in der der sterbende Sohn liegt. Marie, die den Schalter von der verzweifelten Mutter zur Repräsentantin des Staates nicht so geschmeidig umlegen kann wie ihr Gatte, ist ohnehin schon irritiert, dass Kater an seine Wahl denkt, während das Kind stirbt. Stotzers Intrige fällt auf einen fruchtbaren Boden. Marie erscheint zum Bankett, wird aber für einen Eklat sorgen.
Auch der päpstliche Nuntius (Edgar Selge) steckt mit Stotzer unter einer Decke, Katers Assistentin Dr. Bässler (Christiane Paul) hat er ebenfalls um den Finger gewickelt. Die letzten Tage des Regenten scheinen gezählt zu sein. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie Kater, mit dem Rücken zur Wand, sich aufbäumt und geistesgegenwärtig handelt.
Sehenswert vor allem wegen Bruno Ganz
Bruno Ganz spielt die Rolle des Präsidenten mit viel Sinn für kleine Gesten. Gekonnt deutet er an, dass es unter der kontrollierten Fassade des Staatsmannes brodelt. Bedrückend ist die Szene, in der er volltrunken in die Pissoirrinne stürzt. Und wenn er am Bett des Sohnes sitzt und sein Haupt langsam über das kahle Köpfchen beugt, dann spricht diese stille wie intime Geste Bände über den Schmerz, der sich immer dichter um das Präsidentenherz zurrt.
Der große Kater ist zwar eine fiktive Geschichte, aber ein Quäntchen Wahrheit steckt doch darin: In der Romanvorlage verarbeitet der Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann die drei Tage im Jahr 1979, als der damalige Bundespräsident Hans Hürlimann, Vater des Autors, das spanische Königspaar zu empfangen hatte, während sein Sohn Matthias im Sterben lag.
«Damals wurden die Grenzen zwischen Privatem und Politischem noch relativ streng eingehalten, während heute alles viel schneller publik wird», sagt Hürlimann in einem Interview mit Die Zeit. Da sind sie wieder die Parallelen zu Christian Wulffs, aus dessen Kreditaffäre in den vergangenen Wochen immer mehr Details publik wurden und sich rasend schnell von Medium zu Medium verbreiteten.
«Ein Kater hat sieben Leben», heißt es im Film. Ein (deutscher) Bundespräsident vielleicht auch.
Bestes Zitat: «Und wieder einmal stellt der Bundespräsident seinen allseits sehr beliebten Umgang mit Menschen unter Beweis, sei es nun mit einem Monarchen oder mit Herr und Frau Jedermann.» (ein TV-Journalist)
Titel: Der große Kater
Regie: Wolfgang Panzer
Darsteller: Bruno Ganz, Ulrich Tukur, Marie Bäumer, Christiane Paul, Edgar Selge
Sendetermin: Freitag, 6. Januar 2012, 20.15 Uhr, Arte
Der eine Präsident ein Mimöschen, der andere ein Elefant. Wenn uns das nicht so elend viel (lebenslange) Pension kosten würde... Entlassen kann er sich je nur selbst. Aber mal ehrlich: was wollen wir uns denn nun als nächstes teuer einkaufen? Ihren Dekmalsockel für die Geschichte haben die Herren sich ja nun selbst zertrümmert. Unser Image in der Welt zerdeppern sie dabei leider auch...
jetzt antwortenKommentar meldenRücktritt,sofort!!!!!!!!!!! Entlassung ohne "EHREN",und jegliche Ansprüche!! Mit dem Wissen wächst der Zweifel! ( Goethe). Die Politiker waren schon immer die "größten Verräter" am eigenen Volk!! Wenn der "Deutsche Bürger" diesen Wulff erträgt,dann hat er versagt.Nicht er.Er bietet sich euch an.Euer Wulff. Das ist Demokratie,die sich selbst entlarvt????? Das ist erbärmlich,aber Realität!!!! ER ist ein "SYSTEMBONZE" !!! Alles kann beeindruckend sein, wenn es nur groß genug im Ausmaß ist, auch die Dummheit!! (Erich Kästner). Das Stimmvieh von heute hat noch nichts begriffen!!!!!!!!!!
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